Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Fortschritte  im  Seekabelwesen.

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Vorteile  der  neuen  Methode  nicht  entfernt  in  dem  Maße  ausgenutzt,  wie  es  eigentlich  möglich
gewesen  wäre.  In  Deutschland  hat  man  einige  lange  Freileitungen,  wie  z.  B.
Berlin—Stralsund  240  km
Berlin—Düsseldorf  560  km
Berlin—Frankfurt  a.  M.  580  km
Berlin—Aachen  700  km
nach  dem  Pupinsystem  ausgerüstet  und  die  Anlagen  dadurch  bedeutend  verbilligt  und  gleichzeitig ­
  verbessert;  auch  einige  „interurbane"  Fernsprechkabelverbindungen  sind  mit  den
Pupinspulen  versehen  worden,  wie
Berlin—Potsdam,  32 1 / 2  km  (100  paariges  Kabel),
Hamburg—Harburg,  17  km  (100  paariges  Kabel),
Düsseldorf—Elberfeld,  32 1 / 2  km  (28  paariges  Kabel),
Dortmund—Essen—Ruhrort,  60  km  (100—200paariges  Kabel).
Hierzu  soll  demnächst  ein  gewaltiges  Fernsprechkabel  treten,  das  von  Berlin  über
Magdeburg  in  den  rheinischen  Jndustriebezirk  führen  soll.
In  der  Seekabeltechnik  ist  hingegen  die  Ausnützung  der  hohen  Vorzüge  der  Pupinschen
Methode  bisher  nur  in  bescheidenem  Maße  erfolgt,  wobei  die  großen  technischen  Schwierigkeiten ­
  der  Spulenunterbringung  innerhalb  der  Kabelhülle  nicht  allein  die  Erklärung  abzugeben
haben.  Es  wurde  ini  August  1906  ein  vieradriges  Probeseekabel  von  13  km  Länge  mit
Pupinspulen  und  Papierisolation  der  Kupferadern  quer  über  den  Bodensee  von  Friedrichshafen ­
  nach  Romanshorn  verlegt,  und  im  Mai  1910  erfolgte  die  Verlegung  eines  40  km
langen  Pupinseekabels  mit  Guttaperchaisolation  zwischen  Dover  und  Calais  zur  Verbesserung ­
  des  englisch-französischen  Fernsprechverkehrs.  Diesem  Seekabel  schloß  sich  alsdann
ein  weiteres  zwischen  England  und  Belgien  an  (St.  Margarets  Bai—La  Panne),  das  volle
88  km  lang  ist.  Tie  Hoffnung,  daß  das  Pupinsystem  auch  einen  Fernsprechverkehr  Berlin—
London  möglich  machen  werde,  hat  sich  bisher  noch  nicht  erfüllt,  und  in  noch  sehr  viel  weiterer
Ferne  stehen  die  wohl  als  Utopien  zu  bewertenden  Zuknuftsträume  eines  transozeanischen
Telephonverkehrs  zwischen  Europa  und  Amerika.  Hingegen  dürften  lange  Freileitungen,
wie  z.  B.  Berlin—Mailand—Rom  (2000  km),  Berlin—Warschau—Petersburg  und  ähnliche ­
  in  naher  Zukunft  verwirklicht  sein;  die  erstere  ist  bereits  in  Angriff  genommen.  Die
Reichweite  von  Freileitungen  bestimmter  Stärke  wird  durch  das  Einschalten  von  Pupinspulen
  im  allgemeinen  verdoppelt.
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Fortschritte  im  Seekabelwesen.
Ta  die  Errichtung  von  drahtlosen  Verbindungen  verhältnismäßig  billig  ist  und  im
allgemeinen  nur  den  nicht  sehr  kostspieligen  Bau  der  Stationen  erfordert,  hat  sich  die  drahtlose ­
  Telegraphie  rasch  zu  einem  sehr  mächtigen  Nebenbuhler  der  alten  Kabeltelegraphie
entwickelt.  Dennoch  hat  auch  der  Ausbau  des  Seekabelnetzes  der  Erde  bisher  noch  immer
bedeutende  Fortschritte  gemacht,  und  wenn  das  Tempo  seiner  Weiterentwickelung  in  Zukunft
sicher  langsamer  werden  wird  als  bisher,  so  wird  weniger  die  Tatsache  daran  schuld  sein,
daß  die  drahtlose  Telegraphie  die  Kabel  überflüssig  macht,  als  der  Umstand,  daß  die  wesentlichsteir
  Aufgaben  für  ein  vollwertiges  Telegraphennetz  um  den  Erdball  bereits  erfüllt  sind.
Solange  die  drahtlose  Telegraphie  nicht  unabhängig  von  Witterungsstörungen  wird,  solange
die  gewollte  und  ungewollte  Absaugung  und  Störung  der  auf  drahtlosem  Wege  beförderten
Depeschen  so  leicht  möglich  ist,  wie  gegenwärtig,  werden  die  Telegraphendrähte  und  Seekabel ­
  nicht  nur  nicht  entbehrlich  werden,  sondern  vollauf  ihre  alte  Bedeutung  behalten.
Bisher  hat  sich  die  drahtlose  Telegraphie  sogar  unbedingt  als  förderlich  für  die  Kabelunternchmnngen
  erwiesen,  da  sie  den  Kabeln  Telegramme  aus  entlegenen  Gegenden  (z.  B.
Inseln)  zuträgt,  die  sonst  ans  Welttelegraphennetz  nicht  angeschlossen  sind.  Ob  freilich  im
Laufe  der  Zeit  nicht  eine  schärfer  werdende  Konkurrenz  zwischen  Drahttelegraphie  und
drahtloser  Telegraphie  sich  bemerkbar  machen  wird,  bei  der  die  erstere  zweifellos  den  Kürzeren ­
  würde  ziehen  müssen,  mag  dahingestellt  bleiben.
            
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