Full text : Der finanzielle Aufbau der deutschen industriellen Aktiengesellschaften in den Jahren 1901 bis 1910

23

b)  Elektrizitätserzeugung,  verbunden  mit  Finanzierung  von  Elektrizitätsunternehmungen.
Tabelle  18.
Die  Gesellschaften  für  Elektrizitätserzeugung,  verbunden  mit  Finanzierung  von  Elektrizitätsunternehmungen, ­
  zeigen  mit  den  reinen  Elektrizitätswerken  in  der  Zusammensetzung  des  Kapitals
noch  gewisse  Ähnlichkeiten,  in  der  Vermögensverteilung  jedoch  weitgehende  Unterschiede.  Der
Durchschnitt  in  der  Tabelle  ist  auch  hier  wegen  der  zahlreichen  teilweisen  Korrektivposten  doppelt
gerechnet;  die  folgenden  Angaben  verstehen  sich  stets  unter  Einbeziehung  dieser  Posten  in  die  Reserven.
Das  eigene  Kapital  beträgt  durchschnittlich  115,1  °/ 0  des  Aktienkapitals;  es  zeigt,  abgesehen
von  der  Zunahme  der  Korrektivposten  und  von  einigen  Schwankungen,  die  durch  starke  Erhöhung
des  Aktienkapitals  veranlaßt  werden,  im  ganzen  ein  Wachsen.  Die  ungewöhnliche  Zunahme  der
Reserven  im  Jahre  1906  beruht  nicht  auf  einer  Erhöhung  aus  dem  Betriebsgewinn,  sondern  zum
Teil  auf  einer  großen  Agiozuwendung,  zum  Teil  auf  einem  Sanierungsbuchgewinn.  Beide  Ursachen
kommen  auch  für  das  im  gleichen  Jahre  außergewöhnlich  niedrige  fremde  Kapital  in  Betracht,  das
nur  68,6%  des  eigenen  Kapitals  erreicht,  während  es  durchschnittlich  84,2°%  beträgt;  62,8  °/ 0  von
diesen  entfallen  auf  die  Obligationen  und  Hypotheken,  die  sich  auf  72,4  °/ 0  des  Aktienkapitals
belaufen.  Die  Ähnlichkeit  mit  den  reinen  Elektrizitätswerken  in  der  Zusammensetzung  des  Kapitals
besteht  in  diesem  hohen  langfristigen  Kredit,  der  aber  hier  vielleicht  weniger  in  der  Eigenschaft
der  Gesellschaften  als  Elektrizitätswerke  als  in  ihrem  Charakter  der  finanziellen  Trustgesellschaften
seinen  Grund  hat. 1  Starke  Abweichungen  von  der  durchschnittlichen  Zusammensetzung  des  Kapitals
zeigen  die  Jahre  1901  und  1902  durch  ausnehmend  hohe  kurzfristige  Schulden,  so  daß  das  fremde
Kapital  etwas  größer  ist  als  das  eigene,  und  die  kurzfristigen  Schulden  mehr  als  die  Hälfte  der
Obligationen  und  Hypotheken  betragen.
Das  produzierende  Vermögen  beläuft  sich  auf  nur  46,5  °/ 0  des  Gesamtvermögens.  Das
produzierende  Anlagevermögen  beträgt  59,5%,  das  Betriebsvermögen  40,5  °/ 0  des  produzierenden
Vermögens,  einschließlich  1,4  °/ 0  Vorräte;  die  größten  Abweichungen  zeigen  wieder  die  Jahre  1901
und  1902,  da  in  ihnen  das  Betriebsvermögen  das  produzierende  Anlagevermögen  überwiegt.
Die  Anlage  in  Wertpapieren  und  Beteiligungen  bildet  mehr  als  die  Hälfte  des  Gesamtvermögens; ­
  im  Durchschnitt  beträgt  ihr  Anteil  vom  Gesamtvermögen  53,6  °/ 0 ,  vom  Gesamtanlagevermögen ­
  66,i  °/ 0 .  Während  in  den  ersten  Jahren  dieser  Anteil  ziemlich  gleich  bleibt,  nimmt  er
von  1906  bis  1910  ständig  ab.
Die  Abschreibungen  sind  außerordentlich  gering,  sie  betragen  nur  0,7  °J 0  des  Gesamtvermögens.
Die  Liquidität,  die  in  den  ersten  7  Jahren  niedrig  zu  nennen  ist,  erhöht  sich  erheblich  in
den  folgenden  Jahren;,  durchschnittlich  ist  sie  1,69;  die  Steigerung  in  den  letzten  3  Jahren  wird
dadurch  veranlaßt,  daß  der  langfristige  Kredit,  zum  Teil  zur  Verkleinerung  der  kurzfristigen  Schulden,
im  Jahre  1908  stark  in  Anspruch  genommen  wird.  Auf  demselben  Grunde  beruht  die  Vergrößerung
des  Verhältnisses  des  dauernd  verfügbaren  Kapitals  zum  Gesamtanlagevermögen  in  der  gleichen  Zeit,
das  auch  in  den  übrigen  Jahren  auffällig  in  seinen  Veränderungen  denjenigen  der  Liquidität  entspricht.
Seine  durchschnittliche  Höhe  ist  1,05.
V.  Gas-  und  Wasserversorgung.
Tabelle  19.
Wegen  der  auch  bei  den  Aktiengesellschaften  für  Gas-  und  Wasserversorgung  sich  häufig
findenden  teilweisen  Korrektivposten  ist  wieder  der  Durchschnitt  in  der  Tabelle  doppelt  errechnet
worden;  die  folgenden  Angaben  verstehen  sich  stets  unter  Einbeziehung  dieser  Posten  in  die
Reserven.
Die  Untersuchung  umfaßt  9  Gesellschaften,  von  denen  4  Gesellschaften  Wasserwerke,  die
übrigen  Gaswerke  zum  Teil  verbunden  mit  Elektrizitätswerken,  deren  Bedeutung  aber  hinter  der
der  Gaswerke  zurücksteht,  betreiben.
Das  eigene  Kapital  beträgt  im  Durchschnitt  131,9°%  des  Aktienkapitals;  sein  Wachsen
während  der  io  Jahre  beruht  fast  ausschließlich  auf  den  erwähnten  Korrektivposten.  Das  fremde
Kapital  wird  im  Verhältnis  zum  eigenen  Kapital  im  Laufe  der  10  Jahre  geringer;  im  Durchschnitt
beläuft  es  sich  auf  44,0  °/ 0  des  eigenen  Kapitals,  wovon  34,7  %  aus  Obligationen  und  Hypotheken
bestehen,  die  45,8  o/ 0  des  Aktienkapitals  betragen,  so  daß  also  die  langfristigen  Schulden  die  kurzfristigen ­
  weit  überwiegen.
Beim  produzierenden  Vermögen  übersteigt  das  produzierende  Anlagevermögen  bedeutend
das  Betriebsvermögen;  durchschnittiich  beläuft  sich  das  produzierende  Anlagevermögen  auf  90,0  °/ 0 ,

1)  Siehe  Passow,  Die  wirtschaftliche  Bedeutung  und  Organisation  der  Aktiengesellschaften  S.  1,16.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.