Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

522  Seehäfen.
laufenden  Schiffen  zu  ermöglichen,  durch  Sehen  der  Segel  oder  mit  Hilfe  eines  Schleppdampfers ­
  das  offene  Meer  mit  der  nötigen  Geschwindigkeit  zu  gewinnen.
Die  künstlichen,  meist  trichterförmig  gestalteten  Vorhäfen  werden  durch  Herstellung
von  vorspringenden  Molen  gewonnen.  Offene  Häfen,  wie  Hamburg,  Bremen  u.  a.,  besitzen
in  der  Regel  keine  eigentlichen  Vorhäfen,  sondern  der  vordere  Teil  dient  als  Vorhafen,
ohne  von  den  einzelnen  Hafenbecken  besonders  abgegrenzt  zu  sein.  Vom  Vorhafen  gelangen
wir  in  den  eigentlichen  Hafen,  der  aber,  wie  schon  oben  erwähnt,  meist  nicht  aus  einer
einheitlichen  Wasserfläche,  sondern  aus  einer  Reihe  miteinander  zusammenhängender  Hafenbecken ­
  besteht.  Ist  der  Hafen  ein  geschlossener  Hafen,  wie  in  Bremerhaven  und  Wilhelmshaven, ­
  so  müssen  die  Schiffe,  um  vom  Vorhafen  in  die  einzelnen  Hafenbecken  zu  gelangen,
die  Schleuse  passieren,  die  an  den  Hafenbecken  den  wechselnden  Außenwasserstand  abhält

509.  Moleninlll  in  NrnnsKnttei.
und  in  ihnen  den  Wasserspiegel  auf  einer  stets  gleichen  Höhe  erhält.  Derartige  Schleusen
besitzen  nur  ein  Thorpaar,  durch  das  in  den  Hafenbecken  ein  Wasserstand  von  etwas  unter
gelvöhnlicher  Hochwasserhöhe  gehalten  wird,  und  die  den  Schiffen  nur  Ein-  und  Ausfahrt
gewähren,  wenn  der  Außenwasserstand  ebenso  hoch  steht  Ivie  der  Wasserstand  in  den  Hafenbecken. ­
  Sollen  die  Hafenbecken  den  größten  Schiffen  zugänglich  sein,  so  muß  eine  solche
Schleuse  ganz  gewaltige  Abmessungen  erhalten.  In  Bremerhaven  waren  bis  vor  kurzem
der  Kaiserhafen  und  der  sogenannte  Neue  Hafen  nur  durch  17  und  2l  in  weite  Dockschleusen ­
  zugänglich.  Um  den  Verkehr  der  größten  Schiffe,  wie  sie  der  Norddeutsche  Lloyd
im  vergangenen  Jahrzehnt  hat  bauen  lassen,  Bremerhaven  zu  erhalten,  hat  der  Staat
Bremen  in  den  letzten  Jahren  den  erst  Mitte  der  70er  Jahre  mit  einem  Anfwande  von
7 1 4  Millionen  Mark  gebauten,  aber  längst  zu  klein  gewordenen  Kaiserhafen  erweitert
und  denselben  mit  dem  Vorhafen  an  der  Weser  durch  eine  Kammerschleuse  von  220  w
Länge,  28  in  Thorweite  mit  45  in  breiter  Kammer  verbunden.  Diese  Schleuse  ist  nicht
nur  größer  als  die  Schleusen  an  der  Mündung  des  Kaiser  Wilhelms-Kanals,  sondern
überhaupt  das  größte  Bauwerk  dieser  Art  auf  der  Welt.  Die  größten  Schiffe  können
jetzt  jederzeit  in  den  Hafen  ein-  und  ans  dem  Hafen  auslaufen.  Damit  den  Personendampfern ­
  das  Befahren  der  Schleuse  und  der  damit  notwendig  verbundene  Zeitverlust
            
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