62 Geringe Ausbreitung des Sozialismus
liche Vorschriften einzuengen. Es bleibt nur die Aufnahme
in das Armenhaus übrig, und die Unerfreulichkeit des dortigen
Aufenthalts, die persönlichen Beschränkungen, das Wissen,
sich durch seine Benutzung zum Outcast zu stempeln, lassen es
nur denjenigen aufsuchen, dem es wirklich die letzte Zu-
flucht ist. „To come to the town“, der Stadt zur Last fallen,
gilt als ein großes Unglück und als tiefste Erniedrigung,
Damit ist dann die Gewähr gegeben, daß eine nur vor-
gespiegelte Bedürftigkeit nicht vorliegt.
In einem Lande mit einer derartigen Wirtschaftsgesinnung
war für die Ausbreitung des sozialistischen Ge-
dankens kein Nährboden vorhanden ®5. Jene Faktoren,
die ihm in Europa eine so kräftige Resonanz verschafft hatten,
fehlten. Arm und reich standen sich nicht als festgelegte
Gruppen gegenüber, keine unübersteiglichen Scheidewände
waren zwischen den Klassen aufgerichtet. Es gab keine Kluft
zwischen Bürger und Arbeiter; es mangelte an Menschen, der
Arbeiter erfuhr keine Mißachtung und brauchte sich nicht
als Mensch niederer Sorte zu fühlen. Allen waren die gleichen
Aussichten offen, man sah das ewige Hinauf und Hinab, ein
jeder hatte es mit eigenen Augen und dicht neben sich ge-
sehen, wie viele aus dem Nichts zu Reichtum gekommen waren,
durfte hoffen, daß die Welle ihn eines Tages aufwärts tragen
werde, während der Wohlhabende fürchten mußte, daß sie
ihn verschlingen könne. Nie brauchte man die Hoffnung auf-
zugeben, doch noch auf die Höhe zu gelangen und ein Ka-
pitalist zu werden, eine Hoffnung, die auch noch durch die