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Eine Ladentochter (Stadt) bemerkt: „Vom religiösen wie
vom sozialen Standpunkt aus wäre es sehr erwünscht, wenn
ein Sonntagsruhegesetz auch für Bäckereien und Konditoreien
geschaffen würde. Ein Sklave kann nicht ärger an seine Arbeit
gebunden sein als wir in unserem Gewerbe. Von Fest- und
Feiertaghalten ist keine Rede. Also Parole: Sonntagsruhe!“
Eine Verkäuferin in einem Metzgergeschäfte verpönt die
Sonntagsarbeit mit folgenden drastischen Ausführungen: „Jahre
lange Beobachtungen haben mir gezeigt, dass mindestens 90%
der Sonntagskunden sich auf die Arbeiterklasse beschränken.
Da einmal energisch einzugreifen, täte not. Selber dem Arbeiter
stande angehörend, kann ich mit Recht und Gewissen konsta
tieren, dass es ganz gut möglich ist, es anders einzurichten. Vom
Schlechtwerden des Fleisches kann keine Rede sein, das ist
nicht stichhaltig, denn andere Leute können es auch machen.
Man kann z. B. das betreffende Stück Fleisch anbraten oder auch
einsalzen und am Morgen wieder abwaschen.
In England, Amerika etc. kann man sich auch einrichten,
dort sind die Ladnerinnen gesetzlich geschützt. Und wo ein Wille
ist, da ist auch ein Weg! Wo bleibt da das Fabrikgesetz? Da
stehen wieder Arbeiter gegen Arbeiter. Wieso? Ich weiss und
habe es schon öfters mir sagen lassen, dass der Mann erst
Sonntags früh oder Samstags nachts spät nach Hause kommt
und den dezimierten Zahltag bringt. Wie könnte da die Frau
noch ihrem Gatten etwas Schmackhaftes vorsetzen? Da ist sie
gezwungen, ihre eigene arbeitende Klasse zu Sonntagsdiensten
zu verdammen. Also hier Remedur, bitte! Die Arbeiter haben
doch ihren Sonntag ganz frei, warum nicht wir?“
Damit schliessen wir die Blütenlese, die nach unserem
Dafürhalten sehr typisch ist. Wir besitzen aus den übrigen
Arbeiterinnenkategorien im Verhältnis zu den angeführten Be
merkungen nur verschwindend wenige Aeusserungen, weil eben
die Verhältnisse infolge des Arbeiterinnenschutzgesetzes bessere
geworden sind, wenn auch nicht überall seine Vorschriften genau
befolgt werden.
Schon bei der nächsten Gruppe, bei den Schneiderinnen,
zeigt der Arbeitstag denn doch ein weit günstigeres Bild als
dies bei den Ladentöchtern der Fall war.