204
Eine Frage taucht dabei auf: Können die Bedürfnisse von
verschiedenen Kousumentenschichten mit ganz verschiedener Le
benshaltung in derselben Assoziation gedeckt werden?
Im allgemeinen möchte ich das verneinen. Durch Speziali-
s a t i o n für eine bestimmte Lebenshaltung, die von vornherein durch
die Gründer, seien es nun Arbeiter, Offiziere usw. gegeben sein mag,
ist es dem Konsumverein möglich, die Mitglieder gerade dieser Kon
sumentenschicht am vorteilhaftesten zu bedienen. Wird bei der Ver
mittlung von Bedarfsgütern Rücksicht genommeil auf eine weitere
Konsumentenschicht, so bedeutet das eine gewisse Zersplitterung. Ist
diese weitere Konsumentenschicht nicht einmal genügend stark ver
treten, so wird für die Konsumenten der Hauptschicht eine ungerecht
fertigte Kostenerhöhung eintreten. Sie müßten mittragen helfen an
den höheren Unkosten der zweiten Schicht. (Nur dadurch, daß Per
sonal, Räume und Einrichtungen sonst nicht voll ausgenutzt würden,
könnte diese Tatsache etwas verschoben werden.) Es kommt eben
nicht auf die Umsatz größe in einem Geschäft an, sondern auf die
Um s ch l a g s s ch n e l li g k e i t. Der privatwirtschaftliche Grundsatz:
Je schneller der Umsatz, desto größer der Nutzen, ist hier entscheidend.
Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß in einzelnen Artikeln, wo
eine Qualitätsverschiedenheit nicht besteht, die nicht genügend stark
vertretene Konsumentengruppe die Umschlagsgeschwindigkeit in diesen
Artikeln erhöhen würde und damit den Nachteil, den sie für die stär
kere Konsumentengruppe hervorruft, wieder etwas aufheben. Kon
sumentenschichten mit annähernd gleicher Lebenshaltung oder nicht
allzugroßer Verschiedenheit kommen überhaupt für unsere Beweis
führung nicht in Betracht. Der Arbeiter und der einfache Bürger
können ihren Bedarf sehr wohl in derselben Assoziation decken.
Sind aber große Unterschiede vorhanden, so ist die Zentralisation
in einer Konsumgenossenschaft unwirtschaftlich, was auch von den
Praktikern in der Konsumgenossenschaftsbewegung zugegeben wird,
wenn sie sagen: Diesen Artikel können wir nicht führen, er ist kein
M a ssen ko n sum a r tik el. Der Praktiker meint aber hier, daß
der Artikel nicht Massenkonsumartikel bei der großen Mehrheit der
Mitglieder ist, in einer andern Konsumentenschicht kann er sehr
wohl Massenkonsumartikel sein. Denken wir z. B. an einen Arbeiter
und an einen Offizierskonsumverein. Sicherlich bestehen große Un
terschiede in der Qualität sowie auch in der Gütergattung in diesen
Gebilden des organisierten Konsums auf Grund der sehr verschiede
nen Lebenshaltung der Mitglieder.
Auch was die Bedienung anbelangt, ist es besser, wenn