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kapital ausgewiesen, so wurden beide Seiten um die Höhe des entsprechenden Aktivpostens gekürzt.
Zu den Reserven wurden nicht gerechnet die Wohlfahrtsfonds, der Gewinnvortrag und die sogenannten
Abschreibungs- oder Amortisationsfonds, soweit sie in ihrer ganzen Höhe als‘Korrektivposten gegenüber
dem nicht um die Abschreibungen verkürzten Anlagevermögen festgestellt werden konnten; wenn sie
nur als teilweise Korrektivposten 1 anzusehen waren, so wurden sie zu den Reserven gerechnet.
Derartige Posten treten bei den meisten Industrien sehr vereinzelt auf. Nur bei den industriellen
Gesellschaften, deren Betrieb einer Konzession unterliegt, also den Gas-, Wasser- und Elektrizitäts
werken, sind sie häufiger und erscheinen unter den verschiedensten Namen, sind aber ihrer Natur
nach nicht sicher zu erkennen. Daher wurden sie für diese Gesellschaften in den einzelnen Jahren
als Reserven betrachtet, der Durchschnitt der io Jahre aber zweifach ermittelt, und zwar erstens
einschließlich dieser teilweisen Korrektivposten und zweitens mit Verrechnung dieser Posten gegen
das produzierende Anlagevermögen. Die übrigen zweifelhaften Reserveposten, wie Delkredere,
Garantiefonds, Erneuerungsfonds usw., wurden, da alle näheren Angaben über sie fehlen, stets neben
den gesetzlichen und den freiwilligen Reserven als Reserven angesehen. 2 3 Das eigene Kapital ist
prozentual in Verhältnis gesetzt zum Aktienkapital.
Die übrigen Passivposten bilden das fremde Kapital; es setzt sich zusammen aus den Schuld
verschreibungen, Hypotheken und Darlehen auf längere Frist, den Kreditoren und den Wohlfahrts
fonds. Waren die Schuldverschreibungen noch nicht voll begeben, oder war auf der Aktivseite ein
Disagio ausgewiesen, so wurden beide Seiten um den angegebenen Betrag gekürzt. Zu den Kreditoren
wurden außer den gleichnamigen Posten alle kurzfristigen Verpflichtungen wie Zinsen, ausgeloste Obli
gationen, Kautionen, soweit sie nicht gegen Aktivkautionsposten verrechnet wurden, Löhne, Spargut
haben usw. gezählt. Die Wohlfahrtsfonds wurden einheitlich zum fremden Kapital gerechnet —
obwohl sie zum Teil als Reserven zu betrachten sind —, da ihre Entstehung und ihre Bestimmung
meistens nicht ersichtlich sind. Das fremde Kapital ist in prozentuale Beziehung zum eigenen Ka
pitale gesetzt; außerdem wurde für Tabelle 35 und 36 die Höhe der langfristigen Schulden in
Prozenten des Aktienkapitals errechnet.
Zum produzierenden Anlagevermögen wurden, auf der Aktivseite, alle für die Produktion
der Gesellschaft in Betracht kommenden nichtflüssigen Posten gezählt, also Grundstücke, Gebäude,
Maschinen, Werkzeuge und Transportmittel, Patente, Unternehmungen in eigener Verwaltung und
Zweiggeschäfte, ferner die Aktivkautionen, soweit sie nicht gegen Passivkautionen verrechnet werden
konnten, die für Versicherung, Miete usw. pränumerando gemachten Aufwendungen und die Hypo
theken; die letzteren sind im allgemeinen selten und von geringer Höhe, meist dienen sie wohl zur
Beschaffung von Arbeiterwohnungen; eine größere Rolle spielen die Aktivhypotheken nur bei den
Brauereien, wo sie durch Vergrößerung des Absatzes mittelbar zur Produktion beitragen.
Zum Betriebsvermögen gehören alle flüssigen' Mittel, wie. Kasse, Wechsel, Bankguthaben,
Staatspapiere und andere Fonds, Debitoren und Vorräte; eine Gliederung nach der Liquidität der
einzelnen Posten war bei der zum Teil sehr geringen Spezialisierung in den Bilanzen nur insofern
möglich, als die Vorräte getrennt von den übrigen aufgeführt wurden. Anlagevermögen, Betriebs
vermögen und Vorräte wurden in Prozenten des produzierenden Vermögens errechnet.
Als Anlagevermögen wurden neben dem produzierenden Anlagevermögen noch die sonstigen
Wertpapiere, also Aktien, Kuxe, Obligationen usw., und die Beteiligungen angesehen und in Prozenten
des Gesamt Vermögens dargestellt.
Die Abschreibungen enthalten außer den in den Gewinn- und Verlustrechnungen ausgewie
senen Posten auch die Sonderabschreibungen, soweit sie ermittelt werden konnten.
Bei der Liquidität der Gesellschaften als auch bei dem Verhältnis des dauernd verfügbaren
Kapitals zum Gesamtanlagevermögen wurden die Wohlfahrtsfonds nicht berücksichtigt.
Ergaben sich bei den so errechneten Posten der Tabellen in einzelnen Jahren größere Ab
weichungen gegenüber den benachbarten Jahren, so wurden, falls diese Abweichungen nur auf eine
Gesellschaft oder auf eine beschränkte Anzahl von Gesellschaften entfielen, diese Gesellschaften in
den Fußnoten zu den Tabellen namentlich und soweit möglich mit Angabe der Ursache der Ab
weichung angeführt. Zugleich dienen diese Fußnoten dazu, über die Zuweisung ungewöhnlicher Bilanz
posten zu den erwähnten Kapitals- oder Vermögensteilen Aufklärung zu geben.
Bei der Beurteilung der Ergebnisse ist zu beachten, daß die Bilanzen nur selten die finan
ziellen Verhältnisse der Aktiengesellschaften der Wirklichkeit vollkommen entsprechend darstellen. 8 Dies
1) Siehe z. B. Kohlenbergbau S. XI, Fußnote 3.
2) Im allgemeinen spielen diese zweifelhaften Reserven keine sehr große Rolle. Wo sie in größerer Höhe
ausgewiesen sind, enthalten sie meist in erheblichem Maße echte Reserven; z. B. El.-A.-G. vorm. Schlickert & Co.;
Delkredere für Minderbewertung 1902/08. S. d. Geschäftsbericht für 1908/09.
3) Siehe Passow, Die Bilanzen der privaten Unternehmungen S. 296.