Die Hauptversammlung in Köln.
itte September 1889 hat der Bund für Bodenbesitz-
NM N in Köln seine zweite Hauptversammlung
abgehalten, die unter dem Vorsitz von Dr. med. Heinrich
Wehberg stattgefunden hat. Flürscheim hat über die Ent-
wicklung des Bundes Bericht erstattet, dessen Mitglieder-
zahl auf 204 gestiegen war, und hat Mitteilung über den
Verlauf des internationalen Kongresses in Paris ge-
macht. Als nächstes Ziel bezeichnete er die steuermäßige
Einziehung des städtischen Grundrentenzuwachsses, die
schon von Adolph Wagner verlangt worden sei. Heute
machten die Städte Schulden, um mittels der davon be-
zahlten Verbesserungen die Grundrente der Privatei-
gentümer zu erhöhen.
Ich hatte schon gleich nach der Gründung des Bundes
meinen Anschluß erklärt und habe an der Versammlung
in Köln teilgenommen. Im Laufe der Verhandlung
konnte ich auf das vorgehen der Hansestadt Hamburg
aufmerksam machen, die für den neuen Freihafen ein
ganzes Stadtviertel enteignet hatte. Der Senat hatte
das enteignete Terrain nicht wieder an Private verkauft.
Er hatte mit einer Baugesellschaft einen Vertrag abge-
schlossen, der ihm die steigende Grundrente sicherte. Der
Staat ist Eigentümer des Bodens geblieben. Die Ge-
bäude gehören der Gesellschaft. Die Reinerträge werden
zwischen dem Staat und der Baugesellschaft im Verhält-
nis von 5 : 3 geteilt. Nach 15 Jahren war dem Staat das
Recht vorbehalten worden, sämtliche Aktien der Gesell-
schaft zu den im voraus festgesetzten Preisen zu erwerben.
Der Vertrag, der darüber abgeschlossen worden ist, ist
später auf meine Veranlassung im Jahrbuch der Boden-
reform (1905 S. 110) veröffentlicht worden.
9J