Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Lustdruckbremsen. 
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zu der heute weit verbreiteten Schnellbremse vervollkommnet. Aus der Westinghouse- 
Bremse haben Steele und Carpenter ihre Bremsen abgeleitet. Die Carpenterbremse ge 
langte 1882 auf den preußischen Staatsbahnen zur Einführung. Einfach im Bau und 
leicht verständlich für das Bedienungspersonal, hat sie sich für kürzere Züge im allgemeinen 
bewährt. Bei längeren Zügen wirkt sie jedoch zu langsam, da die gesamte Preßluft ans 
der Rohrleitung und einem Teile jedes Bremscylinders abgelassen werden muß, bevor 
die Bremsklötze mit ihrem größten Druck anliegen. — Zahlreiche Versuche in Amerika, 
Baden n. s. w. hatten aber mittlerweile die Überlegenheit der Westinghouse-Schnellbremse 
klargelegt. Die preußische Staatsbahnverwaltung nahm deshalb nach eingehender 
Prüfung im Jahre 1891 diese Bremse an unter endgültiger Beseitigung der Carpenter 
bremse. Die Wirkung der Schnellbremse ist eine außerordentlich schnelle. Bei 20 Wagen 
kommen die Bremsklötze des letzten Wagens bereits in einer Sekunde nach Ingangsetzung 
der Bremse zum Anliegen, bei 50 Wagen, entsprechend einer Zuglänge von 600 ra, nach 
zwei Sekunden. 
Wie bei allen Luftdruckbremsen wird auch hier die Druckluft mittels einer durch 
Dampf getriebenen Luftpumpe auf der Lokomotive erzeugt und in einem an letzterer 
angebrachten, etwa 400 1 großen Hauptluftbehälter auf 
gespeichert (Abb. 264). Außerdem ist das ganze Rohr 
netz am Zuge nebst allen Hilfsluftbehältern damit anf- 
gesüllt. Die Hauptleitung steht an der Lokomotive 
durch ein Bremsventil entweder mit diesem Luftbehälter 
oder mit der freien Luft in Verbindung oder ist endlich 
I. Kupplungs-Schlauch. 
IL Normal-Kupplung. 
EL Hauptrohrleitung. 
TV Cylinderschlauch. 
31. Kugelventil. 
3EL Brems-Cylinder. 
263. Anordnung des Aardy-Arrmsrglinders und der Kuppelung der Aanptlustleitnng an Magen. 
gegen Behälter und Außenluft abgesperrt. In ersterem Falle bleibt die ganze Leitung 
aufgefüllt und die Bremsen sind gelöst, im zweiten Falle entweicht aus ihr Preßluft und 
die Bremsen werden angezogen und zwar je nach der Menge der abgelassenen Luft mit 
größerem oder geringerem Drucke. Eine Verminderung des Leitungsdruckes um etwa 
eine Atmosphäre sichert bereits den stärksten Bremsdruck. Die Bremse ist wie die vorige 
leicht regulierbar, was ja für die Fahrten auf längeren Gefällstrecken wichtig ist. 
Abb. 264 zeigt die allgemeine Anordnung der Westinghouse-Schnellbremse an der Loko 
motive, Abb. 265 diejenige an den Wagen. 
Bei der Luftpumpe bezeichnet A den Dampf-, li den Luftcvlinder. Oben auf A sitzt 
das von der gemeinsamen Kolbenstange beeinflußte Umstcnerventil, das den Kesseldampf ab 
wechselnd über und unter den Dampskolben treten läßt. Mit letzterem bewegt sich gleichzeitig 
der Luftkolben auf und ab, um durch zwei in der Abbildung sichtbare Ventile Luft anzusaugen, 
sie zu verdichten und durch zwei andere Ventile in den Sammelbehälter zu drücken. Beim 
Bremsen tritt Druckluft aus den Hilfslnftbehältern u. s. w. in die Bremschlinder und treibt 
deren Kolben vor, die ihrerseits durch ein Gestänge die Bremsklötze gegen die Räder pressen. 
Beim Lösen der Bremse steuern die Funktionsventile (Abb. 265) um, die Hilfsluftbehälter u.s.w. 
werden wieder mit Drucklust aus dem Hauptbehälter gefüllt, dagegen die Breinscylinder mit 
der Außenluft verbunden und dadurch drnckfrei gemacht. Eine Feder preßt alsdann die 
Bremskolben in ihre Ruhelage zurück. ^ 
Die Schnellbremse gestattet nun eine doppelte Art des Bremsens. Wird durch teilweves 
öffnen des Brcmsventiles Druckluft aus der Leitung ausgelassen, so wird der in den puss- 
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