Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Geschichte  der  Lokomotive.  „Globe"  und  „Planet".
achse  nach  Abb.  203  zweimal  (unter  90«  versetzt)  gekröpft  werden  mußte.  Auch  war  der
Kessel  mit  einem  erhöhten  Dampfraum,  dem  „Dom",  ausgestattet,  um  trocknen  Dampf
für  die  Cylinder  zu  erhalten.  Die  wagerechte  Lage  der  Cylinder  ist  die  allein  zweckmäßige ­
  und  seitdem  die  allgemein  übliche,  von  einer  ganz  schwachen  Neigung  bei  einzelnen
Lokomotivarten  abgesehen.  Die  „Jnnencylinder"  sind  noch  heutigestags  in  England  vorherrschend, ­
  während  bei  uns  und  anderswo  „Außencylinder"  beliebt  sind.  Auch  der  Kesseldom
ist  unentbehrlich  geblieben.  —  Der  „Globe"  soll  häufig  eine  Fahrgeschwindigkeit  bis  zu
80  km  i.  d.  Stunde  erreicht  haben,  was  für  damalige  Verhältnisse  außerordentlich  hoch  ist.
R.  Stephenson  baute  1830  die  neunte  Lokomotive  für  die  Liverpool-Manchesterbahn, ­
  den  „Planet"*).  Dieselbe  trat  am  4.  Oktober  1830  auf  der  genannten  Bahn  in
Dienst  und  besaß  alle  bis  dahin  erzielten  Verbesserungen:  Röhrenkessel,  Blasrohr,  wagerecht ­
  liegende  Jnnencylinder,  Dampfdom  u.  s.  w.  Die  Heizfläche  war  auf  38  qm  gewachsen, ­
  das  Dienstgewicht  (Eigengewicht  nebst  Brennstoff  auf  dem  Rost,  Wasser  mit
Kessel)  auf  9145  kg  (ohne  Tender).  Der  „Planet"  zeichnete  sich  durch  Leistungsfähigkeit

204.  Nob.  Kteptzriitons  Lokomotive  „planet",  1830.

aus  und  wurde  vorbildlich  für  andere  Fabriken.  Abb.  204  zeigt  eine  nach  ihm  erstellte
Lokomotive,  aus  der  wir  unschwer  schon  die  heutige  Form  erkennen**).  Hiermit  schließt
der  erste  Entwickelungsabschnitt  der  Lokomotiven.  Was  nun  kommt,  ist  ein
ferneres  Weiterbilden  und  Verbessern  auf  Grund  der  nach  und  nach  gewonnenen  Erfahrungen ­
  und  die  Einführung  neu  erdachter  Lokomotiv-Einzelheiten.
Auch  „Rocket"  und  „Planet"  stellen,  wie  man  aus  vorstehenden  Ausführungen  ersieht,
nur  eine  Stufe  in  dem  Entwickelungsgänge  der  Lokomotive  dar.  Die  vielfach  angetroffene

*)  Während  alle  älteren  englischen  Schriftsteller  die  Priorität  der  wagerechten  Cylinderlage
Hackworth  zuerkennen,  ist  neuerdings  (Engineering  1894  S.  295)  Stretton  niit  der  Ansicht  hervorgetreten, ­
  daß  zuerst  Stephenson  diese  Anordnung  und  zwar  beim  „Planet"  und  nach  ihm  dann
Hackworth  beim  „Globe"  angewendet  habe.  Die  in  Abb.  204  nach  Colburn  dargestellte  Bauart
des  „Planet"  ist  auch  von  Pouillct  und  le  Blanc  im  „Portefeuille  industriel“  1834  in  ausführlichen ­
  Zeichnungen  veröffentlicht.  Im  Gegensatz  hierzu  besagt  Engineering  1894,  die  Radachsen
hätten  oberhalb  des  (hölzernen  und  mit  Eisenblech  verkleideten)  Rahmens  gelegen.
**)  Die  erste,  1835  für  die  Nürnberg-Fürther  Bahn  von  Stephenson  gelieferte  ^okomotive
„Adler"  glich  noch  ganz  dem  „Planeten",  nur  war  bei  ihr  die  Feuerkistc  etwas  länger  bemessen
und  unter  dem  Führerstande  lag  eine  zweite  Laufachse  (vergl.  Abb.  52  im  ersten  Abschnitt).
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