Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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lution."  (Aus  „les  confessions  d’  un  revolutionaire"  1849,  Bekenntnisse  eines
Revolutionärs.)  Alle  staatlichen  Gerichte  und  Regierungsgewalten  müssen
abgeschafft  werden.,  nur  ein  einziges  Gesetz  kann  noch  gelten,  „tue  anderen
nichts,  was  du  nicht  willst,  das  man  dir  tue,  und  tue  anderen,  was  du
willst,  das  man  dir  tue."  Am  Schluß  seines  Lebens  überzeugte  er  sich
übrigens  selber  von  der  Undurchführbarkeit  seiner  Lehren.  Denn  in  seinem
1863  erschienenen  Werk  „Da  prinzipe  iederatife“  sagt  er  ausdrücklich:  die
Anarchie  sei  ein  Ideal,  das  nie  verwirklicht  werden  könne,  die  richtige  Regierungsform ­
  sei  vielmehr  der  Föderalismus,  d.  h.  eine  möglichst  dezentralisierte ­
  Regierung.  In  der  Bildung  möglichst  vieler  kleiner  Gruppen
mit  möglichst  weitgehender  Selbstverwaltung  erblickt  er  das  politische  Heil!
Den  krassesten  Egoismus  in  nacktester  Reinkultur  als  System  vertritt
der  erst  vor  kurzem  wieder  entdeckte  und  heute  wieder  mehr  gelesene  Johann
Kaspar  Schmidt,  der  unter  dem  Namen  Max  Stirner  1848  das  berühmt ­
  gewordene  Werk  „Der  Einzige  und  sein  Eigentum"  erscheinen  ließ.
Das  empirische  Ich  äst  ihm  das  oberste  Gesetz  alles  Wollens.  Jede  Autorität ­
  in  Staat,  Recht  und  Ordnung  ist  ihm  verwerflich,  weil  es  dem  einzelnen ­
  Ich  Schranken  auferlegt.  Unbedingte  Freiheit  des  Individuums  ist  ihm
das  oberste  Ziel.  'In'  gleicher  Weise  bekämpft  er  Liberalismus  wie  Sozialismus. ­
  Selbst  die  freiheitlichste  Staatsverfassung  führe  nur  einen  neuen
Götzen  ein,  den  der  Einzelne  verehren  müsse  und  errichte  ein  neues  Joch,
dem  tzatz  absolut  sein  sollende  Individuum  sich  unterwerfen  müsse,  die
Herrschaft  der  Mehrheit.
Sein  ganger  Ingrimm  aber  richtet  sich  gegen  den  Kommunismus  und
Sozialismus.  „Wenn  wir  das  persönliche  Eigentum  abschaffen,  dann  hat
keiner  etwas,  dann  ist  jeder  ein  Lump  .  .  .  vor  dem  höchsten  Eigentümer
(nämlich  der  Gesamtheit  al.ler)  werden  wir  alle  gleiche  Lumpen  .  .  .  Wir
sind  allzumal  Lumpen  und  als  Gesamtmasse  der  kommunistischen  Gesellschaft ­
  können  wir  uns  Lumpengesindel  nennen."  Die  Unterdrückung  des
absoluten  souveränen  Einzelwillens  dünkt  Stirner  eben  völlig  unerträglich. ­
  Jeder  Rechtszwang  ist  verwerflich.  Der  Staat  ,  soll  völlig  verschwinden ­
  und  durch  den  Verein  der  Egoisten  ersetzt  werden.  Der  Ein-  und  der
Austritt  «aus  diesen  Vereinen  soll  dem  Einzelnen  beliebig  freistehen,  .irgendwelche ­
  Befehlsgewalt  Mer  ihre  Mitglieder  üben  die  Vereine  nicht  aus.
Im  schärfsten  Gegensatz  zu  dem  durchaus  antireligiösen  Stirner  gelangt
der  tiefgläubige  und  mystische  russische  Wolksprophet  Leo  Tolftoy  in  seinen
Werken  „Worin  besteht  mein  Glauben?  (1884),  „Was  sollen  wir  also  tun?"
(1885),  „Das  Reich  Gottes  ist  in  Euch"  (1893),  zu  einem  geradezu  religiös
fundamentierten  Anarchismus.  Das  wahre  Wesen  des  Christentums  widerstrebe ­
  jedem  Rechtszwang  und  jedem  Staatsgebot.  Der  Eid,  wie  die
Steuern,  die  Gerichte  und  der  Heeresdienst  «verletzten  gleichmäßig  die  obersten
Gebote  des  Christentums.  Das  Christentum  restlos  durchgeführt,  zerstöre
den  Staat.  Zur  Erreichung  des  Zieles  aber,  d.  h.  der  anarchistischen  Gesellschaftsordnung ­
  verwirft  aber  Tolftoy  jedwede  Gewalt  auf  das  Entschiedenste. ­

Auch  unseren  großen  deutschen  Sprachkünstler  Nietzsche  (1844—1900)  hat
man  vielfach  als  Anarchisten  bezeichnet.  Unseres  Erachtens  zu  Unrecht.  Gewiß ­
  finden  sich  an  manchen  seiner  Werke  Stellen,  die  sich  sehr  den  anarchisti ­
            
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