Object: Forstwirtschafts-Politik

9H Ökonomische Bedingtheit. 
Unter den Ländern des Deutschen Reiches haben also: 
in Bayern 42 °/o aller landwirtschaftlichen Betriebe Wald 
in Württemberg 22 9% aller landwirtschaftlichen Betriebe Wald 
in Baden 19 "/o aller landwirtschaftlichen Betriebe Wald 
in Preußen 13 ‘/o aller landwirtschaftlichen Betriebe Wald 
in Hessen 10 %o aller landwirtschaftlichen Betriebe Wald 
Die „durchschnittliche Waldgröße, welche auf einen mit Wald verbundenen land- 
wirtschaftlichen Betrieb trifft“, ist 
in Preußen:. .. . . „M. 10,5 ha 
in Hesen. .... Q . 8,9 ha 
in Baden ... . 7,8 ha 
in Bayern UO, 4,5 ha 
in Württemberg . . . . 4,3 ha 
Innerhalb Preußens schwankt sie wieder sehr, so ist sie z. B. 
in: Westpreußen. „... 23,6 ha 
im Rheinland dagegen nur . . . . 3,3 ha 
Der Betriebsumfang ist in der Forstwirtsch a ft wegen der langen 
Dauer der Produktionszeiträume nicht nur z e it li ch , sondern wegen der für eine n a ch - 
h a lt i g e Wirtschaft notwendigen großen Holzvorräte auch räumlich sehr groß und 
im allgemeinen erheblich größer als in der Landwirtschaft. Kleinbetriebe sind 
in der Forstwirtschaft, ganz auf sich gestellt, nicht lebensfähig. Zu einem geregelten 
Betrieb sind in der Forstwirtschaft g r öß e r e Flächen erforderlich. Denn nur relativ 
großer Flächenumfang bietet dem Eigentümer vollen Unterhalt und dem Betriebsleiter 
volle Beschäftigung. Erst der Großbetrieb ermöglicht einen Bestand von wissenschaftlich 
gebildeten Forstwirten. Nur der Großbetrieb gestattet die Anlage von Waldwegen 
und Waldwegenetzen, und auch nur er ist in der Lage, seinen Einschlag den Bedürfnissen 
und Konjunkturen des Marktes anzupassen. „Bei g r ö ß e r em Besitz ist die Wirt- 
\ < a f t in mancher Hinsicht l e i ch t e r einzurichten und zu führen als bei kleinem oder gar 
sehr kleinem Besitz. Der größere, zumal der gr o ß e Bes itz ist über ein weites Gebiet 
verteilt. Die natürlichen Verhältnisse des Klimas, Bodens, der Höhenlage, des steilen oder 
leichten Abfalls der Hänge weisen eine größere Mannigfaltigkeit auf. Die Zahl der Holzarten 
im Walde ist größer; bessere und geringere Bonitäten, gestörte Altersklassenverhältnisse, 
günstige und ungünstige Absatz- und Preislagen können sich in ihrer Wirkung ausgleichen; 
Schädigungen durch Sturm, Schnee, Insekten verteilen sich auf eine größere Fläche und 
können durch anderweitige wirtschaftliche Maßregeln in ihrem Einflusse abgeschwächt 
werden. Die Generalkosten der Verwaltung sind beim Großbesitz verhältnismäßig 
geringer, die Konzentrierung der Mittel (große Schläge, Arbeiter, Wegebau, Waldeisen- 
bahnen) zu bestimmten Zwecken ist erleichtert. Großhandel und die für solchen Zweck 
nötige Ausdehnung der Schläge ist fast nur beim Mittel- und Großbesitz durchführbarz).“ 
Zahl und Größenklassen der Betriebe in der Holzindustrie. 
Aus der übersicht auf S. 63 geht hervor, daß die Gruppe „Ho l z- und Schnith - 
st o f f e“ unter den 23 Berufsgruppen der Zahl der Beschäftigten nach an zehnter, der 
Zahl der Betriebe nach an fechster Stelle steht. Hierbei ist indes zu berücksichtigen, daß 
!) Bühl er, „Der Waldbau“, ]. Bd., Stuttgart 1918, S. 30 f.
	        
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