Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Offene  und  Tunnel-Schlingen.

wäre  mit  einer  Steigung  von  133  '/2  °/oo»  also  nur  mittels  Zahnstange  möglich  gewesen.
Da  die  Anschlußbahnen  aber  als  Reibungsbahnen  ausgeführt  sind,  so  mußte  dieses  dem
Durchgangsverkehre  dienende  Stück  in  gleicher  Weise  betrieben  werden.  Es  gelang  durch
eine  höchst  eigenartig  durchgeführte  Entwickelung  der  Linie,  wodurch  freilich  die  Gleislänge ­
  auf  das  Vierfache  (6500  m)  angewachsen  ist,  die  Steigung  aber  auf  32 1 / 2 °/ co
beschränkt  wurde.  Die  Bahn  übersetzt  hier  viermal  das  enge  Clear  Creek  Canon;
die  Brücke  am  Schlingenschluß  liegt  mit  ihrer  Fahrbahn  50  m  über  dem  unteren
Gleisznge.
Die  Tunnelschlinge  nach  Art  der  Abb.  87  wendet  man  zweckmäßig  da  an,  wo  die
Enge  der  Thalschlucht  oder  auch  die  klimatischen  Einflüsse  die  offene  Entwickelung  der
Linie  nicht  gestatten.  Je  nach  Geländebeschaffenheit  und  Erfordernis  kann  durch  Wahl  des
Schlingendurchmessers  ein  größerer  oder  kleinerer  Höhengewinn  erreicht  werden.  Die
Möglichkeit,  den  wie  eine  Schraubenlinie  ansteigenden,  stetig  gekrümmten  Tunnel  noch
lüften  zu  können,  zieht  allerdings  die  Grenze.  Die  Tnnnelschlingen  sind  zuerst  bei  der

Gotthardbahn  unter  der  Bauleitung  von  Hellwag  angewendet  worden.  Gleichzeitig
wurde  bei  dieser  auch  die  Schleifenbildung  in  einer  einzig  in  der  Welt  dastehenden  Großartigkeit ­
  für  die  Linienentwickelung  benutzt.  Wir  sehen  auch  hier  wiederum,  wie  eine
Bahn  das  Vorbild  für  die  andere  abgibt:  Semmering  und  Brenner  für  die  Schwarzwaldbahn, ­
  und  diese  bezüglich  ihrer  Schleifen  für  die  Gotthardbahn,  letztere  wieder  mit
ihren  Tunnelschlingen  für  die  strategische  Schwarzwaldbahn  Weizen-Zollhaus.  Die
Gotthardbahn  hat  durch  ihren  kühnen  Entwurf  und  ihre  ungemein  schwierige  Bauausführung, ­
  namentlich  auch  bei  Herstellung  des  15  Icm  langen  Haupttunnels  in  der
ganzen  Welt,  nicht  bloß  in  technischen  Kreisen,  berechtigtes  Aufsehen  erregt.  Sie
bildet  einen  unvergänglichen  Merkstein  in  der  neueren  Geschichte  des  Eisenbahnwesens
und  soll  daher  auch  hier  in  ihren  wichtigen  Neuerungen  kurz  besprochen  werden.  Vor
allem  verdienen  die  gewaltigen  Tnnnelschlingen  mit  der  Wasener  Schleife  eingehendere
Würdigung.
Die  Gotthardbahn  ist  mit  einer  höchsten  Steigung  von  25°/ 00  (1  :40)  bis  21 0 [ 00
(1  :37)  durch  das  Reuß-  und  südlich  vom  großen  Tunnel  durch  das  Tessinthal  hindurchgeführt ­
  worden.  Auf  der  Vorderrampe  steigt  aber  das  Reußthal  aufwärts  mit
30  bis  40  °/ 00  und  selbst  68°/ 00  an,  also  wesentlich  stärker  als  die  Bahnlinie.  Jnfolge-16*

            
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