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laufenden Schiffen zu ermöglichen, durch Sehen der Segel oder mit Hilfe eines Schlepp
dampfers das offene Meer mit der nötigen Geschwindigkeit zu gewinnen.
Die künstlichen, meist trichterförmig gestalteten Vorhäfen werden durch Herstellung
von vorspringenden Molen gewonnen. Offene Häfen, wie Hamburg, Bremen u. a., besitzen
in der Regel keine eigentlichen Vorhäfen, sondern der vordere Teil dient als Vorhafen,
ohne von den einzelnen Hafenbecken besonders abgegrenzt zu sein. Vom Vorhafen gelangen
wir in den eigentlichen Hafen, der aber, wie schon oben erwähnt, meist nicht aus einer
einheitlichen Wasserfläche, sondern aus einer Reihe miteinander zusammenhängender Hafen
becken besteht. Ist der Hafen ein geschlossener Hafen, wie in Bremerhaven und Wilhelms
haven, so müssen die Schiffe, um vom Vorhafen in die einzelnen Hafenbecken zu gelangen,
die Schleuse passieren, die an den Hafenbecken den wechselnden Außenwasserstand abhält
509. Moleninlll in NrnnsKnttei.
und in ihnen den Wasserspiegel auf einer stets gleichen Höhe erhält. Derartige Schleusen
besitzen nur ein Thorpaar, durch das in den Hafenbecken ein Wasserstand von etwas unter
gelvöhnlicher Hochwasserhöhe gehalten wird, und die den Schiffen nur Ein- und Ausfahrt
gewähren, wenn der Außenwasserstand ebenso hoch steht Ivie der Wasserstand in den Hafen
becken. Sollen die Hafenbecken den größten Schiffen zugänglich sein, so muß eine solche
Schleuse ganz gewaltige Abmessungen erhalten. In Bremerhaven waren bis vor kurzem
der Kaiserhafen und der sogenannte Neue Hafen nur durch 17 und 2l in weite Dock
schleusen zugänglich. Um den Verkehr der größten Schiffe, wie sie der Norddeutsche Lloyd
im vergangenen Jahrzehnt hat bauen lassen, Bremerhaven zu erhalten, hat der Staat
Bremen in den letzten Jahren den erst Mitte der 70er Jahre mit einem Anfwande von
7 1 4 Millionen Mark gebauten, aber längst zu klein gewordenen Kaiserhafen erweitert
und denselben mit dem Vorhafen an der Weser durch eine Kammerschleuse von 220 w
Länge, 28 in Thorweite mit 45 in breiter Kammer verbunden. Diese Schleuse ist nicht
nur größer als die Schleusen an der Mündung des Kaiser Wilhelms-Kanals, sondern
überhaupt das größte Bauwerk dieser Art auf der Welt. Die größten Schiffe können
jetzt jederzeit in den Hafen ein- und ans dem Hafen auslaufen. Damit den Personen
dampfern das Befahren der Schleuse und der damit notwendig verbundene Zeitverlust