Leuchttürme. 563
werden mußte, im Jahre 1874 der Rübölbelenchtnng wieder weichen, ist aber neuer
dings in seine Herrschaft wieder eingesetzt worden. In Frankreich wurden die beiden
auf dem Kap la Heve nebeneinanderstehenden Leuchttürme seit 1864 elektrisch beleuchtet
und zwar mit so gutem Erfolg, daß im Jahre 1882 die Einführung des elektrischen
Lichtes auf den französischen Leuchttürmen in ausgedehntem Maße beschlossen wurde,
während man sich in England in diesem Zeitpunkt gegen die Vorzüge des elektrischen
Lichtes für die Küstenbelenchtung noch ablehnend verhielt.
In den Jahren 1884/85 wurden auf Veranlassung des englischen Küstenschutz
amtes (Trinity House) auf South-Foreland, der Wiege der elektrischen Leuchtturm
beleuchtung, in umfassendster Weise vergleichende Versuche über die beste Leuchtturm
befeuerung angestellt und auf drei eigens hierzu errichteten steinernen Türmen die
Feuer, und zwar eines aus elektrischem Licht, eines mit dem seitherigen Pflanzenöl
und eines aus Gaslicht nach System Wigham, während mehrerer Monate und bei
den verschiedenartigsten Witterungszuständen beobachtet; diese Versuche haben unzwei
deutig bewiesen, daß das elektrische Licht besser als Gas- und Öllicht geeignet ist,
den Nebel zu durchdringen, und ihm damit den Sieg über Gas- und Öllicht er
rungen. Freilich sind die Anlagekosten der elektrischen Leuchtfeuer sehr hoch, und des
halb konnte ihnen noch nicht auf allen Leuchttürmen die ihnen gebührende Stelle ein
geräumt werden.
An der deutschen Küste ist der neu erbaute eiserne Leuchtturm auf der Insel
Borkum, welcher die Einfahrt der Ems beleuchtet, und der im Jahre 1894 vollendete
steinerne Leuchtturm in Neusahrwasser mit elektrischem Licht ausgestattet worden. In
Neufahrwasser hatte durch die elektrische Beleuchtung der Hafenkais und mehrerer benach
barter Fabriken das durch ? Petroleumlampen erzeugte Feuer auf dem Mitte vorigen
Jahrhunderts erbauten Leuchtturm an seiner Stärke bedeutend eingebüßt. Da auch eine
größere Höhe des Feuers angezeigt war und der als Ausguck für die Lotsen dienende
einen Zeitball tragende hölzerne Turm der Erneuerung bedurfte, so entschloß man sich,
einen neuen Leuchtturm zu bauen, welcher zugleich die Lotsenwarte und die Zeitball
station in sich vereinigte. Da die aus anderen Leuchttürmen ausgeführten großen elek
trischen Beleuchtungsanlagen nicht als Vorbild dienen konnten, so wurden an dem alten
Turme 4 Jahre lang Versuche mit elektrischen Bogenlampen gemacht, welche ergaben,
daß die beste Wirkung mit wagerecht gestellten Kohlenspitzen erzielt werden. Die Anlage
für die gemeinsame Beleuchtung des Leuchtturms und der Hafenkais wurde so einge
richtet, daß neben 6 Dynamomaschinen noch eine Akkumulatorenbatterie aufgestellt
wurde, und es wird in mondhellen Nächten und in den Zeiten, in denen die Beleuchtung
des Hafens entbehrlich ist, die Leuchtturmlampe unmittelbar durch den Akkumulator ge
speist. Den Witterungsverhältnissen entsprechend kann man das Leuchtturmslicht mit
wechselnder Lichtstärke brennen lassen, dadurch, daß von den in der Leitung befindlichen
Widerständen ein größerer Teil ausgeschaltet wird.
Von einem Leuchtfeuer verlangt man, daß es so früh wie möglich dem von der
See kommenden Schiffe sichtbar wird und daß es dem Schiffe auf der Strecke zwischen
dem Punkte, wo das Feuer zuerst in Sicht kam, und dem Leuchtturme selbst genügend
Licht spende. Diejenige Anordnung eines Leuchtturmes ist daher die beste, bei der so
wenig wie möglich Strahlen von der Lampe und den zugehörigen Teilen verschluckt
werden oder durch Ausstrahlung in die Wolken verloren gehen. Solange man Holz-
und Kohlenfeuer brannte, gab es keine Möglichkeit, die von der Lichtquelle nach allen
Richtungen in gleicher Weise ausgesaudten Lichtstrahlen zu sammeln. Erst durch die
Einführung der Brenner, namentlich der Argandschen Lampe, wurde es möglich, durch
Spiegelung und Brechung die Lichtstrahlen zu sammeln, nach bestimmten Flächen zu
leiten und zu verstärken. Um die von einer Lichtquelle ausgehenden Strahlen in
wagerechter Richtung so zu leiten, daß ein Gürtel von hinreichender Breite beleuchtet
wird, müssen die nach oben gerichteten Strahlen abwärts, die nach unten gerichteten
aufwärts gebeugt werden, was durch parabolische Spiegel oder durch Linsen ge
schehen kann.
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