Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Verschiedenartige Benutzung der Läutewerke. 281 
strom betrieben. Da wo verschiedene Bahnlinien nebeneinander herlaufen, werden die 
benachbarten Läutewerke mit ein-, zwei- oder dreifachen Glocken ausgestattet, so daß ihre 
Glockenschläge (Ein- oder Mehrklang) deutlich zu unterscheiden sind (Abb. 290). 
In Deutschland werden jetzt mit dieser Vorrichtung folgende vier Signale gegeben: 
1. der Zug fährt von X nach Y: einmal n Glockenschläge; 2. der Zug fährt von Y nach X: 
zweimal n Glockenschläge; 3. die Bahn ioird bis zum nächsten fahrplanmäßigen Zuge nicht 
mehr befahren: dreimal n Glockenschläge; 4. etwas Außergewöhnliches ist zu erwarten: 
sechsmal n Glockenschläge, n bedeutet eine bestimmte Zahl, gewöhnlich fünf bis sechs. 
1. und 2. heißen Abmeldesignal, 3. und 4. Ruhe- bezw. Gefahr- oder Alarmsignal. 
Durch 3. wird auf Bahnen mit längeren Nachtpausen die Beendigung des Dienstes an 
gezeigt, damit die Wärter ihre Posten verlassen können, desgleichen der Ausfall eines bereits 
signalisierten Zuges; 4. wird z. B. bei Zugtrennungen gegeben, wenn Wagen von einer 
Station fortgerollt sind oder ein Zug das falsche Gleis befahren soll. Die vier Signale 
können auch mit dem Horn gegeben werden. 
Die Läutewerkseiurichtung findet noch in anderer Richtung eine höchst nützliche Ver 
wendung. Da die schwachen, zum Telegraphieren benutzten Ströme die Auslösung nicht 
beeinflussen, so kann man nach dem etwa Mitte der 60er Jahre gemachten Vorschlage 
von Frischen, dem verdienst 
vollen Oberingcnieur von Sie 
mens & Halste in Berlin, die 
Drahtleitung der Läutewerke zum 
—■ Telegraphieren benutzen, so 
bald ein Läutesignal nicht ge 
geben wird. Um aber die Fern 
schreiber durch die starken Jn- 
duktionsströme nicht beschädigen 
zu lassen, liegen sie in der Regel 
ausgeschaltet. Sie sind bei Ge 
brauch durch Treten auf ein Pedal 
leicht und schnell einzuschalten. Igpj 
Die Leitung kann natürlich wegen 
ihvks Areisschlusses zwischen zwei 291. Nliriverlr der Jikb. 290 nek|l Ailfsstgiilltscheikrii 
Nachbarbahnhöfen nur zum rum Signalisieren von der Strecke uns. 
Depeschenwechsel zwischen diesen 
beiden Orten benutzt werden. Das ist aber hier gerade von Vorteil, denn dadurch 
werden nicht nur die Hauptleitungen*) entlastet, sondern es sind auch die beiden Stationen 
jederzeit in der Lage, sich einander Meldungen zu machen, ohne auf andere etwa 
depeschierende Stationen Ivarteu zu müssen. Die Bahnverwaltungen endlich ersparen 
hierdurch namhafte Summen für eine besondere Leitung, die für größere Eisenbahngebiete 
sehr beträchtlich sind. Die Läutewerke können auch zum Signalisieren von der Strecke 
aus bei Unglücksfällen u. s. w. vorteilhaft benutzt werden. Zu dem Zwecke werden sie mit 
einer Anzahl verschieden gezahnter Scheiben ausgerüstet, die je nach Bedarf auf eine be 
stimmte Achse des Uhrwerks gesteckt iverden. Abb. 291 zeigt 6 solcher Scheibenfvrmen 
nebst ihren Anschriften, desgl. das Uhrwerk mit aufgesteckter Scheibe. Die Verzahnung 
des Scheibenumfanges stellt nach dem Morse-Alphabet die Nummer der betreffenden 
*) Auf gut eiugerichtetcu Hauptbahnen sind folgende Telegraphenleitungen vorhanden: 
1. Läutewerkslcitungcn. 2. Blockleitungen zum Betriebe der Blockwerke (S. 310). 3. Lokallcitungen, 
an die jede Station des Bezirkes durch Fernschreiber angeschlossen ist. 4. Fernleitungen für 
Hauptbahnhüfe; nur letztere sind angeschlossen. 5. Nebenlcitungen für besondere Zwecke (Blocken 
der Stellwerke, Radtaster, Drchbrückcnsignale, Fernsprecher u. s. w.). Die Lokallcitungen dienen 
zugleich zur Weitergabe des Uhrensignales, nach welchem alle Stationsuhren eurer Verwaltung 
einheitlich gestellt werden. Aus den preußischen Staatsbahnen wird dieses Signal jeden wcorg 
Punkt 8 Uhr von Berlin (Schlesischer Bahnhof) mittels einer besonderen Vornchtung samluwen 
Stationen zugesandt. Letztere werden zu dem Zwecke kurz vor 8 Uhr mit Beilui 
Auch zahlreiche andere deutsche Bahnen empfangen dieses Berliner Signal. ^ ^
	        
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