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II. Buch. Der Güteraustausch.
Politik in den betreffenden Ländern herrschend wäre, da die erstem die in
den letztem erzeugten Jndnstrieproducte brauchen können, diese aber ganz
naturgemäß ein Vortheilhaftes Absatzgebiet für die Producte jener bilden.
Zweitens aber ist es eine gleichfalls unbestreitbare Thatsache, daß der
aus dem Handel erwachsende Gewinn durch die Transportkosten und die
sonstigen Geschäftsspesen gekürzt wird, daß demnach die Tendenz besteht,
die Ausgaben für diese letztem zu vermindern. So haben denn auch alle
Verbesserungen auf dem Gebiete des Verkehrswesens den Güterumlauf ge
fördert, namentlich sind die gewaltigen Fortschritte, die sich im Laufe des
19. Jahrhunderts im Transportwesen und im Nachrichtendienst vollzogen
haben, mit einem gewaltigen Aufschwünge des Handels zusammengefallen.
Zumal die Erfindung des Telegraphen war von größter Bedeutung. Ab
gesehen von dem verhältnißmäßig billigen Transport der Güter ist noch
etwas anderes erforderlich, damit der Handel blühe: er muß darauf rechnen
können, Abnehmer zu finden; und wie leicht kann sich der Verkaufslustige
heutzutage darüber vergewissern, ob er solche finden wird oder nicht. Ein
Telegramm genügt, ihn darüber aufzuklären. Infolge der Erfindung des
Telegraphen können jetzt die Waren auf eine gegebene Ordre von einem
Ende unseres Erdballs zum andern gesendet werden, ohne daß die Gefahr
bestände, daß sie möglicherweise keine Abnehmer finden.
Indessen darf man die aus dem Handel erwachsenden Vortheile nicht
überschätzen. Atan muß sich hüten, denselben als Endzweck und nicht nur
als ein Mittel zur Verwirklichung des Wohles der Menschen zu bctracksteu-
Das Glück eines Landes läßt sich nicht nach der Höhe der Export- und der
Jmportziffern bemessen. Es ist ganz richtig, wenn man den Handel als ein
Mittel betrachtet, dessen sich die Vorsehung zur Verbreitung des wahren
Glaubens, zur Ueberwindung von Haß und Abneigung zwischen verschiedenen
Rassen und Nationalitäten und zur Beseitigung von allerlei Vorurtheilen be
dienen kann. Aber andererseits darf nicht vergessen werden, daß der Handels
verkehr auch tausendfach mißbraucht und zur Quelle von unberechenbaren
Leiden geworden ist. Wie viele Kriege zwischen den Völkern sind durch
Handelsrivalitäten verursacht worden, und wie oft hat der Handel zu Be
trügereien, Erpressungen und allerlei Schändlichkeiten Anlaß geboten, die zu
materieller Schädigung des einen Theils, und was schlimmer ist, zum
lichen Verderben des andern führten! Daraus ergibt sich also die Roth'
Wendigkeit, zwar nicht den Handel als solchen zu bekämpfen, wohl aber
eifrig dahin zu streben, daß den damit verbundenen Mißbräuchen Einhan
gethan werde.
Wir kommen nun zn einem sehr delicaten und verwickelten Gegenstaub'
zur Beantwortung der Frage, weshalb so und so viel von einem bestimmten