Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Lustdruckbremsen.

259

zu  der  heute  weit  verbreiteten  Schnellbremse  vervollkommnet.  Aus  der  Westinghouse-Bremse
  haben  Steele  und  Carpenter  ihre  Bremsen  abgeleitet.  Die  Carpenterbremse  gelangte ­
  1882  auf  den  preußischen  Staatsbahnen  zur  Einführung.  Einfach  im  Bau  und
leicht  verständlich  für  das  Bedienungspersonal,  hat  sie  sich  für  kürzere  Züge  im  allgemeinen
bewährt.  Bei  längeren  Zügen  wirkt  sie  jedoch  zu  langsam,  da  die  gesamte  Preßluft  ans
der  Rohrleitung  und  einem  Teile  jedes  Bremscylinders  abgelassen  werden  muß,  bevor
die  Bremsklötze  mit  ihrem  größten  Druck  anliegen.  —  Zahlreiche  Versuche  in  Amerika,
Baden  n.  s.  w.  hatten  aber  mittlerweile  die  Überlegenheit  der  Westinghouse-Schnellbremse
klargelegt.  Die  preußische  Staatsbahnverwaltung  nahm  deshalb  nach  eingehender
Prüfung  im  Jahre  1891  diese  Bremse  an  unter  endgültiger  Beseitigung  der  Carpenterbremse. ­
  Die  Wirkung  der  Schnellbremse  ist  eine  außerordentlich  schnelle.  Bei  20  Wagen
kommen  die  Bremsklötze  des  letzten  Wagens  bereits  in  einer  Sekunde  nach  Ingangsetzung
der  Bremse  zum  Anliegen,  bei  50  Wagen,  entsprechend  einer  Zuglänge  von  600  ra,  nach
zwei  Sekunden.
Wie  bei  allen  Luftdruckbremsen  wird  auch  hier  die  Druckluft  mittels  einer  durch
Dampf  getriebenen  Luftpumpe  auf  der  Lokomotive  erzeugt  und  in  einem  an  letzterer
angebrachten,  etwa  400  1  großen  Hauptluftbehälter  aufgespeichert ­
  (Abb.  264).  Außerdem  ist  das  ganze  Rohrnetz ­
  am  Zuge  nebst  allen  Hilfsluftbehältern  damit  anfgesüllt.
  Die  Hauptleitung  steht  an  der  Lokomotive
durch  ein  Bremsventil  entweder  mit  diesem  Luftbehälter
oder  mit  der  freien  Luft  in  Verbindung  oder  ist  endlich

I.  Kupplungs-Schlauch.
IL  Normal-Kupplung.
EL  Hauptrohrleitung.
TV  Cylinderschlauch.
31.  Kugelventil.
3EL  Brems-Cylinder.

263.  Anordnung  des  Aardy-Arrmsrglinders  und  der  Kuppelung  der  Aanptlustleitnng  an  Magen.

gegen  Behälter  und  Außenluft  abgesperrt.  In  ersterem  Falle  bleibt  die  ganze  Leitung
aufgefüllt  und  die  Bremsen  sind  gelöst,  im  zweiten  Falle  entweicht  aus  ihr  Preßluft  und
die  Bremsen  werden  angezogen  und  zwar  je  nach  der  Menge  der  abgelassenen  Luft  mit
größerem  oder  geringerem  Drucke.  Eine  Verminderung  des  Leitungsdruckes  um  etwa
eine  Atmosphäre  sichert  bereits  den  stärksten  Bremsdruck.  Die  Bremse  ist  wie  die  vorige
leicht  regulierbar,  was  ja  für  die  Fahrten  auf  längeren  Gefällstrecken  wichtig  ist.

Abb.  264  zeigt  die  allgemeine  Anordnung  der  Westinghouse-Schnellbremse  an  der  Lokomotive, ­
  Abb.  265  diejenige  an  den  Wagen.
Bei  der  Luftpumpe  bezeichnet  A  den  Dampf-,  li  den  Luftcvlinder.  Oben  auf  A  sitzt
das  von  der  gemeinsamen  Kolbenstange  beeinflußte  Umstcnerventil,  das  den  Kesseldampf  abwechselnd ­
  über  und  unter  den  Dampskolben  treten  läßt.  Mit  letzterem  bewegt  sich  gleichzeitig
der  Luftkolben  auf  und  ab,  um  durch  zwei  in  der  Abbildung  sichtbare  Ventile  Luft  anzusaugen,
sie  zu  verdichten  und  durch  zwei  andere  Ventile  in  den  Sammelbehälter  zu  drücken.  Beim
Bremsen  tritt  Druckluft  aus  den  Hilfslnftbehältern  u.  s.  w.  in  die  Bremschlinder  und  treibt
deren  Kolben  vor,  die  ihrerseits  durch  ein  Gestänge  die  Bremsklötze  gegen  die  Räder  pressen.
Beim  Lösen  der  Bremse  steuern  die  Funktionsventile  (Abb.  265)  um,  die  Hilfsluftbehälter  u.s.w.
werden  wieder  mit  Drucklust  aus  dem  Hauptbehälter  gefüllt,  dagegen  die  Breinscylinder  mit
der  Außenluft  verbunden  und  dadurch  drnckfrei  gemacht.  Eine  Feder  preßt  alsdann  die
Bremskolben  in  ihre  Ruhelage  zurück.  ^
Die  Schnellbremse  gestattet  nun  eine  doppelte  Art  des  Bremsens.  Wird  durch  teilweves
öffnen  des  Brcmsventiles  Druckluft  aus  der  Leitung  ausgelassen,  so  wird  der  in  den  puss-33*

            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.