Kaiser Wilhelm-Kanal. 507
Hu tragen, die sonst in dem nicht tragfähigen Untergrund den Sanddämmen gleich ver
sunken wären. Es wurden nahezu 2 000 000 cbm Sand in solche Sanddämme verbaut.
Den großartigsten Eindruck machen auf den Kanalbesucher die beiden Hochbrücken
bei Grünenthal und Levensau, die den Kanal in einem einzigen Bogen von 156,5 und
163,5 m überspannen und der Überführung der Eisenbahnen von Neumünster nach Heide
und von Kiel nach Flensburg und zugleich dem Straßenverkehr dienen. Um die lichte
Höhe von 42 m über dem Wasserspiegel zu gewinnen, den die Kriegsschiffe und großen
Segelschiffe zu ihrer Durchfahrt brauchen, wobei sie aber immer noch die Oberbramstange
streichen müssen, mußten auf den hohen Ufern noch gewaltige Dämme angeschüttet werden.
Beide Brücken, die Grünenthaler mit ihrem leichteren eingleisigen Überbau und den durch
brochenen Widerlagern, die zweigleisige Levensauerbrücke mit der mehr geschlossenen
Erscheinung des Eisenwerkes und den entsprechend massiveren Widerlagern, die hier wie
501. KpilUmggcr mit tmgespiUttm Kanddamm.
dort als einzigen Schmuck den Reichsadler tragen und sonst ganz einfach gehalten sind,
stellen sich von der Ferne und in der Nähe gesehen gleich vorteilhaft dar, und es wäre
schwer zu sagen, welcher von beiden in der äußeren Erscheinung der Vorzug gebührt.
Nicht geringere Leistungen der Technik, wenngleich für das Auge weniger be
friedigende Erscheinungen, sind die Drehbrücken und zwar die Drehbrücke bei Taterpfahl
zur Überführung der Bahn von Itzehoe nach Heide, die Straßendrehbrücke bei Rendsburg
zur Überführung der Landstraße von Itzehoe nach Rendsburg und die zwei Eisenbahn
drehbrücken bei Westerrönfeld zur Überführung der zweigleisigen Bahn Neumünster-
Rendsbnrg. Diese Drehbrücken überspannen den Kanal mit einer Öffnung von 50 m
Lichtweite und werden durch Druckwasser bewegt, und es macht einen großartigen Eindruck,
die 50 irr langen Arme wie von Zauberkraft bewegt zu sehen, da von der bewegenden
Kraft gar nichts wahrzunehmen ist. Das Druckwasser wird in am Ufer befindlichen
Maschinenstationen erzeugt. Die Pfeiler der Brücken sind mittels Druckluftverfahren
gegründet. Durch mit den Brücken in Abhängigkeit gebrachte Signale wird sowohl den
Schiffen, wie den Bahnzügen die Stellung der Brücke von weitem angezeigt. Während
die Eisenbahnbrücken stets geöffnet sind und erst vor der Überfahrt eines Zuges geschlossen