517
Seehäfen des Altertums.
scheinlich das schöne hier abgebildete Meerschloß (Abb. 506), das leider im Jahre 1840
durch das Bombardement der englisch-österreichischen Flotte zerstört wurde. Der antike
Hafen, zu dessen Schutz die Phönizier mächtige Molen errichtet hatten, ist durch den ein
gebrachten Schutt unbrauchbar geworden. Die Eifersucht und der Neid spornten die Römer
an, der Herrlichkeit Karthagos ein jähes Ende zu bereiten.
Von bescheidenen Hafenanlagen berichtet die älteste Geschichte Griechenlands. Zu
Pylos und Methone finden wir heute noch die unbedeutenden Überreste der einstigen
künstlichen Häfen. In den kleinasiatischen Kolonien entstanden die ersten bedeutenderen
griechischen Hafenbauten, und stattlich wurde nach und nach die Zahl der griechischen
Seestädte, von welchen sich eine nicht geringe Anzahl eines großen Ruhmes erfreute,
es sei hier nur an Ephesos, Samos, Rhodos, Knidos, an Cyzicus, Heraklea, Siuope,
Trapezus und auf Sizilien an Syrakus erinnert. In Griechenland selbst entstanden
die bedeutendsten Hafenanlagen im Piräus, woselbst sich die Kriegs- und Handelshäfen
Athens befanden. Von dem Handelshafen war ein Teil als Emporium abgegrenzt. Man
verstand hierunter einen abgegrenzten Hafenteil, in dem der Seehandel mit fremden
Nationen und die Einfuhr ausländischer Handelswaren gestattet war. Hier standen das
Hafen- und Zollamt, die Börse, das Handelsgericht, hier lagen die Kanfstellen und Entrepvts,
die Gasthäuser, Herbergen, Kaufläden und andere Anstalten, die zur Erleichterung des
Handels und für die Bequemlichkeit der Seefahrer bestimmt waren. Die athenischen
Kriegshäfen bildeten in erster Linie die Hafenbecken Zea und Munychia im Piräus. Hier
befanden sich die zahlreichen Schiffshäuser, in welchen die Kriegsschiffe aufbewahrt wurden,
und hier stand das viel bewunderte Zeughaus des Philon, das auf Sullas Befehl, wie
auch alle Schiffshäuser, der Vernichtung durch Feuer anheimfiel (86 v. Chr.).
Bon den durch griechischen Einfluß in späterer Zeit entstandenen Hafenanlagen sind
besonders Alexandria und Selencia Pieria, das Emporium der orientalischen Prachtstadt
Antiochia am Orontes, zu nennen. Infolge der ungünstigen Wind- und Stromverhältnisse
war die Einfahrt in den großen Hafen von Alexandria nicht immer leicht, und um dieselbe
bei Nacht weniger gefahrvoll zu gestalten, wurde auf der Insel Pharus ein mächtiger
Leuchtturm errichtet. Dieser Bau, der von dem Baumeister Sostratus, dem Sohne des
Texiphanes, errichtet war. wurde zu den Weltwundern gerechnet. Seine Herstellungs
kosten sollen über 3^ Millionen Mark betragen haben.
Die Römer wurden verhältnismäßig erst spät ein seefahrttreibendes Volk. Die
Küstenbildung Italiens ist für die Anlage von Häfen nicht günstig, und diese Anlagen
bedingten mächtige Kunstbauten. Unter den Kaisern entstanden bei Ostia an der Tiber-
mündung große Hasenbassins. Die ersten Arbeiten kamen hier unter Kaiser Claudius
zur Ausführung. Die Lage des Wellenbrechers war gegen den Rat der Ingenieure
erfolgt und erwies sich für die Einfahrt der Schiffe als sehr ungünstig. Noch bedeutender
waren die Hafenbauten Trajans an der Tibermündung. Mit dem Trajanshafen standen
umfangreiche Magazine, Dockanlageu und alle sonstigen, für eine ausgedehnte Seeschiffahrt
erforderlichen Anstalten in Verbindung.
In Rom selbst, wohin im Altertum die weit kleineren Seeschiffe gelangen konnten,
wurden an dem Tiberufer Kaimauern mit Landungsanlagen hergestellt. Für die Handels
schiffe diente das Emporium, für die Kriegsschiffe waren die Navaliet, bestimmt. Die starke
Sandmitführung des Tiberstromes und die Anladung der italienischen Küste bewirkten
im Laufe der Jahrhunderte eine vollständige Versandung der großartigen Hafenanlagen
an der Mündung, von welchen heute nur noch Spuren vorhanden sind, die weit von der
Meeresküste abliegen.
Bon den römischen Hafenstädten sind außerdem Puteoli, Antium, Ancona, Centum-
cellae zu nennen. Nicht unerwähnt darf die Schöpfung Herodes des Großen bleiben,
jener Wunderban zu Cäsarea, von dem heute nur noch einige, wenn auch gewaltige Reste
Kunde geben. Bei dem Stratonstnrme baute er einen geräumigen Hafen, dessen Größe
diejenige des Piräus übertraf. Der Schutzdamm hatte eine Tiefe von 20 Ellen. Der
selbe diente als Wellenbrecher und zur Aufnahme einer Mauer, deren Höhe über dem
Meeresspiegel 65 in gewesen sein soll. Um den ganzen Hafen ließ Herodes die schönsten