der wirtschaftlichen Bedürfnisse der verschiedenen Länder zum Zweck
der Bildung einer Organisation für internationalen Güteraustausch
usw.
Was uns eigentümlich berühren mag, ist, daß dieser Bund, ähn
lich wie der Allgemeine Verband, nicht nur Konsumenten-, sondern
auch Produzentengenossenschaften umfaßt. Es war das Ideal der
Gründer des Bundes, alle Genossenschaften zu vereinigen. Man
glaubte an eine innere Homogenität der Genossenschaften?) In der
Praxis hat sich gezeigt, daß dem nicht so ist. Die sehr zahlreich im
Internationalen Genossenschaftsbunde vertretenen Produzentengenos
senschaften haben sich allmählich, wenigstens zum großen Teil, von
dieser Organisation zurückgezogen, sodaß der Bund sich immer mehr zu
einer reinen Konsumentenorganisation auswächst.
Als Mitglieder des Bundes werden sowohl Einzelgenossenschaften,
als auch Zentralorganisationen aufgenommen. Im Jahre 1913 waren
im Internationalen Genossenschaftsbunde 24 Länder mit ca. 8000
Genossenschaften und ca. sieben Millionen Mitgliedern vertreten.
Der internationale genossenschaftliche Güteraustausch, den der
Verband zu fördern sucht, steht noch in den Anfängen. Nach Angaben
von Heinrich Kaufmann auf dem letzten Internationalen Genossen
schaftskongreß in Glasgow betrug der Gesamtumsatz im internationalen
genossenschaftlichen Handelsverkehr rund 65 Millionen Mark im Jahre
1912. Davon entfallen rund 64 Millionen auf den Warenbezug der
englischen Großeinkaufsgesellschaft von ausländischen landwirtschaft
lichen Genossenschaften. Für über 52 Millionen Mark bezog die eng
lische Großeinkaufsgesellschaft an Butter aus Dänemark, den Rest be
zog sie an Fleisch und Butter aus Dänemark und Schweden. Dagegen
betrug der internationale Warenverkauf dieser Gesellschaft nur ca.
365 000 M., welche Summe in der Hauptsache auf den Verkauf an
Großeinkaussgesellschaften (158 000 M.) und an Konsumgenossenschaf
ten des Auslandes und der britischen Kolonien (rund 200 000 M.)
entfällt. Die deutsche Großeinkaufsgesellschaft in Hamburg bezog an
Waren von ausländischen Großeinkaufsgesellschaften für 65 000 M.,
2) Bezüglich dieser Frage, auf die ich an einer anderen Stelle noch mit
einigen Worten zurückkomme, verweise ich auf die Ausführungen von Or. Hans
Müller im Jahrbuch des Internationalen Genossenschaftsbundes 1 (1910)
123 ff., ferner auf die Darlegungen zur Theorie der Genossenschaftsbewegung
von Heinrich Kaufmann in den Jahrbüchern des Zentralverbandcs. U. a.
siehe auch die Ausführungen „Zur Frage der Einheit der Genossenschafts
bewegung" von P. Schlack, Direktor des Reichsverbandes deutscher Konsum-
Vereine, in der „Konsumgenossenschaftlichen Praxis" Nr. 22 u. 23 1913.