395
Firth of Forth-Brücke.
Um das durch den Firth of Forth von altersher gebildete Verkehrshindernis zu
beseitigen, wurde das mächtige neue Brückenbauwerk, das mit Recht unter die Weltwunder
gezählt werden könnte, erbaut.
Der Einsturz der Taybrücke, die durch einen der überaus heftigen Stürme an der
schottischen Küste zu Falle kam, bewirkte, daß ein bereits in der Ausführung begriffenes
Brückenprojekt wieder aufgegeben und ein von den Ingenieuren John Fowler und
Benjamin Baker ausgearbeiteter Entwurf dem Baue zu Grunde gelegt wurde. Abb. 407
gibt ein anschauliches Bild von dem bei diesem modernen Riesenbau angewandten Kon-
struktivnsprinzip. Die beiden sitzenden Personen stellen die Pfeiler dar, von welchen nach
beiden Seiten durch die Arme und je einen stärkeren Stock dreieckige Auskragungen ge
bildet werden. Die zwischen den beiden Pfeilern resp. Männern vorhandenen Auskragungs
punkte können zur Ausführung einer Mittelkonstruktion benutzt werden, die in der Ab-
407, Lebendes Modell der Foethbrüriic. Nach Engineering,
Bildung durch einen U-förmigen Konstruktionsteil veranschaulicht ist, welcher der dritten
Person als Sitz dient. Um jedoch das ganze System bei einer solchen Belastung im
^Eichgewichte halten zu können, wird es erforderlich, die frei auskragenden Punkte an
den beiden äußeren Seiten entsprechend zu belasten, was durch die senkrecht aufgehängten
Mauersteine geschieht. Wie man leicht einsieht, tritt in den Armen der beiden außen
atzenden Männer Zug ein, während die nach unten gerichteten Eisenteile gedrückt werden
h. Druck erhalten). Während ein gezogener Teil nur so stark gemacht zu werden
taucht, daß er mit Sicherheit der auftretenden Kraft zu widerstehen vermag, d. h. nicht
Griffen wird, muß ein Brückenteil, der Druck erhält, so stark sein, daß er hierdurch nicht
Zusammengedrückt wird, d. h. er muß genügende Steifigkeit besitzen. Das Doppelblatt
deutlich erkennen, welche Teile der Brücke Zug, welche Druck erhalten. Die letzteren
^sile zeigen ausnahmslos einen röhrenförmigen Querschnitt. Die Spannweiten der
Heiden Mittelöffuungen der Forthbrücke betragen 521 in, die Länge der gesamten aus
Öffnungen bestehenden Brücke ist 2468 in. Die Fahrbahn ist so hoch angeordnet
worden, daß die Seeschiffe mit ihren Masten ungehindert passieren können, die Höhe
beträgt 51 in. Die Türme haben eine Höhe von 100 m über den Stützpunkten, -vie
Pfeiler mußten zum Teil im tiefen Wasser fundiert werden, was mit Hilfe sogenannter