566 Schiffahrtszeichen.
weise verdeckt wird. Bei den übrigen Drehfeuern wird entweder die ganze Linsen
trommel gedreht, oder es werden nur einzelne geschliffene Scheiben vor der Trommel
eines festen Feuers vorüber bewegt. Von der Anzahl biefer Scheiben und ihrer
Geschwindigkeit ist die Zeit abhängig, in der die Lichtblicke sichtbar werden. Die
mit kurzen Verdunkelungen abwechselnden Blinke haben bei gleicher Lichtstärke eine
größere Sichtbarkeit wie feste Feuer. Die Umdrehung der Apparate wird durch ein
Uhrwerk bewirkt.
In neuerer Zeit wendet man in der Leuchtfeuerbezeichnung der Flußläufe mit Vorliebe
zwei hintereinander stehende Feuer an. Man nennt solche Feuer „Leitfeuer". Ein Leitfeuer
besteht immer aus einem hohen und einem niedrigen Leuchtfeuer. Die Verbindungslinie
dieser beiden Feuer stellt die Richtungs- oder Leitlinie für den Kurs der Schiffe auf einer
bestimmten Fahrwasserstrecke dar. Auf der Elbe sind bereits nenn solcher Leitfeuer errichtet
und drei weitere projektiert.
Farbige Feuer sucht man so lange wie möglich zu vermeiden, da die Farben bei ver
schiedener Beschaffenheit der Luft sich verändern und die farbigen Gläser auch zu viel Licht
verschlucken. So erscheinen weiße Lichter aus der Ferne um so rötlicher, je nebeliger die
Luft ist, und grüne Lichter scheinen weiß, während rote Lichter durch eine nebelige Atmosphäre
eine noch tiefere rote Färbung erlangen. Dies ist der Grund, weshalb rotes Licht bei Nebel
auf große Entfernungen noch erkannt wird, während weißes Licht, das in der Nähe das
rote an Stärke übertrifft, nicht mehr zu erkennen ist. Daß grüne Gläser eine größere
Lichtstärke verlangen als rote, kann mau jederzeit an entgegenkommenden Schiffen wahr
nehmen, deren rotes Licht an Backbord schon zu erkennen ist, während vom grünen Licht
am Steuerbord noch nichts zu sehen ist. Ein recht teures, aber zuweilen unvermeidliches
Unterscheidungsmerkmal besteht in der Aufstellung von 2 Feuern, entweder in gleicher Höhe
auf getrennten Leuchttürmen wie am Kap la Heve bei Havre oder in verschiedener Höhe auf
einem Turme.
Soll ein im Meer befindlicher Felsen oder eine gefährliche Untiefe den Schiffern
kenntlich gemacht werden, so wird das tauchende Feuer angewendet; die Achse des
Beleuchtnngsapparates wird so gegen den Horizont geneigt, daß die Strahlen statt wage
recht, abwärts auf die See gelenkt werden, so daß, sobald ein Schiff das tauchende Licht
in Sicht bekommt, es erkennt, daß es die Grenzlinie des sicheren Fahrwassers überschritten
hat und seinen Kurs rechtzeitig ändern kann. Soll der betreffende Leuchtturm nicht
nur als tauchendes Feuer, sondern als Nachtwarte überhaupt dienen, so werden die
beiden Feuer zweckmäßig mit verschiedener Farbe und unabhängig voneinander her
gestellt, das für eine kleine Entfernung bestimmte Tauchfeuer rot, das andere weiß und
von größerer Stärke. Ans dem neuen Eddystone-Leuchtturm ist außer dem Drehfener
in der Laterne in geringerer Höhe ein festes tauchendes Feuer zur Beleuchtung einer
Untiefe angebracht.
Zur Verdeutlichung der Fortschritte, welche in der Küstenbeleuchtung durch Ver
besserung der Lampen und der optischen Apparate erzielt worden sind, sei angeführt, daß
das jetzige durch Öl erzeugte Feuer auf dem Eddystone bei einer Lichtstärke von
159600 Kerzen 2382mal so stark ist, als das am Anfange des 19. Jahrhunderts noch
brennende Licht der Talgkerzen; dieses Talgkerzenlicht kostete nach genauen Untersuchungen
in der Stunde 1,60 Mark, das jetzige 2382 mal stärkere Licht, einschließlich der Dochte und
Glasschlote 1,84 Mark in der Brennstuude.
Feuerschiffe. Da, wo auf weit vorgeschobenem Posten in der See der Bau eines
Leuchtturmes sich der Tiefe wegen verbietet, oder wo unter dem Wellenschläge sich ver
ändernde Sandbänke eine wechselnde Lage des Seezeichens verlangen, legt man