Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

106

Die  Eisenbahnen:  Steigungsverhältnisse.

Geschwindigkeit  ergibt  sich  z.  B.  auf  der  Steigung  von  10°/E  und  einer  Bahn  nach  Art  der
Abb.  86  (Krümmungswiderstand  —  rund  2  kg-  für  jede  Tonne  Zuggewicht)  eine  Wagenlast  von
300  t.  Starke.Steigungen  sind  somit  für  den  Eisenbahnbetrieb  höchst  nachteilig.  Sie  verlangen
besonders  leistungsfähige  Lokomotiven,  deren  Brennstoffverbrauch  im  Verhältnis  zur  geförderten
Transportmenge  groß  ausfällt.  Zudem  können  die  Züge  im  allgemeinen  doch  nicht  so  lang  sein
wie  ans  schwach  geneigten  Linien  und  können  nicht  mit  gleicher  Geschwindigkeit  gefahren  werden.
Zum  Befördern  bestimmter  Güter-  und  Truppenmassen  sind  sonach  mehr  Züge  zu  fahren,
was  die  Betriebskosten  erhöht  und  ausgedehntere  Anlagen  für  das  Unterbringen  und  die
Ausbesserung  der  Lokomotiven  notwendig  macht.  Diesen  Nachteilen  starker  Steigung  steht
allerdings  der  Vorteil  gegenüber,  daß  durch  sie  die  Linie  verkürzt  wird.
Bei  Wahl  einer  schwächeren  Steigung  sinken  die  Betriebskosten,  aber  die  Anlagckosten
werden  infolge  der  größeren  Länge  höher.  Die  zweckinäßigstc  Steigung  nun  ausfindig  zu
machen,  ist  eine  Hauptaufgabe  der  Vorarbeiten.  Es  genüge  hier  anzuführen,  daß  im  allgemeinen ­
  bei  Bahnen  mit  starkem  Verkehr  mehr  auf  Ermäßigung  der  unmittelbaren  Betriebskosten ­
  als  des  Anlagekapitals  zu  halten  ist,  während  Bahnen  mit  schwachem  Verkehr  nur
geringe  Anlagekosten  vertragen,  dagegen  wohl  etwas  höhere  unmittelbare  Betriebskosten.
Je  nach  der  Bedeutung  der  Bahn  für  den  Verkehr  und  die  Landesverteidigung
(S.  120),  sowie  je  nach  den  klimatischen  Verhältnissen  wird  man  zweckmäßig  eine  gewisse
Steigungsgrenze  nicht  überschreiten.  Sie  liegt  für  die  großen  verkehrsreichen  Hauptlinien ­
  bei  25°/ 00  bis  allenfalls  30°/ on  (1:40  bis  1:33).  So  hat  z.  B.  die  Brennerbahn
i>i§25°/ 00 ,  die  Gotthardbahn  bis  27°/ 00 ,  die  Neuenburger  Jurabahn  bis  27°l 00l  die
Arlbergbahn  gar  bis  30°/ n o:  die  Northern  Paeificbahn  im  Felsengebirge  und  in  der
Sierra  Nevada  bis  22  °/ 00  Steigung.
Bei  den  Nebenbahnen  und  Linien  mit  schwachem  Verkehr  geht  man  in  der  Regel
nicht  über  40°/oo  (1:25).  Ausnahmen  kommen  natürlich  auch  hier  mehrfach  vor.  Es
zeigen  unter  anderen  die  Gebirgsbahnen  in  Colorado  bis  40°/ 00 ,  die  Lima-Oroyabahn
bis  400/00,  die  Averdon-St.  Croix  Bahn  in  der  Westschweiz  bis  440/00,  die  Strecke
Landquart-Davos  bis  450,0g,  die  Strecke  Wädensweil-Einsiedeln  (Schweizer  Südostbahn) ­
  bis  50  0/00  Steigung.
Bei  reinen  Touristenbahnen  hat  man  in  einem  Falle  sogar  7O°/ 00  (1:14)  zugelassen.
Es  ist  dies  die  Ütlibergbahn  bei  Zürich,  hier  handelt  es  sich  aber  auch  nur  um  leichte
Züge,  die  mit  geringer  Geschwindigkeit  gefahren  werden.  Auch  auf  einer  dem  Minenverkehr ­
  dienenden  Gebirgsstrecke  in  Colorado,  der  Calumetabzweigung,  kommt  diese
Steigung  von  70  0/00  vor.  Die  höchsten  Steigungswerte  für  Reibungsbahnen  finden  sich
bei  elektrischen  Straßenbahnen  mit  106°/ 00  in  Remscheid,  109% 0  in  Zürich  und  116°/og
in  Lausanne.  Es  sind  dies  aber  nur  kurze  Strecken.
Will  man  für  längere  Strecken  bezw.  größere  Lasten  stärkere  Steigungen  als  vielleicht
50  0/00  zulassen,  so  muß  man  von  den  Adhäsions-  oder  Reibungsbahnen  Abstand  nehmen
und  für  die  Fahrzeuge  einen  künstlichen  Stützpunkt  durch  eine  Zahnstange  oder  ein
Drahtseil  schaffen.  Im  ersteren  Falle  liegt  eine  Zahnstange  mit  ausrechtstehenden  oder
liegenden  Zähnen  inmitten  des  Gleises.  Von  der  Lokomotive  angetriebene  Zahnräder
wälzen  sich  in  ihr  ab  und  ziehen  dadurch  deu  ganzen  Zug  hoch  bezw.  sichern  ihm  die
Thalfahrt.
Es  werden  mittels  der  Zahnbahn,  auch  Zahnstangen-  oder  Zahnradbahn  genannt,
Rampen  bis  480  0/00  =  rund  1:2  erstiegen.  Die  Fahrgeschwindigkeit  ist  allerdings  nur
gering.  Näheres  vergl.  am  Schlüsse  dieses  Abschnittes.
Hängt  man  die  Fahrzeuge  an  ein  Drahtseil,  das  durch  eine  Kraftmaschine  oder
durch  die  Schwerkraft  eines  Übergewichts  bewegt  wird,  so  lassen  sich  noch  größere
Steigungen  überwinden.  Es  fällt  hier  im  Gegensatze  zu  den  Lokomotivbahnen  die  sehr
erhebliche  Arbeit  fort,  die  für  das  Heben  der  Lokomotive  selbst  notwendig  ist.  Man  ist
jetzt  bei  längeren  Steigungen  bis  zu  620  0/00  —  1:1,«  gegangen,  wie  bei  der  Stanserhornbahn
  und  der  Grütschalpbahn  bei  Lauterbrunnen.  Abb.  69  zeigt  einen  solch  steilen
Bahnabschnitt.  Für  kürzere  Strecken  hat  man  noch  größere  Steigungen  zugelassen,  so
z.  B.  auf  der  1897  erbauten  Seilbahn  Pilar-Bahia  780"/oo  —  1:1,8.'  Die  Fahrgeschwindigkeit ­
  und  die  tote  Last  sind  klein,  um  nicht  zu  schwere  Drahtseile  und  zu
große  Triebkräfte  zu  erhalten.  Die  Leistungsfähigkeit  der  Seilbahnen  ist  daher  eine  beschränkte. ­
  Näheres  vergl.  im  Abschnitt  „Seilbahnen".
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.