Object: Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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diesen Einnahmen der Zuhälter müssen ferner ihre „Geschäftsspesen", 
ihre Ausgaben für Getränke, Zigarren, Droschken usw. geschlagen 
werden. „Alle Mädchen der Friedrichstraße," so äußert sich Hans 
Oswald in seiner Schrift „Das Zuhältertum in Berlin" (Großstadt- 
Dokumente Band 5) „leben auf größerem Fuße — und ebenso der 
Zuhälter. Ihre Lebenshaltung bewegt sich in der Linie des mit 
reichlichem Einkommen gesegneten Mittelstandes der Großstadt. Im 
Scheunenviertel aber leben die Zuhälter etwa wie ein besser gestellter 
Arheiter. Ebenso im Osten Berlins und im Südosten. Unter diese 
Lebenshaltung herunter gehen'eigentlich nur die Kanalbrüder, eine 
Art Pennbrüder, die es mit den Schiffsdirnen halten." 
Den sich über die großstädtische Prostitution ergießenden Gold 
regen leiten zahllose parasitische Elemente in die eigene Tasche Die 
Prostituierte wird in der heutigen Gesellschaft nicht nur entseelt, 
sondern ihr entseelter Körper hat noch ganze Schwärme sozialer 
Schmeißfliegen zu ernähren. 
Der sich an die Prostitution knüpfende menschenmörderische 
Fluch spricht sich aber noch nicht erschöpfend' in all den Riesensummen 
aus, die das Dirnenheer mit ihrem schmarotzerischen Anhang ver 
schlingt. Vom Freudenhaus bis zum Krankenhaus ist nur ein Schritt. 
Nicht fern von den gleißenden Herrlichkeiten der Friedrichstraße 
Berlins taucht der graue unheimliche Riesenbau der Charite auf, 
in den die Trümmerstücke von dem brausenden Ozean feiler Liebes 
freuden hineintreiben. 
Es ist unmöglich, auch nur in ganz großen Ziffern den Geides 
wert des durch die Prostitution verursachten sozialen Unheils zu 
bestimmen. Und doch wollen wir wenigstens eine ungefähre Vor 
stellung von den ungeheuren materiellen Schäden, die heute die 
Prostitution verschuldet, in dem Leser erwecken. 
In der Klassenwelt des Dirnentums figuriert eine Gruppe 
von Dirnen, die aus dem schamlosen Fleischmarkt der eleganten 
Ballsüle 60—100 Mark für den Verkauf ihres Leibes lösen. 
Köpfereich sind dann die Schichten der Halbwelt, die allein für ihre 
Wohnung und ihren Lebensunterhalt 10—12 Mark täglich zahlen 
müssen. Die Namen von über 4000 Prostituierten sind allein in den 
Büchern der Sittenpolizei von Berlin eingezeichnet. Verdient nun 
jede dieser Prostituierten nur 5 Mark täglich, so streichen alljährlich 
die 4000 Prostituierten schon 7,3 Millionen Mark ein. Auf 30 000 
bis 50 000 wird diö wimmelnde Armee der geheimen Prostitution 
Berlins geschäht. Doch schreiben wir von der Ziffer der 50 000 
Dirnen sofort 30 000 ab, so haben wir immer noch einen Heerhaufen 
von 20 000 Prostituierten, der alljährlich schon über 7 Millionen 
Mark verschlingt, wenn nur jede dieser 20 000 Dirnen aus der 
schnöden Verschacherung ihrer Person 1 Mark täglich gewinnt. 
Man wird vielleicht nicht bei der Kalkulation der Geldopfer, die 
alljährlich die Prostitution Berlins fordert, fehlgehen, wenn inan 
die schon berechnete Summe von 14,3 Millionen verdoppelt und
	        
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