41
von idealen Gesichtspunkten leiten ließen, indem sie eine möglichst enge
Verbindung von Produzent und Konsument im allgemeinen sozialen
Interesse erstrebten, sie auch eine innere Homogenität schaffen würden,
die ein Zusammenarbeiten, wie es die Konsumgenossenschaften oft
versucht haben, gestatten würde.
Wie man heute in dieser Frage auf beiden Seiten denkt und tut,
lassen die Worte von Heinrich K a u f m a n n aus dem letzten Internationalen
Genossenschaftskongreß in Glasgow erkennen. Kaufmann sagte
bei dieser Gelegenheit u. a., daß man heute noch nicht darüber urteilen
könne, ob cs wünschenswert sei und ob es gelingen werde, einen „organisatorisch
genossenschaftlichen Güterverkehr durch Preisfestsetzungen und
Kaufverträge" zwischen landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften
und Konsumgenossenschaften — „etwa nach Art der Reichstarifverträge
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer" — zu schaffen. „Vorläufig
scheint bei den konsumgenossenschaftlichen Organisationen eine größere
Neigung vorhanden zu sein, Versuche in der Richtung der konsumgenossenschaftlichen
Eigenproduktion landwirtschaftlicher Produkte zu
machen. Auch die landwirtschaftlichen Genossenschaften — wenigstens
in Deutschland, wo allerdings auch politische Gründe mitsprechen dürften
— scheinen auf den direkten Verkauf ihrer Produkte an industrielle
Konsumgenossenschaften und deren Großeinkaufsgesellschaften kein besonderes
Gewicht zu legen."
An einer andern Stelle") sagt Kaufmann von den Bezügen
der dem Zentralverbande angegliederten Konsumvereine von landwirtschaftlichen
Genossenschaften und Landwirten, daß überall „das
Bestreben vorhanden ist, den direkten Geschäftsverkehr mit landwirtschaftlichen
Genossenschaften und Landwirten zu pflegen. Es kann
jedoch nicht behauptet werden, daß überall systematisch in dieser Beziehung
gearbeitet wurde. Wir stehen vor den ersten Anfängen einer
Entwicklung, die aus einer großen Fülle von Einzelerscheinungen
besteht. Es sind vielfach nur die ersten tastenden Versuche sowohl bei
den Konsumgenossenschaften, als auch bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften
und Landwirten vorhanden, miteinander in direkte Geschäftsverbindung
zu kommen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich
aus diesen Versuchen mehr und mehr gefestigte Verhältnisse entwickeln
werden, die es leichter machen, zu einem abschließenden Urteil zu gelangen,
als es heute der Fall ist."
In E n g l a n d ist der Verkehr mit landwirtschaftlichen Genossenschaften
sehr stark ausgedehnt, speziell auch mit dänischen Genossen-")
Jahresbericht des Zentralverbandes für das Jahr 1913, S. 23.