vermittelt wie heute, sie verhüllten sich mehr in patriarchalische Formen
der Ausbeutung, die Klassenkämpfe traten nicht so offen in die Erscheinung
wie heute. Unsere aus dem Untergange der alten feudalen Gesell/Haft her
vorgegangene bürgerliche moderne Gesellschaft hat die Klassengegensätze un-
gemein vereinfacht. „Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in
zwei große feindliche Lager, in ztoei große einander direkt gegenüber
stehende Klassen' Bourgoisie und Proletariat." (S. 26.) Diese Bourgoisie
war alles andere als von jeher staatserhaltend, im Gegenteil, sie „hat in
der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt. Die Bourgoisie, wo
sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen
Verhältnisse zerstört. Sie hat die buntscheckigen Feudalbande, die den Men
schen an seinen natürlichen Vorgefetzten knüpften, unbarmherzig zerrissen
und kein anderes Band zwischen. Mensch und Menschen übrig gelassen, als
bas nackte Interesse, als die gefühllose bare Zahlung. Sie hat die heiligen
Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spieß-
büUgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung er
tränkt. Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst und an
die Stelle der zahllosen verbrieften und wohletworbenen Freiheiten die
eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt. Sie hat mit einem Worte an die
Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung
die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt. Die Bourgoisie
hat alle bisher ehrwürdigen Und mit frommer Scheu betrachteten Tätig
keiten ihres Heiligenscheines entkleidet. Sie hat den Auzt, den Juristen,
den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten
Lohnarbeiter verwandelt. Die VouUgoisie hat dem Familienverhältnis sei
nen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geld-
verhältnis zurückgeführt." (S. 28.) Aber buch ihre eigenen Verdienste um
die wirtschaftliche Entwickelung hat diese Bourgoisie. „Die Bourgoisie hat
in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossa
lere Produktionskräfte geschaffen, als alle, vergangenen Generationen zu
sammen. Unterjochung der Näturkräfte, Maschinerie, Anwendung der
Chemie auf Jndüstrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt, Eisenbahnen, elektri
sche Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der
Flüsse, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen — welches
frühere Jahrhundert ahnte, daß solche Prvduktionskräfte im Schoße der ge
sellschaftlichen Arbeit schlummerten." (S. 30.)
Aber je mehr die moderne bürgerliche Gesellschaft diese gewaltigen Pro
duktionskräfte schafft, gräbt sie sich selber ihr eigenes Grab, sie „gleicht dem
Hexenmeister, der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen
vermag, die er heraufbeschwor." (S. 3l.) Das aus ihrem Schoß entsprossene
Proletariat, das nur seine Arbeitskräfte fein eigen nennt, umfaßt die Män
ner, welche die todbringenden Waffen gegen die Bourgoisie führen werden.
Dieses Proletariat wächst unaufhaltsam,- es umfaßt die ungeheuere Mehr
heit des ganzen Volkes, immer mehr wächst es geradezu reißend. Deshalb
muß es auch endlich siegen, mögen auch noch soviel einzelne Kämpfe ver
loren gehen. Lange Zeit wird ein mehr oder weniger versteckter Bürger
krieg in der modernen bürgerlichen Gesellschaft, vorherrschen, bis das Prole
tariat durch eine gewaltsame Erhebung die Herrschaft der Bourgoisie stürzt.