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Erstes Buch. Die Begründer.
Die große Unterlassungssünde der Physiokraten ist ihr völliger Mangel
an Einsicht in bezug auf den Wert, der auf ihrer grobmateriellen und
rein bäuerlichen Auffassung der Produktion beruht. Sie sprechen nur
selten und flüchtig davon, und was sie darüber sagen, ist mittelmäßig und
verworren. Hierauf beruht der große Irrtum, in dem sie in bezug auf die
Unproduktivität des Güteraustausches und der Industrie befangen waren.
Das ist um so unverständlicher, da diese Frage des Wertes von verschie
denen ihrer Zeitgenossen in sehr beachtenswerter Weise untersucht worden
ist. Wir verweisen hierbei besonders auf Richard Cantillon, den sie
in gewisser Hinsicht als einen der ihren betrachteten, und auf sein Essai
sur le commerce, das 1755 erschien 1 ), auf den Abbö Galiani in seinem
Buche über das Geld (Deila Moneta), 1750, und auf den Abbö Morellet,
Prospectus d’un nouveau Dictionaire de commerce, 1769.
Hauptsächlich kommt aber Condillac in Betracht, dessen Buch „Du
commerce et du Gouvernement“ allerdings erst 1776 veröffentlicht
wurde, zu einer Zeit also, als ihr System schon bekannt war und sich seinen
Platz erobert hatte.
Turgot jedoch, der nur zur Hälfte Physiokrat war, hatte über den
Wert weit wissenschaftlichere Gedanken geäußert 2 ). Er definiert den
Wert als: „den Ausdruck des Schätzungsgrades, den der Mensch den ver
schiedenen Gegenständen seiner Wünsche entgegenbringt.“ Diese Defi
nition drückt die Subjektivität des Wertes ganz richtig aus und enthält
zwei Worte: „Schätzungsgrad“ und „Wunsch“, die ihn noch schärfer
begrenzen 3 ). Allerdings sagt er an einer anderen Stelle: daß trotz seiner
vereinigen und so zu unserem gemeinsamen Glück eine Harmonie schaffen, die man
als das Werk einer wohltätigen Gottheit betrachten kann, die da will, daß die Erde
mit glücklichen Geschöpfen bevölkert sei (II, S. 638).
Es ist aber zu bemerken, daß diese bezaubernde Beschreibung sich nicht auf
die bestehende Gesellschaft bezieht, sondern auf die zukünftige Gesellschaftsordnung,
in der die natürliche Ordnung herrschen wird. Dieser Optimismus gleicht dem der
Anarchisten.
1) Dieser Richard Cantillon, von dem seit mehr als einem Jahrhundert kein
Mensch gesprochen hat, ist seit einigen Jahren wieder stark Mode geworden, wie alle
Vorläufer, die von neuem entdeckt werden. Man schreibt ihm einen, wohl übertriebenen
Einfluß auf die Physiokraten zu. Auf jeden Fall ist es sicher, daß das erste Buch
Mirabeaü’s, l’Ami des hommes, das ein Jahr nach dem Tode Cantillon’s, 1766
erschien, direkt von ihm beeinflußt ist. Wir erwähnen ihn nicht weiter, weil das die
Grenzen, die wir uns gesteckt haben, überschreiten würde. In allen Zeitschriften finde»
sich aber Aufsätze über ihn. Der erste war der von Stanley Jevons in der Oon -
temporary Review, 1881.
2 ) Valeurs et Monnaies (Wert und Geld), wahrscheinlich um 1769 erschienen;
weiter noch in seinen Reflexions. Die Grundgedanken Quesnay’s über den Wert
finden sich in einem lange unveröffentlicht gebliebenen Aufsatz, betitelt „Hommes“,
der erst kürzlich in der Revue d’histoire des doctrines feconomiques et so'
ciales, erster Jahrgang, Nr. 1 erschienen ist.
3 ) Er unterscheidet ziemlich ausführlich zwischen dem Schätzungswert,