Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Schiffahrtskanäle  in  Frankreich  und  Deutschland.  481

Auf  diesem  Wasserstraßennetz  sind  im  Jahre  1893  25504330  t  Güter  verfrachtet  worden,
wovon  auf  Kanäle  14816607  t  entfallen.
Die  lebhaftesten  Kanal-  und  Flußstrecken  sind  die  folgenden:

1.  Kanalstrecken:
St.  Quentinkanal  4  698  451  t
Haute-Deülekanal  und  Zweigkanal  4  626174  „
Seitenkanal  der  Oise  3  818  333  „
Airekanal  und  Zweigkanäle  2  909  072  „
Marne-Rheinkanal  und  Zweigkanäle  2  588  278  „
Senseekanal  2  578  477  „
2.  Flußstreckeu:
Seine  innerhalb  Paris  4  834  840  „
Seine  von  der  Grenze  des  Seine-Marne-  und  des  Seine-Oise-Departements
  bis  Paris  3  856  980  „
Seine  unterhalb  Paris  3  003  189  „
Kanalisierte  Oise  2  823  026  „
Scarpe,  von  Courchelettes  bis  Fort  de  Scarpe  2  748  885  „
Der  Binncnschiffahrtsverkehr  Frankreichs  in  Bezug  ans  dessen  Nachbarländer  gestaltete
sich  folgendermaßen:
Belgien  Deutschland  zusammen
Einfuhr  von  1  850  823  t  319  873  t  2170  696  t
Ausfuhr  nach  766  633  „  345160  „  1111  803  „
zusammen:  2  617  456  t  665  043  t  3282  499  t

In  diesem  internationalen  Handelsverkehr  spielt  die  Kohle  für  die  Einfuhr  die  Hauptrolle.
Von  Interesse  sind  die  das  Verhältnis  der  Wasserstraßen  zu  den  Eisenbahnen  illustrierenden ­
  Zahlen.

Jahr

Länge  des  im  Betrieb
stehenden  Netzes  in  1cm

Gesamtgiiterverlehr  tn
Tausenden  von
Tonnenkilometern

Durchschnittsverkehr  auf
einen  Wegkilometer

Eisenbahnen

Wasserstraßen

Eisenbahnen

Wasserstraßen

Eisenbahnen

Wasserstraßen

1882

25  670

12  230

10  984  607

2  264  586

445  818

185166

1886

30  696

12  403

9  314  346

2  798  461

303  438

225  628

1890

33  285

12  372

11  867  725

3  216  073

355  885

259  948

1893

35  360

12  323

12  274  177

3  603  663

347  219

292  433

Was  den  Kanalbau  in  Deutschland  anbetrifft,  so  waren  bis  in  die  Mitte  des
18.  Jahrhunderts  Schiffahrtskanäle  nur  in  einem  sehr  bescheidenen  Umfange  zur  Ausführung ­
  gekommen.  Zu  nennen  sind  außer  dem  schon  oben  erwähnten  Stecknitzkanal  und
dem  Alstcrkanal,  der  Kanal  zwischen  der  Oder  und  Spree,  sowie  die  Schlensenanlagen  der
Saale  und  der  Weser  bei  Hameln.  Dieser  im  Vergleiche  mit  anderen  Staaten,  insbesondere ­
  mit  Frankreich  unbedeutende  Umfang  des  früheren  Kanalnetzes  muß  einerseits
auf  die  Zerstückelung  des  Deutschen  Reichs  in  politischer  Hinsicht  und  ans  den  früher
herrschend  gewesenen  Partikularismus  zurückgeführt  werden,  anderseits  fehlte  die  Erkenntnis ­
  der  hohen  wirtschaftlichen  Bedeutung  künstlicher  Wasserstraßen.  Nur  langsam
trat  ein  Umschwung  in  diesen  traurigen  Verhältnissen  ein.
In  Preußen  reichen  die  Bemühungen  zur  Schaffung  eines  Kanals  bis  zu  den  Zeiten
des  Kurfürsten  Joachim  II.  zurück.  Dieser  Fürst  verabredete  mit  Kaiser  Ferdinand  1.  im
Jahre  1558  zu  Frankfurt  a  M.  die  Grabung  eines  Kanals  von  der  Spree  nach  der  Oder.
Laut  eines  Vergleiches  wollte  der  Kaiser  die  Wasserstraßen,  soweit  seine  Herrschaft  reichte,
bauen  lassen,  d.  h.  von  der  Spree  bis  zur  Müllroser  Brücke,  von  hier  ab  hatte  der  Kurfürst
die  Fortsetzung  bis  zur  Oder  übernommen.  Die  Bauausführung  wurde  seitens  Ferdinands
auch  thatsächlich  begonnen,  über  das  Anfangsstadium  scheint  dieser  Graben  jedoch  nicht
hinansgekommen  zu  sein.  Erst  ein  Jahrhundert  später  wurde  die  Herstellung  dieser  künstlichen ­
  Wasserverbindnng  wieder  aufgenommen,  und  zwar  war  es  der  Große  Kurfürst,
Friedrich  Wilhelm,  der  die  Arbeit  im  Jahre  1662  unter  Leitung  des  kurfürstlichen  Gcncral-Quartiermeisters
  und  Hanptmanns  zu  Biegen,  Philipp  de  Chiesc,  beginnen  ließ.  Anfang ­
  1668  war  das  Werk  vollendet.  Mit  der  Durchfahrt  wurde  1669  der  Anfang  gemacht,
nachdem  zuvor  von  seiten  des  Kurfürsten  den  Kaufleuten  zu  Breslau  und  Hamburg  die
Zusicherung  gegeben  war,  daß  außer  den  bestehenden  Zöllen  zu  Müllrose,  Fürstcnwalde  und
Berlin  keine  neuen  Auflagen  gemacht  werden  sollten.  Da  sich  die  hölzernen  Schleusen  nicht
als  haltbar  genug  erwiesen,  begann  man  1699  dieselben  durch  steinerne  zn  ersetzen.
IX  61
            
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