Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Eisenbahnen:  Betriebsmittel.

Wagen.

Schon  Blcnkinsop  hatte  auf  seiner  im  Jahre  1812  eröffneten  Zahnbahn  den  Versuch ­
  einer  Personenbeförderung  gemacht,  wie  Abb.  239  uns  zeigt.  Bei  der  geringen  Geschwindigkeit ­
  seiner  Lokomotive  —  bis  5  km  in  der  Stunde  —  konnte  jedoch  von  einem
regelrechten  Personenverkehr  keine  Rede  sein.  Er  beschränkte  sich  infolgedessen  auch  auf
das  Befördern  von  Kohlenzügen.  Ein  geregelter  öffentlicher  Personenverkehr  wurde  zum
erstenmal  auf  der  1825  in  Betrieb  genommenen  Stockton-Darlingtonbahn  eingerichtet.
Die  Wagen  nach  Art  der  Abb.  240  wurden  wegen  des  gleichen  Fehlers  der  Stephensonschen
  Lokomotiven  durch  Pferde  gezogen,  wie  bereits  oben  dargelegt  wurde.  Erst  seit  den
Rainhiller  Tagen  des  Jahres  1829  wurde  es  möglich,  auf  einmal  mehrere  hundert
Reisende  und  große  Gütermassen  fortzuschaffen  mit  einer  bis  dahin  unbekannten  und
derzeit  unerhörten  Geschwindigkeit.  Unsere  Tafel  veranschaulicht  uns  das  äußere  Gepräge ­
  der  ersten,  von  Lokomotiven  gezogenen  Personenzüge  jener  Zeit.  Unförmig  und
wenig  behaglich  erscheinen  uns  diese  Fahrzeuge:  ohne  Polsterung,  zum  Teil  ohne  Fenster,
selbst  ohne  Dach  und  Sitze,  weder  beleuchtet
noch  geheizt,  schlecht  gefedert;  die  Reichen  in
eigenen  Equipagen  fahrend,  die  auf  offene
Güterwagen  gestellt  und  auf  diesen  befestigt
waren,  die  weniger  Bemittelten  auch  auf  dem
Dache  untergebracht,  mitunter  sogar,  wie  aus

239.  Klciikinsops  Zahnlmhii,  1812.

der  Scarborough-Whitbybahn,  in  einer  Art  Kiepe,  die  hinten  an  den  Wagen  gehängt  war.
Und  doch,  welchen  Fortschritt  stellten  sie  im  Verkehrswesen  dar!
Die  großen  Vorteile,  die  durch  die  Eisenbahnen  jetzt  für  Handel,  Industrie  und
Landwirtschaft  offenbar  wurden,  schnellten  den  Verkehr  gewaltig  empor.  Immer  weitere
Kreise  bedienten  sich  der  schnellen  Bahnzüge,  die  Ansprüche  an  die  Reisebequemlichkeiten
wurden  gesteigert.  Allmählich  griffen,  oft  auch  nachdrücklichst  unterstützt  durch  behördliche
Vorschriften,  in  der  Bauart  und  Ausstattung  der  Wagen  Verbesserungen  Platz,  die  weiter
gepflegt,  in  der  Neuzeit  zu  den  auch  verwöhnten  Ansprüchen  genügenden  Luxuswagen
—  Schlaf-,  Speise-,  Salon-  und  Krankenwagen  —  geführt  haben.  Der  Güterverkehr,
anfangs  nur  in  roh  gefügten  vierräderigen  Karren  vermittelt,  stellte  gleichfalls  mit  der
Zeit  höhere  Anforderungen  an  die  Transportmittel.  Für  die  wertvolleren,  der  Beschädigung ­
  oder  dem  Verderben  leicht  ausgesetzten  Waren,  namentlich  auch  für  bestimmte
Tiere  wurden  bedeckte  Wagen  gebaut,  die,  was  sanften  Lauf  und  innere  Anordnung  anbetrifft,
ihre  Höchstausbildung  schließlich  in  den  im  Winter  geheizten,  im  Sommer  durch  Eis  gekühlten ­
  Sondergüterwagen,  in  den  innen  ringsum  gepolsterten  Wagen  für  Luxuspferde ­
  u.  s.  w.  gefunden  haben.  Heute  sind  unsere  Viehwagen  teilweise  besser  eingerichtet
und  gewähren  mehr  Schutz  gegen  die  Unbilden  der  Witterung,  als  ein  Teil  der  damaligen
Personenenwagen.  Die  beiden  Hauptgattungen  der  Eisenbahnwagen  —  Personen-  und
Güterwagen  —  sind  in  nachstehendem  getrennt  behandelt.
            
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