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Die Naturphilosophie. — Telesio
nehmungen des Schnees und der Milch abstrahieren, unmittelbar
auf eine Stufe zu setzen? *) Noch innerhalb der Naturphilosophie
wird sich diese Schwierigkeit erheben, die sich zur vollen Klar-
heit allerdings erst entwickeln kann, nachdem der Fortschritt der
Wissenschaft selber die Forderung einer Logik der Relationen
zum Bewusstsein und zur Anerkennung gebracht hat,
Wie Fracastoro den scholastischen Begriff der „Species“ auf-
nahm, den Gegensatz indes, der hier zwischen „sinnlicher“ und
‚intelligibler“ Species bestand, auszugleichen und aufzuheben
trachtete, so verfolgt auch die Lehre des Telesio den gleichen
Weg. Hier indes handelt es sich nicht mehr um losgelöste psy-
chologische Untersuchungen, vielmehr erhebt sich das Erkenntnis-
problem nunmehr auf dem weiteren Unterbau, der durch das Ganze
der neuen Naturlehre geschaffen ist. Der Process des Erkennens
ist dem allgemeinen Zusammenhang der biologischen Probleme
eingeordnet und unterstellt: er bezieht sich auf die Frage, wie das
Leben des Alls, das in jedem Teile gleichmässig vorhanden ist,
sich unter besonderen Bedingungen in individuelle Empfindung
umsetzt und wandelt. „Erkennen“ heisst „Leiden“: heisst ein Auf-
zeben des eigenen Lebens, um ein fremdes in sich aufzunehmen
und nachzubilden. Aber diese Umbildung gilt es nicht lediglich
abstrakt auszusprechen, soudern sie wird gemäss der Denk- und
Darstellungsart der Naturphilosophie in einer unmittelbaren An-
schauung verkörpert und dargestellt. Alles Leben vollzieht sich
lurch die Wirksamkeit zweier widerstreitender Potenzen, durch
jas Wechselspiel, das die beiden Grundkräfte der Wärme und
Kälte an der für sich trägen Materie, die sich in konstanter
Menge erhält, ausüben. Die Mannigfaltigkeit der Naturformen
entsteht aus der wechselnden Teilnahme an diesen beiden Gegen-
sätzen. So wird alle qualitative Verschiedenheit und mit ihr alle
individuelle Besonderung des Seins auf eine einzige ursprüng-
liche Grundform des Wirkens zurückgedeutet. Alle sinnlich
wahrnehmbaren Eigenschaften lösen sich in Arten der Bewe-