Full text : Der finanzielle Aufbau der deutschen industriellen Aktiengesellschaften in den Jahren 1901 bis 1910

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am  kleinsten,  es  folgt  die  Kabelindustrie,  dann  die  gemischte  Elektrizitätsindustrie  und  die  Elektrizitätsmaschinenindustrie. ­
  Dieselbe  Reihenfolge  zeigen  die  elektrotechnischen  Industrien  in  der  Größe  des
Verhältnisses  des  dauernd  verfügbaren  Kapitals  zum  Gesamtanlagfevermögen.
Bei  den  bisher  aus  der  Betrachtung  ausgeschiedenen  Gesellschaften  für  Elektrizitätserzeugung
zeigen  beide  Arten  zunächst  dieselben,  wenn  auch  dem  Grade  nach  verschiedenen,  Abweichungen
in  der  Zusammensetzung  des  Kapitals,  und  zwar  in  dem  Anteil  der  langfristigen  Schulden,  der  hier
eine  bei  keiner  anderen  Industrie  erreichte  Höhe  hat;  ferner  zeigen  die  reinen  Elektrizitätswerke
das  höchste  produzierende  Anlagevermögen  im  Verhältnis  zum  produzierenden  Vermögen,  während
die  Elektrizitätserzeugungs-  und  Finanzierungsgesellschaften  sich  durch  den  das  produzierende  Vermögen
übersteigenden  Anteil  der  Wertpapiere  und  Beteiligungen  und  durch  die  niedrigsten  Abschreibungen
auszeichhen.  Bei  letzteren  ist  auf  ihre  Eigenschaft  als  Finanzierungsunternehmen  die  von  den  reinen
Elektrizitätswerken  so  erheblich  abweichende  Höhe  des  Betriebsvermögens  zurückzuführen;  aus  dem
gleichen  Grunde  erklärt  sich  sowohl  der  verschiedene  Anteil  der  Vorräte  und  der  Unterschied  der
Abschreibungen,  als  auch  die  ungleiche  Höhe  der  Liquidität  und  des  Verhältnisses  des  dauernd
verfügbaren  Kapitals  zum  Gesamtanlagevermögen.  Dies  Verhältnis  und  die  Liquidität  stehen  im
übrigen  in  der  Höhe,  mit  der  sie  bei  den  reinen  Elektrizitätswerken  erscheinen,  einzig  da.
II.  Die  übrigen  Industrien.
Tabelle  36.
Die  Aktiengesellschaften  mit  dem  kleinsten  Aktienkapital  enthält  in  der  Gruppe  der
Nahrungs-  und  Genußmittelindustrie  die  Getreidemühlenindustrie,  der  sich  Bekleidungsgewerbe  und
graphische  Gewerbe  anschließen  mit  ebenfalls  niedrigerem  Aktienkapital  als  das  kleinste  der  Tabelle  35.
Das  höchste  eigene  Kapital  in  Prozenten  des  Aktienkapitals  weisen  die  Gesellschaften  der
Papierindustrie  und  die  Spritfabriken  auf,  die  nur  von  den  Gesellschaften  für  Schiffbau  übertroffen
werden.  Die  höchsten  Anleihen  und  Hypotheken  haben  in  Prozenten  des  Aktienkapitals  die
Gesellschaften  der  Papierindustrie,  in  Prozenten  des  eigenen  Kapitals  die  Brauereien  und  Mälzereien;
die  größte  Inanspruchnahme  des  kurzfristigen  Kredits  entfällt  auf  die  Spritfabriken,  die  sich  dagegen
mit  den  geringsten  langfristigen  Schulden  begnügen.  Fremdes  Kapital  überhaupt  erreicht  seine  größte
Höhe  bei  den  Gesellschaften  der  Papierindustrie,  während  die  Bekleidungsindustrie  über  das  niedrigste
verfügt.  Die  Gesellschaften  für  Gas-  und  Wasserversorgung,  die  in  der  Art  ihres  Betriebes  den
reinen  Elektrizitätswerken  ähneln,  zeigen  von  diesen  in  bezug  auf  die  Höhen  der  Anleihen  und
Hypotheken  einen  beträchtlichen  Unterschied,  immerhin  überwiegen  bei  ihnen  die  langfristigen
Schulden  die  kurzfristigen  am  stärksten  von  allen  übrigen  Industrien  der  Tabelle  36.
Das  produzierende  Vermögen  zeigt  dagegen  bei  den  Gas-  und  Wasserwerken  annähernd
die  gleiche  Zusammensetzung  wie  bei  den  reinen  Elektrizitätswerken;  nur  ist  bei  den  ersteren  das
Betriebsvermögen  etwas  höher  und  die  Vorräte  kleiner.  Verhältnismäßig  niedriges  Betriebsvermögen
und  geringe  Vorräte  finden  sich  ferner  noch  bei  den  Baumaterialgesellschaften,  die  hierin  den
Gesellschaften  für  Bergbau  und  Hüttenwesen  ähnlich  sind,  und  den  Brauereien  und  Mälzereien,  doch
ist  bei  letzteren  der  beträchtliche  Anteil  der  Hypotheken  am  produzierenden  Anlagevermögen  zu
berücksichtigen.  Das  höchste  Betriebsvermögen  benötigen  die  Spritfabriken,  die  hierin  von  allen
Industrien  an  erster  Stelle  stehen.  Die  höchsten  Vorräte,  die  sogar  das  produzierende  Anlagevermögen ­
  übersteigen,  haben  die  Gesellschaften  der  Leder-,  Gummi-  und  Linoleumindustrie,  denen
nur  noch  die  Schiffbaugesellschaften  annähernd  gleich  kommen.  Es  sei  noch  auf  die  chemische
Industrie,  bei  der  das  Betriebsvermögen  einschließlich  hoher  Vorräte  das  produzierende  Anlagevermögen ­
  weit  übertrifft,  und  auf  die  Textilindustrie,  die  bei  höheren  Vorräten  weniger  Betriebsvermögen ­
  braucht,  verwiesen.  Das  Betriebsvermögen  ausschließlich  der  Vorräte  erreicht  seinen  höchsten
Anteil  am  produzierenden  Vermögen  bei  den  Spritfabriken,  dem  aber,  wie  oben  erwähnt,  der  höchste
Anteil  der  kurzfristigen  Schulden  am  Gesamtkapital  gegenübersteht.
Die  geringste  Neigung,  sich  anderen  Unternehmen  derselben  oder  verwandter  Industrien
anzuschließen,  zeigen  die  Gesellschaften  der  Mühlenindustrie,  bei  denen  Wertpapiere  und  Beteiligungen
den  geringsten  Anteil  am  Gesamtvermögen  aufweisen.  Das  Gegenstück  dazu  bilden  in  derselben
Gruppe  der  Nahrungs-  und  Genußmittelindustrie  die  Spritfabriken,  bei  denen  Effektenbesitz  und  Beteiligungen ­
  an  gleichartigen  Unternehmen  eine  bedeutende  Rolle  spielen;  ihnen  folgen  die  Gesellschaften
der  „sonstigen  Nahrungsmittelindustrien“,  die  Papierindustrie  und  die  chemische  Industrie,  bei  denen
der  Anteil  der  Wertpapiere  und  Beteiligungen  noch  den  zehnten  Teil  des  Gesamtvermögens  übersteigt.
Die  Gesellschaften  der  graphischen  Gewerbe  weisen  die  höchsten  Abschreibungen  auf,  die
bei  den  übrigen  Industrien  zumeist  nach  Höhe  des  Anlagevermögens  und  nach  Art  und  Höhe  der
Vorräte  verschieden  sind.
            
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