Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

300  Eisenbahn-Signalwesen:  Verschlußtafel  und  Gleisplan.

Derartige  Anlagen  finden  sich  mit  insgesamt  926  Weichen-  und  Signalantrieben  in
Berlin,  Karthans,  Dresden,  Untertürkheim  bei  Stuttgart  (großer  Verschubbahnhof  mit
146  Weichen-  und  28  Signal-Antrieben),  in  Österreich  u.  s.  w.
Wie  ordnet  man  nun  aber  das  Stellwerk  an,  damit  es  in  der  geschilderten  vielseitigen ­
  und  sinnreichen  Weise  auch  wirken  kann,  den  heranbrausenden  Zug  zu  jeder  Zeit
sicher  durch  die  zahlreichen  Gleisverästelnngen  leitet,  alle  Gefahrenthore  des  Bahnhofs
gegen  seine  Fahrstraße  sperrt  und  den  Menschen  sogar  zur  richtigen  Thätigkeit  hierbei
zwingt?  Nun,  der  Eisenbahn-Ingenieur  stellt  zunächst  auf  Grund  der  früher  genannten,
für  die  Station  festgesetzten  Fahrordnung  und
des  Gleisplans  eine  sogenannte  Verschlußtafel ­
  auf.  Ans  dieser  ist  ersichtlich,  welche
Weichen  und  Signale  für  die  einzelnen  Fahrstraßen ­
  in  Frage  kommen,  und  welche  Verschlüsse ­
  u.  s.  >v.  zur  Sicherung  der  Zuggleise
erforderlich  sind.  Dieser  Übersicht  entsprechend
arbeitet  dann  die  betreffende  Maschinenfabrik
die  Bauzeichnung  aus,  entwirft  vor  allem  die
Querstücke  der  Stellwerkshebel  mit  ihren  Einschnitten ­
  oder  Vorsprüngen  u.  s.  w.,  ihren  Schubriegeln ­
  u.  s.  w.  und  führt  endlich  danach  den
Bau  aus.
Abb.  306  zeigt  eine  solche  Verschlußtafel,
Abb.  307  den  zugehörigen  Gleisplan  für  eine
Station,  deren  Gleise  und  Signale  durch  zwei
Stellwerke  bedient  werden.  Die  zu  ihrem  Verständnis ­
  notwendigen  Erläuterungen  sind  im
nachstehenden  gegeben,  und  daraus  wird  sich
auch  der  Laie  ein  Bild  von  den  Vorgängen  im
Betriebe  eines  Bahnhofs  machen  können-Die
  Darstellungsweise  beider  Abb.  ist  die,
wie  sie  für  die  preußischen  Staatsbahnen  vorgeschriebe» ­
  ist.  Hiernach  sind  die  Weichen  eines
Stellwerksbezirks  durchlaufend  zu  numerieren,
die  Kreuzungsweichen  außerdem  noch  mit  den
Buchstaben  a  bis  d  zu  versehen.  Gleisplan
und  Verschlußtafel  müssen  hierin  genau  übereinstimmen

Gleisplau.  1.  Die  Grundstellung  einer
Weiche,  das  ist  diejenige,  in  welcher  die  letztere
am  wenigsten  oft  umgestellt  zu  werden  braucht,
wird  durch  ein  +  aus  der  Seite  desjenigen
Gleises  angedeutet,  welches  bei  der  Grundstellung ­
  für  die  Durchfahrt  geöffnet  ist.  Abb.  308
bis  310  zeigen  drei  Beispiele  hierfür.
In  Abb.  310  kann  der  gerade  Strang  rn  n
befahren  werden,  während  gleichzeitig  die  beiden
Zweige  des  anderen  geraden  Gleises  von  m  u
abweisen;  Gleis  o  zeigt  auf  den  unteren  krummen  Strang,  Gleis  j>  auf  den  oberen.  Die
Weichenzungen  sind  hier  an  jedem  Ende  der  Kreuzung  paarweise  gekuppelt.  Wird  z.  B.  der
Hebel  auf  Seite  »  gezogen,  so  kann  ein  Zug  von  n  nach  o  fahren.  Durch  diese  Kuppelung
ergibt  sich  eine  bessere  Ausnutzung  des  Gleisplancs  der  Abb.  307.  Man  kuppelt  in  anderen
Fällen  auch  so,  daß  entweder  beide  geraden  Gleise  befahrbar  sind,  oder  beide  gekrümmten.
2.  Die  Signalmasten  werden  in  einfachen  Linien  in  der  Haltstellung  der  Flügel,  das  ist
hier  die  Grundstellung,  dargestellt.  Die  bei  der  Haltstellung  senkrecht  stehenden  Signalarme
2  oder  3  flügeliger  Masten  werden  ans  derjenigen  Seite  neben  dem  Maste  eingezeichnet,  nach
welcher  hin  sie  sich  beim  Geben  des  Fahrsiguals  bewegen  (Abb.  311).  Jeder  Signalmast  wird
mit  einem  großen  lateinischen  Buchstaben  bezeichnet.  Bei  mehrflügeligcu  Masten  wird  den
einzelnen  Flügeln  (von  oben  nach  unten  gezählt»  die  Ziffer  1,  2  oder  3  beigefügt.
3.  Die  durch  die  Fahrordnung  festgesetzten  Wege  der  ein-  und  ausfahrenden  Züge  werden
an  den  Gleislinien  kenntlich  gemacht  und  zwar  durch  Pfeilspitzen  sowie  Buchstaben,  welche  den
Zeichen  der  zugehörigen  Signale  entsprechen.  Die  Signale  mehrflügeligcr  Masten  werden
durch  die  Kennziffern  1,  2  bezw.  1,  2,  3  neben  den  großen  Buchstaben  unterschieden.

305.  Elektrischer  Signalantrieb.
            
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