Die drahtlose Telegraphie.
95988
Nativ-
Verlauf
Jahr der
nalität
Herstellung
Besitzer
englisch
8. Aden—Zanzibar—Mozambique—Delagoa-
Bay — Durban
9. Zanzibar—Seychellen—Mauritius . . .
1879
1893
I Mstern and South
I African Tel. Co.
10. Durban (Natal)—Mauritius
1901
Eastern Telegraph Co.
„
11. Mauritius — Rodriguez-Insel—Kokos-Jn-
sein—Perth (Australien)
12. Perth—Adelaide
13. Kokos-Inseln—Batavia
1901
1902
!> Australasia and
China Tel. Co.
Dir drahtlose Telegraphie.
Tie erhabensten Großtaten des 19. Jahrhunderts für die Förderung des Verkehrs
wesens waren neben der Schaffung des Suezkanals die Einführung des Eisenbahn- und
Dainpfschifsbetriebs, die Erfindung der elektrischen Telegraphie und des Telephons. Das
20. Jahrhundert, so jung es noch ist, hat dennoch schon weitere Fortschritte gebracht, die
sich würdig den genannten zur Seite stellen können, vor allem die Ausbildung der draht
losen Telegraphie und die Eroberung der Luft.
Die Anfänge der drahtlosen Telegraphie-reichen ja noch ins endende 19. Jahrhundert
zurück. Der Name, der am engsten damit verbunden ist, ist der eines Italieners, Marconi,
doch sind die wesentlichsten Leistungen auf dem Gebiet in der Hauptsache geistiges Eigentum
der Engländer und der Deutschen, zumal da ja auch Marconi selbst seit langen Jahren
in England lebt und wirkt. Ter geistige Vater dieses neuesten großartigen Nachrichtenmittels
war der geniale, jung verstorbene deutsche Physiker Heinrich Hertz (ff 1894), der i. I. 1887
und 1889 seine epochemachenden Untersuchungen über das Wesen der Elektrizität veröffent
lichte, wobei er nachwies, daß die elektrischen Wellen sich, auch ohne Draht, nach Art des
Lichtes durch den Raum fortpflanzen. Auf dieser Wahrnehmung basierte Marconis Erfin
dung von 1896, die Fortpflanzung der elektrischen Wellen durch die freie Luft zur telegra
phischen Zeichengebung zu benutzen. Der von Branly 1890 konstruierte Kohärer oder Fritter
gestattete die Aufsaugung und Verdeutlichung der telegraphischen Signale. 1897 gelang Mar
coni zum ersten Male die Übermittlung einer drahtlosen Depesche auf 12 km Entfernung von
der Küste des Golfs von Spezia auf ein Schiff. Nachdem die ersten Nachrichten über Mar
conis Arbeiten bekannt geworden waren, bildeten die deutschen Forscher Prof. Slabh in
Charlottenburg und Prof. Braun in Straßburg, später auch der Amerikaner de Forest
und noch andere, von ähnlichen Grundlagen ausgehend, neue Systeme der drahtlosen
Telegraphie aus. Aus Mangel an Raum kann hier auf die Unterschiede der einzelnen
„Systeme" und ihre z. T. außerordentlich erbitterten Kämpfe widereinander nicht näher
eingegangen werden. Tie von Marconi gegründete englische Marconigesellschaft (Wireless
Telegraph Company) richtete seit 1900 systematisch Stationen für drahtlose Telegraphie
auf Schiffen und dein Lande ein und nahn: sie in Betrieb. Sie hatte anfangs das entschie
dene Übergewicht und suchte es, mit der bekannten britischen Rücksichtslosigkeit, zur Erdrückung
der konkurrierenden Systeme und durch Boykottierung feindlicher Stationen zu einem die
ganze Erde umfassenden Weltmonopol zu erweitern. Fast wäre dies gelungen: aber recht
zeitig einigten sich noch die beiden anfangs gleichfalls einander befehdenden deutschen Sy
steme Slaby-Arco und Braun-Siemens und taten sich im Juni 1903 zu der deutschen Tele-
funkengesellschaft zusammen, welche die ehrgeizigen Pläne der Marconigesellschaft nach
überaus hitzigen Kämpfen vereitelte und ihr heute an Bedeutung mindestens ebenbürtig, wenn
nicht überlegen ist. Durch den Berliner internationalen Kongreß für Funkentelegraphie im
Herbst 1906 und die im Schlußprotokoll vom 3. November 1906 niedergelegten Beschlüsse
wurden die Monopolgelüste der Marconileute endgültig aus dem Felde geschlagen und nach
dem die britische Gesellschaft erkannt, daß die deutsche Konkurrenz nicht erdrosselt werden
konnte, trug sie den Tatsachen Rechnung, milderte die Schroffheiten des Konkurrenzkampfes
und verstand sich schließlich sogar dazu, bis zu einem gewissen Grade mit ibr zusammen