Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die Eisenbahnen: Oberbau. 
142. Awangsschirnc in Gleisbögen. 
bei dem die Schiene anschneidenden Vorderrade der Fahrzeuge unter Umständen möglich 
sein kann. Die Mhrungs- oder Zwangsschiene ist gegen die Fahrschiene um 13 nun höher 
gelegt, mit ihr in gemeinschaftlichen Stühlen gelagert und durch Holzkeile gehalten (Abb. 142). 
Die Spurkränze der Räder schleifen oft mit kreischendem Geräusche an diesen Zwangs- 
schienen her, das namentlich auf den mit vielen scharfen Gleisbögen angelegten Londoner 
Untergrundbahnen eine unangenehme Reisezugabe bildet. Derartige Führungsschienen 
finden sich vielfach auch auf den Hauptbahnen, namentlich im Gebirge und auf deren 
Nebenstrecken (Schottische Hochlandbahn Perth-Jnverneß u. s. w.). Sie verraten sich 
dem Reisenden durch das erwähnte Geräusch. — Die als Hochbahn angelegte Berliner 
Stadtbahn, deren Betrieb sich in manchen Punkten an den der Londoner Untergrund 
bahnen anlehnt, hat ebenfalls in 
ihren zahlreichen scharfen Gleisbögen 
von diesen Führungsschienen Gebrauch 
gemacht. 
Weichen. Der Übergang der 
Fahrzeuge von einem Gleis auf das 
andere wird gewöhnlich durch Wei 
chen, seltener durch Drehscheiben oder 
Schiebebühnen bewirkt. Die Weichen 
wurden anfangs als sogenannte 
Schleppweichen nach Abb. 143 ge 
baut. Die Bauart ist höchst einfach, aber es ist ein Schienenstrang stets unterbrochen, so 
daß bei falscher Weichenstellung eine Entgleisung unvermeidlich wird. Heutigestags findet 
sich diese Weiche in Europa nur noch vereinzelt in Fabrikgleisen und bei kleinen Industrie 
bahnen, namentlich solchen mit tierischer Zugkraft, in Amerika dagegen kommt sie auch in 
Hauptbahngleisen vor. Nach Abb. 144 u. 145 legt man in der Regel Rechts- und Links 
weichen, seltener dreifache Weichen (Abb. 146) an. Abb. 147 zeigt eine symmetrische Weiche, 
bei der beide Gleise von der Weichenmitte aus gleich stark abgebogen sind. Kreuzen sich 
zwei Gleise, so kann man sie, nach Abb. 148, durch eine doppelte Kreuzungsweiche, auch 
„ganze englische Weiche" genannt, derart miteinander in Verbindung bringen, daß die 
Fahrzeuge auf einen beliebigen Strang übergehen können. 8 in Abb. 146 u. 148 wird 
Herzstück genannt. Die 
bmvffhrhesc/uene , inneren beiden Schienen 
sind an der Weichen 
spitze unterbrochen. Die 
Stützung des Rades beim 
Übergang über diese Lücke 
erfolgt durch eine der 
beiden kurzen Flügelschie 
nen neben der Spitze, 
während die sichere Füh 
rung durch die Zwangs 
schiene 2 und das andere 
Rad erzielt wird. 2 wird 
auch Radlenker genannt und besitzt entweder gleichen Querschnitt wie die Fahrschiene 
oder neuerdings vielfach auch Winkelform. Damit das Fahrzeug möglichst sanft durch die 
Weiche abgelenkt wird, schärft man die beweglichen Weichenschienen (Weichenzungen) nach 
dem freien Ende hin zu. 
Die Weichen werden entweder einzeln unmittelbar an Ort und Stelle von Hand gestellt 
oder von einem gemeinsamen erhöhten Punkte, dem sogenannten Weichentnrme aus mittels 
langer eiserner Gestänge oder Drahtzüge (Weichenstellwerke). Hierfür kann man auch Preß 
luft, Druckwasser oder Elektrizität zu Hilfe nehmen (vergl. hierüber Abschnitt „Signalwesen"). 
Sicherheitsweichen nach Abb. 149 u. 150 bezwecken die Ablenkung von Fahr 
zeugen, die irrtümlicherweise aus einem Seitenstrange oder ohne Vorlvissen des Signal- 
beweg liclw Schixi/ie 
CD! 
143. Schlrppwriche, 1838
	        
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