Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

520  Seehäfen.
hinauszufahren.  Hat  das  Schiff  beim  Durchfurchen  des  trügerischen  Elementes  Schaden
genommen,  weil  es  vielleicht  im  Eismeer  zu  hart  mit  den  Schollen  oder  auf  dem  belebten ­
  Fahrwasser  in  der  Nähe  des  Hafens  zu  nahe  mit  einem  ihm  begegnenden  Schiff
zusammengeraten  ist,  oder  haben  Wind  und  Wellen  seiner  Ausrüstung  zu  schlimm  mitgespielt, ­
  so  trifft  es  im  Hafen  Anstalten,  wo  es  in  Pflege  genommen  wird  und  seine
Schäden  geheilt  werden.  Alle  diese  Einrichtungen  müssen  von  dem  Wasserbaumeister
erst  geschaffen  werden,  während  das  Hafenbecken  mit  genügend  großer  und  tiefer  Wasserfläche ­
  manchmal  von  der  Natur  selbst  hergestellt  ist.  Ein  solcher  natürlicher  Hafen
ist  z.  B.  die  Kieler  Bucht,  die,  mit  bequemer  Einfahrt  tief  ins  Land  einschneidend,  Hunderten
von  Schiffen  einen  sicheren  Ankergrund  und  Schutz  gegen  Sturm  und  Seegang  bietet
und  im  inneren  Hafen  für  die  Handelsschissahrt  und  für  die  Kriegsmarine  genügend
Raum  zur  ungestörten  Entfaltung  gewährt.  Im  Gegensatz  zu  den  natürlichen  Häfen
sind  künstliche  Häfen  solche,  deren  Wasserbecken  ganz  oder  teilweise  durch  Ausgrabung
und  Ausbaggerung  oder  durch  Umschließung  vorhandener  Wasserflächen  mit  Molen  hergestellt ­
  sind.  Zn  diesen  künstlichen  Häfen  zählt  der  Kriegshafen  in  der  Nordsee,  Wilhelmshaven, ­
  dessen  Wasserbecken,  Ufer,  Schleusen  und  Molen  erst  durch  Menschenknnst  und
Menschenfleiß  geschaffen  wurden.  Auch  der  Hamburger  Hafen  war  bis  zum  Jahre  1866
ein  natürlicher  Hafen,  da  bis  dahin  die  Schiffe  in  natürlichen  Buchten  und  seitlichen
Armen  der  Elbe  ihre  Liegeplätze  fanden;  durch  Herstellung  künstlicher  Wasserbecken  nunmehr ­
  zum  größten  Hafen  des  europäischen  Festlandes  erhoben,  müssen  wir  ihn  jetzt  zu
den  künstlichen  Häfen  rechnen.
Der  Zweck  aller  Häfen,  von  den  Kriegs-  und  Zuflnchtshäfen  abgesehen,  ist,  den
Schiffen  einen  Ort  zu  schaffen,  an  dem  sie  vor  Stürmen  geschützt  liegen,  ihre  Ladung
löschen  und  neue  Fracht  einnehmen  können.  Die  größeren  Handelshäfen  sind  je  nach
den  Warengattungen  und  Schiffsarten  in  besondere  Wasserbecken  geteilt,  wie  Holzhafen,
Petroleumhafen,  Segelschiffhafen,  Oberländerhafen  (d.  h.  Häfen  für  die  auf  den  Wasserstraßen ­
  des  Binnenlandes  verkehrenden  Schiffe)  u.  s.  w.  Fischereihäfen  dienen  ausschließlich
den  Fischerfahrzeugen,  damit  diese  ihren  Fang  ans  Land  bringen  und  vor  Sturm  geschützt
sich  mit  dem  nötigen  Bedarf  versehen  können.  Kohlenhäfen  dienen  zur  Verfrachtung  der
in  der  Nähe  gewonnenen  Kohlen  für  die  Ausfuhr;  zum  Anlaufen  in  der  Winterszeit  und
znm  Schutze  vor  Stürmen  an  gefährlichen  Küsten  dienen  die  Winter-  und  Schutzhäfen.
Diese  letztgenannten  Arten  von  Häfen  finden  sich  auch  mit  großen  Handelshäfen  vereinigt,
z.  B.  in  Bremen.  Daß  mit  dem  Hafen  auch  Anstalten  zur  Ausbesserung  von  Schiffen
verbunden  sind,  ist  schon  oben  gesagt,  und  selbstverständlich  können  auch  die  Werften  für
den  Neubau  von  Schiffen  keinen  geeigneteren  Platz  finden  als  in  der  Nähe  der  Häfen.
Die  größte  Verschiedenheit  der  Seehäfen  besteht  in  ihrer  Einfahrt.  In  dieser  Beziehung ­
  ist  zwischen  offenen  Häfen  und  geschlossenen,  sogenannten  Dockhäfen  zu  unterscheiden.
Offene  Häfen  sind  solche,  die  wie  die  Häfen  von  Kiel,  Hamburg,  Cuxhaven,  Bremen
mit  der  See  in  offener  Verbindung  stehen  und  auch  jederzeit  den  von  der  See  kommenden
Schiffen  zugänglich  sind.  Sind  jedoch  an  einem  Hafenplatze  die  Schwankungen  der  Wasserstände ­
  infolge  von  Ebbe  und  Flut  sehr  groß,  so  müßten  die  Ufereinfassungen  sehr  hoch
werden,  damit  die  Schiffe  auch  bei  hohem  Wasserstande  gelöscht  und  beladen  werden
können;  diese  Schwankungen  der  Wasserstände  haben  aber  für  das  Löschen  und  Beladen ­
  viele  Übelstände  im  Gefolge,  und  diese,  sowie  die  großen  Kosten  für  die  hohen
Ufermaucrn  fallen  weg,  wenn  der  Hafen  durch  eine  Schleuse  gegen  die  See  abgesperrt
wird,  so  daß  im  Hafen  ein  fast  gleichbleibender  Wasserstand  gehalten  werden  kann.
Natürlich  ist  dann  im  geschlossenen  Hafen  das  Ein-  und  Auslaufen  der  Schisse  mit
Zeitverlust  verbunden,  weil  dieselben  durchgeschleust  iverden  müssen.
Die  wichtigste  Anforderung  an  einen  Hafen  ist,  daß  er  eine  sichere,  jederzeit  zugängliche ­
  Ein-  und  Ausfahrt  besitzt.  Wo  diese  fehlt,  muß  vor  dem  Hafen  ein  sicherer
Ankerplatz,  eine  Reede  vorhanden  sein,  wo  die  Schiffe,  ohne  der  gefährlichen  Brandung
ausgesetzt  zu  sein,  den  richtigen  Zeitpunkt  für  das  Ein-  und  Auslaufen,  günstigen  Wind,
den  Eintritt  der  Flut  oder  die  Ankunft  des  Schleppdampfers  erwarten  können.  An  den
an  einem  Flusse  gelegenen  Seehäfen,  wie  Hamburg,  Bremen,  London  tritt  an  die  Stelle
            
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