thumbs : Neuere Zeit (Abt. 2)

Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 727

Konservation und Sicherheit treu und redlich meint, nicht
anders tun könne und werde, als zur Garantie der Sanktion
zu stimmen“.
Schon einige Jahre darauf aber, vor und in dem
Verlaufe des polnischen Erbfolgestreites und der ihm nach⸗
folgenden Ereignisse, glaubte der König wahrnehmen zu müssen,
daß der Kaiser auf die Erwerbung Jülich-Bergs durch Preußen
nicht den vertragsmäßig stipulierten Wert lege, ja Preußen
überhaupt, soviel er vermöge, entgegenarbeite.
Am 1. Februar 17838 war August II. der Starke von
Polen und Sachsen gestorben: bis zuletzt ein eifriger politischer
Projektenmacher und nicht bedeutungslos unter den Männern
der zeitgenössischen Diplomatie. Natürlich trat nun sein Nach⸗
folger, Kurfürst August, mit dem Anspruche auf, wiederum in
Polen zum König gewählt zu werden. Aber hier hatte schon
seit Jahren Frankreich für einen anderen Kandidaten, Stanis⸗
laus Leszezynski, den ehemaligen Gegenkönig Augusts JII. von
Karls XII. Gnaden und nunmehr, seit 1725, den Schwieger⸗
vater Ludwigs XV., mit Überredung und Bestechung gewirkt.
Und eben er wurde dann, am 12. September 1783, auf dem
alten Wahlfelde von Wola zum König erkoren.
Indes war Rußland, das gleich HOsterreich und den meisten
deutschen Mächten für den Kurfürsten von Sachsen eingetreten
war — denn sie alle wünschten dem an sich schon übermächtigen
französischen Einfluß nicht noch eine Plattform im Osten —,
keineswegs geneigt, diese Lösung als endgültig anzuerkennen.
Ein russisches Heer überschritt die polnische Grenze, bestimmte
die Polen auf einem neuen Wahltage, am 5. Oktober 1738,
zur Wahl Augusts und vertrieb den unglücklichen Leszczynski,
der schließlich nach Frankreich zurückkehrte. Es war in gewissem
Sinne schon der Verlust der polnischen Selbständigkeit; denn
von nun ab haben russische Waffen unter dem Schattenkönig⸗
tum Augusts III. das Land beherrscht.
Wichtiger aber wurden all diese Dinge erst durch ihre
Rückwirkung auf Frankreich. Denn hier hielt der leitende
Minister, Kardinal Fleury, mit ihnen den Zeitpunkt für ge—
            
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