554
Leuchtturm von Eddystone.
brannte das Feuer zum erstenmal auf dem neu erstandenen Leuchtturme und leuchtete den
Schiffern 47 Jahre lang, bis im Jahre 1755 der Turin Feuer fing und als Riesenfackel in
den Fluten des Meeres in Brand und Glut versank.
Mit den Vorbereitungen zum Bau des dritten Turmes wurde unverzüglich begonnen,
und der im Jahre 1724 geborene Ingenieur John Smeaton wurde mit dem Bau beauftragt.
Er machte sich sofort ans Werk, einen steinernen Leuchtturm zu bauen, und ließ hierzu den
Felsen wagerecht abarbeiten. Der erste Stein wurde am 12. Juni 1757 gelegt, und am
29. August 1759 konnte der Schlußstein gesetzt werden. Der Turm war 20 in hoch, hatte
am Fuß 8 und am Kranz 41/s ra Durchmesser. Die Steine waren mit größter Sorgfalt in
äußerst zweckmäßiger Weise mit sogenannten Schwalbenschwänzen und eichenen Dübeln in
einander gefügt und miteinander verbunden. Am 16. Oktober 1759 wurde wiederum das Licht
auf dem festgefügten, den stärksten Stürmen gewachsenen Turm angezündet.
Aber auch dieser Turm, einst der besondere Stolz der Engländer, ist nicht mehr vor
handen. Der Felsen, auf dem er stand, von dem Anprall der Wogen zernagt, drohte dem
Turm zum Grab zu werden, und so mußte im Jahre 1878 zum Bau des vierten Turmes
geschritten werden. Für seinen Standort wurde, 40 m vom alten Turm entfernt, ein für alle
Zeiten Sicherheit bietendes Riff gewählt, das nur den Nachteil hatte, daß es, sehr niedrig,
bei Springfluthochwasser 5 m unter Wasser lag. Im Juli 1878 wurde begonnen, und bis
Ende des Jahres hatte wegen des hohen Wasserstandes nur 135 Stunden lang auf dem Riff
gearbeitet werden können. Auf dem eingeebneten, von Seepflanzeu gereinigten Riff wurde
ein Fangdamm ans Ziegelsteinen gebaut und innerhalb desselben der Felsen zur Aufnahme
des Turmmauerwerks vorbereitet. Zahlreiche Löcher wurden in den Felsen gebohrt, um
jeden Stein der untersten Schicht durch starke Bolzen mit dem Felsen unverrückbar zu ver
binden. Die Maschinen zur Erzeugung der Druckluft zum Antrieb der Bohrer waren aus
dem in der Nähe des Riffs verankerten Schraubendampfer „Herkules" aufgestellt; auf diesem
befanden sich auch die Pumpen, um den Raum innerhalb des Fangdammes nach Ablauf des
Hochwassers allemal wieder wasserfrei halten zu können, und ebenso diente der „Herkules"
in Verbindung mit dem auf dem Turm selbst aufgestellten und mit dessen Höherführung
allemal wiederversetztcn Kran zum Herbeischaffen und Versetzen der Steine.
Das Mauerwcrk besteht aus Granit, und jeder Stein ist nach dem Vorgang von Smeaton
mit seinen Nachbarsteinen zur Seite und in der unteren und oberen Schicht durch schwalben-
schwanzfürmigen Versatz aufs innigste verbunden worden, um dem Wogenprall für alle Zeiten
stand halten zu können. Die Quader der untersten, unmittelbar auf dem gewachsenen Felsen
ruhenden Schichte sind zudem überall noch mindestens 30 cm in diesen eingelassen. Welchen
ungeheuren Kräften ein solches, der vollen Brandung ausgesetztes Bauwerk widerstehen muß,
mag daraus erhellen, daß die Stoßkraft der Wellen auf das Quadratmeter getroffene Fläche
einen Druck bis zu 30 000 lex ausübt. Zur Erhöhung seiner Standfestigkeit ist der'Turm
auf einem sich 0,76 m über das Hochwasser der Springfluten erhebenden Unterbau von 13,6 in
Durchmesser ausgeführt. Auf diesem Unterbau, der zugleich eine das Landen erleichternde
Plattform bildet, erhebt sich der schon geschweifte Turm bis zu 40,6 m Höhe über Springflut
hochwasser. Seine Mauerstärke nimmt von unten nach oben von 2,so in bis auf 0,90 m ab.
Trotz aller Schwierigkeiten ging der Bau so gut von statten, daß am 18. Juni 1883 die
feierliche Eröffnung des Turmes durch das Anzünden der Lampen durch den Herzog von
Edinburg stattfinden konnte. Die Kosten des Turmes beliefen sich auf 1185100 Mark. Der
alte Turm wurde abgebrochen und der obere Teil desselben auf Kosten der Stadt Plymouth
aus dem hohen Stranduser von Plymouth als ein Ehrendenkmal für seinen berühmten Er
bauer Smeaton wieder aufgerichtet.
Ähnliche Schwierigkeiten beim Bau boten der im Jahre1807 von Robert Stevenson
(der im Laufe seines Lebens 18 Leuchttürme baute) ausgeführte 30 na hohe Leuchtturm
auf dem schon oben erwähnten Bell Rock und der in den Jahren 1838—1842 nach
den Plänen von Alan Stevenson erbaute 42 in hohe Leuchtturm von Skerryvore auf
der Insel of Tyree in Argyllshire an der Westküste von Schottland.
Von den zahlreichen in den letzten Jahrzehnten auf deutschem Boden errichteten
Leuchttürmen verdient der Rothesand-Leuchtturm an der Wesermündung, 48 Irin von
Bremerhaven entfernt, wegen seiner schwierigen Gründung ausführlichere Erwähnung.
Es ist dies der erste Leuchtturm, der im offenen Meere, in großer Wassertiefe, wo selbst
bei Ebbe der Baugrund nicht zu Tage tritt, auf dem sandigen Meeresgrund aufgebaut,
oder vielmehr in denselben abgesenkt worden ist.
Der Plan für die eigenartige Ausführung dieses Turmes, für den weder feste, noch
schwimmende Gerüste verwendet werden konnten und sämtliche Hilfsmittel und Maschinen auf
dem beschränkten Raum des Bauwerkes selbst untergebracht werden mußten, rührt von dem
damaligen Oberingenienr der Aktiengesellschaft für Eisenindustrie und Brückenbau (vormals
Johann Caspar Harkort zu Duisburg) L. Seifert ljetzt Direktor der Gesellschaft) her. Er
wählte für die Gründung des eisernen Turmes das Verfahren der Druckluftgründung. Der