Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 585
Ludwig XIV. machte vielmehr den freilich erfolglosen Versuch,
noch weiter zersetzend in Deutschland einzudringen, indem er
Stadt und Amt Germersheim forderte. Im ganzen aber
mußte Frankreich im oberen Rheintale der Rhein als Grenze
zugestanden werden; Straßburg blieb, Landau wurde fran—⸗
zösisch; und es schien genug, wenn sich König Ludwig zur
Schleifung seiner rechtsrheinischen Befestigungen verpflichtete.
Welch ein Jammer aber barg sich schließlich hinter diesen
an sich schon klein und kleinlich wirkenden Bestimmungen!
Nichts hatte das Reich am Ende in diesen großen Kämpfen
erreicht, als daß es jahrelang in den blühendsten seiner Lande
ihr Schauplatz gewesen war; in Herzeleid ist der unermüdliche
Feldherr der vorderen Reichskreise, der badische Markgraf,
dahingefahren; und die Wittelsbacher Reichsächter, Max
Emanuel von Bayern und Joseph Clemens von Köln—, verblieben
ungestraft im Besitz ihrer Länder.
Fragt man aber nach dem spezifisch deutschen Grunde
dieses traurigen Ausgangs, so läßt sich eine nach geographischem
Gesichtspunkte begrenzte Doppelantwort geben: Österreich war
in den letzten Jahrzehnten zu einer nur noch zum Teil deutschen
Großmacht geworden, deren zentralste Interessen ein bloßes
Aufgehen im Reichsschutze nicht mehr gestatteten: und im
Nordosten hatte sich mit dem Nordischen Kriege, von dem
später erzählt werden soll, ein besonderer Interessenkreis von
so abgeschlossenem Charakter aufgetan, daß er sich um die
Schicksale des Reiches im Südwesten, ja bisweilen fast im
Westen überhaupt nur noch wenig kümmerte. Es ist der Kreis,
in dem sich, zwei Menschenalter etwa nach Entstehung der
Großmacht Hsterreichs, die junge Großmacht Preußen entwickeln
sollte.
IV.
Im übrigen war mit dem Ausgange des spanischen Erb⸗
folgekrieges wie mit dem Verlaufe der Türkenkriege in den
letzten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts zwar eine Phase
gewaltiger europäischer und in ihr auch deutscher Entwicklung