Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

338 Besondere Eisenbahnen. 
Wagen werden am Ende des 1. Seiles von diesem losgekuppelt, laufen vermöge ihres Be 
harrungsvermögens auf das 2. Seil über und werden dann mit diesem verbunden. Das 
An- und Loskuppeln vollzieht sich schnell und mit Leichtigkeit. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt 
12 kw/St. und mehr. Die Seile halten etwa 9 bis 12 Monate. Die Anlagekosten sind er 
heblich und belaufen sich durchschnittlich auf rund 130 000 für das km. Die elektrischen 
Straßenbahnen mit oberirdischer Zuleitung stellen sich wesentlich billiger im Bau, dabei ein 
facher in der Unterhaltung, weshalb sie auch die Kabelbahnen aus den meisten übrigen Städten, 
wie erwähnt, verdrängt haben. 
In den 60er und folgenden Jahren bemühte sich der Ingenieur Agudio lebhaft 
um die Einführung der nach ihm benannten Seilebene. Hier dient ein endloses, über 
Rollen geführtes und durch eine feststehende Kraftmaschine bewegtes Seil dazu, 2 Zahn 
räder eines besonderen, mit großen Rollenscheiben ausgestatteten Treibwagens — Loko- 
335. Wiadukt der Erütschalpbnhil tat Lauterbrunnrn. 
Nach einer Ausnahme der Gesellschaft „Photoglob" in Zürich. 
motor genannt — anzutreiben. Dieser schiebt dann seinerseits den Wagenzug die Steil 
rampe hinauf, wobei er mittels der Zahnräder an einer inmitten des Gleises verlegten 
Zahnstange emporklettert. Durch eine Reibungskuppelung läßt sich der Treibwagen nach 
Bedarf mit dem Zugseile kuppeln, so daß der Zug unabhängig vom Gange der Betriebs 
maschine durch den Führer beliebig angefahren und angehalten werden kann. Die Seil 
geschwindigkeit ist wesentlich größer als die Fahrgeschwindigkeit des Wagens, weshalb das 
Seil hier leichter im Gewicht und biegsamer ausfällt, als bei den vorerörterten beiden 
Seilbahnarten. Seine Bewegungswiderstände sind daher geringer, und es lassen sich auch 
schärfere Gleisbögen anlegen als bei den letzteren. Die erste Seilebene dieser Art wurde 
versuchsweise 1864 auf der mit ungünstigen Steigungen erbauten Bahnlinie Turin-Genua 
in 2,4 km Länge eingerichtet. Hier war noch statt der Zahnstange ein am oberen Rampen 
ende verankertes und unten gespanntes „Leitseil" benutzt, das sich um die Rollen des 
Lokomotors schlang und an welchem sich dieser mittels der durch das endlose Treibseil 
zugeführten Betriebskraft hinaufarbeiten mußte. Diese Anordnung hatte große Ähnlich-
	        
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