Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

378  Eisenbahnen:  Stadtbahnen.
in  der  Abb.  385  gezeichneten  Einzelstütze  wird  die  Fahrbahn  über  der  Wupper  von
je  2  schräg  gestellten  Gitterstreben  (Abb.  386  u.  387)  getragen,  dagegen  über  der  Fahrstraße ­
  von  portalartigen,  in  den  Bürgersteigen  lagernden  Stützen.  Alle  200  bis  300  in
sind  unverrückbare  Eisenjoche  aufgestellt,  welche  den  Längsschnb  der  Bahn  aufzunehmen
haben,  während  die  vorgenannten  in  etwa  30  in  Abstand  errichteten  Zwischenstützen  den
durch  die  Wärmeänderungen  veranlaßten  Längenverschiebnngen  nachgeben  müssen  und
deshalb  als  Pendelstützen  ausgebildet  sind.  Dem  entsprechend  besitzt  die  Gleisbahn  in
der  Mitte  zwischen  je  zwei  festen  Jochen  eine  Ansgleichstelle.  Die  Bahnlinie  berührt
20  Stationen,  was  einen  durchschnittlichen  Stationsabstand  von  700  irr  ergibt.  Die
Treppen  sind  wegen  der  tiefen  Lage  des  Wagenfußbodens  meist  nur  4 1 / 2  m  hoch.
Die  Züge  bestehen  ans  2  Wagen  mit  50  Plätzen.  Jeder  Wagen  hängt  an  2  Drehgestellen, ­
  in  deren  hakenförmigen  Tragarmen  die  Drehzapfen  sitzen,  so  daß  die  Räder  sich
leicht  in  den  Gleisbögen  nach  deren  Mittelpunkt  einstellen  können.  Sämtliche  4  Räder
jedes  Drehgestells  werden  durch  einen  Elektromotor  angetrieben.  Der  Strom  von  500  Volt
Spannung  wird  mittels  Schleifkontakte  der  Arbeitsleitung  entnommen.  Die  größte  Fahrgeschwindigkeit ­
  ist  vorläufig  auf  40  km  in  der  Stunde  festgesetzt  und  wird  nach  Angabe
der  Bahngesellschast  in  etwa  15  Sekunden  nach  Abfahrt  erreicht.  Die  durchschnittliche
Reisegeschwindigkeit  (Aufenthalte  eingerechnet)  wird  hiernach  etwa  30  km  in  der  Stunde
betragen.  Die  Gesellschaft  hofft,  beide  Geschwindigkeitswerte  später  um  je  10  km  erhöhen
zu  können,  um  den  Vorteil  des  rascheren  Anfahrens,  den  der  elektrische  Betrieb  gegenüber
dem  Dampfbetrieb  besitzt,  voll  ausnutzen  zu  können.
Die  Stationssignale  werden  in  ganz  ähnlicher  Weise  wie  auf  der  Budapester  Untergrundbahn ­
  (S.  369)  selbstthätig  durch  die  Wagen  gestellt.
Die  Gleise  laufen  an  den  Endpunkten  mittels  einer  Rückkehrschleife  von  nur  8  m
Halbmesser  ineinander  über,  so  daß  die  Wagen  nicht  gedreht  zu  werden  brauchen.  Die
gesamten  Aulagekosteu  einschließlich  Ausrüstung  stellen  sich  etwa  auf  700  000  Mark  für
1  Km,  sind  also  wesentlich  geringer  als  die  der  früher  besprochenen  Stadtbahnen.  Die
Langensche  Schwebebahn  ist  ohne  Frage  eine  der  eigenartigsten  Ausführungen.  Auf
anmutige  Wirkung  in  ihrer  äußeren  Erscheinung  kann  sie  allerdings  ebensowenig  Anspruch ­
  erheben  wie  alle  anderen  Hochbahnen,  wenngleich  sie  noch  eins  der  verhältnismäßig ­
  schmälsten  und  durchsichtigsten  Trägergerüste  ausweist.  Außer  der  Elberfelder
Schwebebahn  ist  zur  Zeit  noch  eine  kleine  zweigleisige  Bergbahn  mit  Seilbetrieb  in  Loschwitz
  bei  Dresden  im  Bau.  Ihre  Länge  beträgt  250  m,  die  Höheuersteiguug  rund  80  m.
Auch  für  Zahnschwebebahnen,  Feldbahnen  sowie  namentlich  für  Schnellbahnen  zwischen
großen  Städten  plant  die  Schwebebahn-Gesellschaft  (Nürnberg)  ihre  Bauart,  die  zweifellos ­
  ein  sehr  beachtenswertes  Glied  in  der  Entwickelung  des  Eisenbahnwesens  bildet.
*  *
-l-Hiermit
  seien  die  Betrachtungen  über  das  Eisenbahnwesen  geschlossen.  Der  Leser
wird  aus  ihnen  erkennen,  wie  ungemein  vielseitig  sich  die  Ausbildung  dieses  einflußreichen ­
  Kulturmittels  im  Laufe  noch  nicht  eines  Jahrhunderts  gestaltet  hat.  Lokomotive  und
Schiene  haben  durch  alle  Erdteile  ihren  glänzenden  Siegeszug  gehalten,  haben  der  Menschheit ­
  gewaltige  Dienste  geleistet  und  ihr  segensreichen  Nutzen  nach  den  verschiedensten
Richtungen  gebracht.  In  ungeschwächter  Bedeutung  gilt  daher  auch  heute  noch  das  Wort
Buckles:
„Die  Lokomotive  hat  mehr  gethan,  die  Menschen  zu  vereinen,  als  alle
Philosophen,  Dichter  und  Propheten  vor  ihr,  seit  Beginn  der  Welt."  —
            
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