Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VH.  Kap.:  Selbfthilfe

arbeiterinnen  keine  grundfätzlich  ablehnende  Stellung  ein.
Er  hat  des  öftern  Streiks  anderer  befreundeter  chriftlicher  Verbände  aus  feinen
geringen  finanziellen  Mitteln  nach  Kräften  unterftützt;  den  eignen  Mitgliedern,
die  in  einen  von  fremder  Seite  infzenierten  Streik  hineingezogen  waren,
wurde  natürlich  auch  geholfen.  Es  wurde  auch  wohl  nicht  undeutlich  mit
einem  Streik  gedroht,  z.  B.  in  der  Lohnbewegung  in  der  Konfektionsheimarbeit
am  Niederrhein  im  Herbfte  1907-  Aber  auf  eigne  Verantwortung  und  Initiative
ift  der  Gewerkverein  bisher  nur  ein  einziges  Mal  in  den  Streik  eingetreten,
nämlich  im  November  1911  in  der  Berliner  Damenkonfektion  im  Verein  mit
mehrern  beteiligten  Organifationen.  Im  übrigen  hat  der  Gewerkverein  es  vorgezogen, ­
  durch  friedliche  Vermittlung  Lohnbewegungen  zu  beenden  oder  ihnen
vorzubeugen,  und  er  ift,  wie  wir  fahen,  auch  auf  diefem  Wege  zu  dem  eigentlich
gewerkfchaftlichen  Ziele,  dem  Tarifverträge,  gekommen.  Es  wäre  auch,
namentlich  bei  den  geringen  Kaffenbeftänden  in  den  erften  Jahren,  heller  Unverftand
  gewefen,  in  den  Streik  einzutreten  blofz  im  Vertrauen  auf  äußere
Hilfe.  Die  Zerfpiitterung  der  Heimarbeiterfchaft  läßt  auch  ein  Durchbrechen
der  Kampfiinie  durch  Arbeitswillige  mehr  befürchten  als  in  andern  Berufen.
Bei  den  Heimarbeiterinnen  felbft,  die  ohnehin  oft  genug  unter  der  Arbeitslofigkeit
  zu  leiden  haben,  dürfte  zudem  die  Neigung  zum  Streiken  im  allgemeinen
keine  fehr  große  fein.
Ähnliche  Beftrebungen  wie  der  befchriebene  Gewerkverein  verfolgen
die  Heimarbeiterinnen,  die  dem  Verband  katholifcher  Vereine
erwerbstätiger  Frauen  und  Mädchen  Deutfchlands  angehören, ­
  wenn  auch  hier  von  gewerkfchaftlichem  Zufammenfchluß  im  ftrengen
Sinne  des  Wortes  nicht  die  Rede  fein  kann.  Der  ganze  Verband  umfaßt  zurzeit
2000  bis  2500  Heimarbeiterinnen,  die  vorzugsweife  in  der  Konfektion  tätig
find.  Verhältnismäßig  wenige  arbeiten  Korbwaren,  Kinderfpielzeug,  Metallwaren ­
  u.  a.  Die  Heimarbeiterinnen  in  den  einzelnen  Vereinen  find  nach  den
Satzungen  des  Verbandes  möglichft  in  Berufsgruppen  zufammengefchloffen.
Die  in  der  Konfektion  befchäftigten  Werkftatt-  und  Hausarbeiterinnen,  die
in  recht  vielen  Vereinen  vertreten  find,  find  zu  einer  über  den  ganzen  Verband
fich  erftreckenden  und  diefem  eingeordneten  Berufsorganifation  vereinigt.
In  diefer  ift  das  Unterftützungswefen,  auf  das  der  Verband  ftets  das  größte
Gewicht  legte,  in  folgender  Weife  geregelt.  Die  Beiträge  belaufen  fich  auf  20,
30  oder  40  Pf.  pro  Woche.  Nach  der  Beitragsftufe  richtet  fich  die  Höhe  des
Sterbegeldes,  der  Krankenunterftützung  (einfchließlich  Wöchnerinnenunterftützung),
  Unterftützung  bei  Arbeitslofigkeit  infolge  wirtfchaftlicher
Machtkämpfe,  Gemaßregeltenunterftützung,  Umzugsunterftützung  und  ein
            
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