Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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Als  ein  Nachteil  der  Konsumgenossenschaften  im  Vergleich  zu
den  privaten  Filialbetrieben  ist  nach  Hirsch  noch  die  enge  Verbindung ­
  der  Konsumvereine  mit  der  Arbeiterbewegung  und  die
dadurch  erzwungene  ständige  Lohnsteigerung  anzusehen.  Wir
haben  auch  diesen  Fall  schon  früher  erörtert  und  stimmen  mit  dem
Verfasser  der  „Filialbetriebe  im  Detailhandel"  vollständig  überein.
Es  fragt  sich  aber,  ob  dieser  Punkt  dauernd  so  empfindlich  für  die
Konsumvereine  sein  wird  wie  heute.  Es  wäre  denkbar,  daß  mit  dem
Eindringen  bürgerlicher  Elemente  in  die  Konsumvereine  die  Abhängigkeit ­
  von  den  Gewerkschaften  gemildert  würde.  Es  ist  auch  nicht
ausgeschlossen,  daß  Tarifverträge  allgemein  für  Ladenangestellte
durchgeführt  werden.  Es  bestehen  heute  schon  solche  in  Kleinhandelsgroßbetrieben. ­
  Solange  keine  Großbetriebe  im  Kleinhandel  bestanden, ­
  fehlte  überhaupt  die  Voraussetzung  für  eine  durchgreifende
Gewerkschaftsbewegung  und  für  Tarifabschlüsse.  Was  die  Tarifverträge ­
  der  Arbeiter  betrifft,  so  bestehen  allerdings  große  Differenzen
zwischen  denjenigen  privater  und  denjenigen  konsumgenossenschaftlicher ­
  Betriebe.  Sollten  aber  einmal  die  Gewerkschaften  volles  Verständnis ­
  für  die  Konsumgenossenschaftsbewegung  bekommen,  so  dürften
sie  auch  in  ihren  Forderungen  vorsichtiger  werden.  Schließlich  haben
die  besseren  Tarife  in  den  Konsumgenossenschaften  ja  auch  den  Vorteil, ­
  daß  die  Arbeiter  zufriedener  sein  werden  und  weniger  zu  Lohnkämpfen ­
  neigen  als  die  Arbeiter  in  privaten  Filialbetrieben.  Unter
Umständen  können  derartige  Kämpfe  sehr  verhängnisvoll  werden,  so
beim  Fabrikfilialsystcm.  Hirsch  sagt  darüber  selbst,  ohne  unser
Problem  zu  berühren:
„Außerdem  erleichtert  das  Fabrikfilialshstem  aber  der  eigenen
Arbeiterschaft  den  Lohnkampf,  nicht  nur  wegen  des  engen  Zusammenhanges
zwischen  Handels-  und  Produktionsbetrieb,  durch  den  also  bei  Stillegung  des
Produktionsbetriebes  auch  alle  seine  Läden  ganz  anders  in  Mitleidenschaft
gezogen  werden  als  bei  Selbständigkeit  beider  Teile,  sondern  vor  allem  auch,
weil  hier  der  Boykott  eine  gefährlichere  Waffe  wird  als  der  Streik." 17 )
Wir  haben  somit  alle  Einwände  von  Hirsch  mitgeteilt  und
uns  mit  ihnen  auseinanderzusetzen  gesucht.  Zusammenfassend  sagt
Hirsch:
„Als  einziger  sicherer  Vorzug  bleibt  den  Konsumvereinen  —  da  auch  die
Mitgliederwerbung  „Reklamekosten"  verursacht  —  die  Dividende.  Aber  die
wenigen  Prozente  vom  Umsatz,  die  der  Konsumverein  dadurch  ostsris  paribas
im  Vorsprung  ist,  können  sehr  verkürzt  werden  durch  die  enge  Verbindung
dieser  Vereine  mit  der  Arbeiterbewegung  und  die  dadurch  erzwungene  ständige
Lohnsteigerung  ohne  Gegenleistung.  Gelingt  es  den  privaten  Betrieben,  durch

")  Hirsch,  a.  a.  O.  S.  242.
            
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