Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Die  ältesten  Transportmittel.  5

das  Lama,  das  Renntier.  Die  Leistungsfähigkeit  dieser  verschiedenen  Tiere  ist  eine  sehr
ungleiche.  So  ziehen  sechs  bis  acht  Hunde,  die  neben  den  Renntieren  im  Norden  vorzugsweise ­
  zum  Ziehen  benutzt  werden,  einen  mit  600  bis  800  Pfund  beladenen  Schlitten  in
einem  Tage  sechs  bis  acht  Meilen  weit.  Am  Jenissei  werden  im  Sommer  die  Hunde  auch
zum  Ziehen  der  Flnßfahrzeuge  verwendet.  Das  in  Südamerika  namentlich  unter  den
Inkas  in  Peru  in  großer  Zahl  benutzte  Lama  vermag  100  bis  120  Pfund  etwa  drei
Meilen  weit  zu  tragen.  Das  Rind  ist  seit  den  ältesten  Zeiten  bei  einer  Anzahl  Völker
als  Lasttier  benutzt  worden  und  stand  vielfach  in  hohen  Ehren.  Im  Orient  benutzt  man
den  Ochsen  als  Zugtier  und  das  Pferd  ausschließlich  als  Reittier.  Die  weiten  Grasebenen ­
  Südamerikas,  die  Pampas  und  Llanos,  werden  auch  jetzt  noch  fast  nur  von  Ochsenkarawanen ­
  durchzogen.  Die  Benutzung  des  Elefanten  als  Lasttier  war  und  ist  eine
beschränkte.  Der  Elefant  kann  in  einer  Stunde  Zeit  etwa  anderthalb  Wegstunden  zurücklegen, ­
  hintereinander  jedoch  höchstens  etwa  drei  deutsche  Meilen.  Im  Vordergründe
stehen  das  Pferd,  das  Maultier  und  das  Kamel.  Das  letztere  hat  insbesondere  in  dem

l.  Kleine  Karawane  ans  der  Ktraße  non  Beirut  nach  Damaskus.
Transportwesen  des  Altertums  eine  große  Rolle  gespielt,  und  auch  heute  noch  kommt
ihm  für  manche  Gegenden  eine  sehr  große  Bedeutung  zu.  Die  Benutzung  der  verschiedenen
Lasttiere  ist  von  mancherlei  Umständen  abhängig.  Ganz  allgemein  läßt  sich  sagen,  daß
zwischen  dem  Transportmittel  und  der  geographischen  Beschaffenheit  eines  Landes  ein
sehr  inniger  Zusammenhang  besteht.  Das  Kamel  gehört  gleichsam  zum  Bilde  der  Wüste,
das  Maultier  zu  jenem,  das  uns  diejenigen  Gegenden  bieten,  in  welchen  sich  der  Verkehr
vorzugsweise  auf  Saumwegen  abspielt.
Auf  den  getretenen  Pfaden  zogen  während  Jahrtausenden  die  wohl  bis  zu  2000  und
gar  3000  Kamelen  zählenden  Karawanen  dahin  und  vermittelten  einen  hochbedeutsamen
Handel.  Der  Karawanenhandel  blieb  während  des  ganzen  Altertums  die  hauptsächlichste
und  verbreitetste  Transportweise.  In  einzelnen  Teilen  der  Erde  spielt  der  Karawanenhandel ­
  auch  heute  noch  eine  große  Rolle,  wie  diese  Verkehrsart  beispielsweise  für  Afrika
noch  lange,  vielleicht  immer  üblich  bleiben  wird.  Die  Ausgangspunkte  der  nordafrikanischen
Karawanenwege  sind  Sokoto  in  Haussa  und  Kano  im  Fellatagebiet,  sowie  Kukaua  in
Bornu,  Wara  in  Wadai,  Kobbe  in  Dar  Für,  El  Obeid  in  Kordofan.  Nicht  wenige
dieser  Karawanenstraßen  sind  uralt  und  dienen  bis  heute  diesem  Zweck.
Aber  auch  dem  Karawanenhandel  ist  in  dem  modernen  Verkehrsvermittler,  in  der
Eisenbahn  ein  gefährlicher  Konkurrent  erwachsen.  Das  eiserne  Roß  vermag  anscheinend
            
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