Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Feuerschiffe.  567
Feuerschiffe  aus.  Dies  sind  stark  gebaute,  an  kräftige  Anker  gelegte  Schiffe,  die
bei  Tag  am  Mast  eine  Kugel  oder  Flagge  als  Erkennungszeichen  tragen  und  bei
Nacht  am  Mast  eine  aus  mehreren  Laternen  vereinigte  Lampe  hochziehen.  Meist  sind
sie  rot  gestrichen  und  tragen  weithin  deutliche  Aufschrift.  Zur  Bedienung  der  Lampe
haben  sie  dauernd  einige  Mann  an  Bord.  Der  geringeren  Höhe  wegen  kann  natürlich ­
  ihr  Feuer  nicht  weit  sichtbar  sein,  weit  nachteiliger  ist  aber,  daß  die  Feuerschiffe,
bei  sehr  schlimmem  Wetter,  bei  starkem  Eisgang  und  dergleichen  in  Sicherheit  gebracht ­
  werden  müssen,  also  zu  einer  Zeit,  wo  ihr  warnendes  Licht  erst  recht  notwendig
wäre.  Wenn  Nebel  und  Schnee  die  kleine  Lampe  unsichtbar  machen,  geben  die
Feuerschiffe  Schallsignale.  Eine  Verbesserung  der  Feuerschiffe  besteht  in  der  Anordnung ­
  eines  aus  schmiedeeisernem  Gerüst  bestehenden,  statt  des  Mastes  errichteten
Leuchtturmes,  auf  welchem  eine  größere,  weit  stärkeres  Licht  spendende  Laterne  angebracht ­
  werden  kann.  Das  durchbrochene  Turmgerüst  bietet  dem  Wind  so  wenig
Fläche,  daß  die  Standfähigkeit  des  Schiffes  dadurch  nicht  mehr  beeinflußt  wird,  als
durch  einen  gewöhnlichen  Mast.

Daß  eine  Verbindung  der  Leuchtschiffe  mit  dem  Festlande  von  großer  Bedeutung  ist,
damit  diese,  wenn  ihnen  selbst  Gefahr  droht,  oder  wenn  von  der  See  einfahrende  Schiffe  in
ihrer  Nähe  auf  den  Grund
geraten  sind,  oder  sonst
einen  Unfall  erlitten
haben,  vom  nächsten
Hafcnplatz  einen  Schleppdampfer ­
  oder  ein  Rettungsboot ­
  herbeirufen
können,  liegt  auf  der
Hand.  Man  hat  durch
Telegraphenkabel  eine
Verbindung  herzustellen
gesucht;  es  ist  dies  aber
mit  besonderen  Schwierigkeiten ­
  verknüpft,  weil
die  Schiffe  beim  Wechseln
von  Ebbe  und  Flut  und
bei  den  verschiedenen
Windrichtungen  um  ihren
Anker  schwingen  und  dadurch ­
  Verwickelungen  des
Kabels  mit  der  Ankerkette ­
  eintreten.  An  der
Rordjeeküste  sind  daher
seit  dem  Jahre  1876  auf
Veranlassung  der  preußischen ­
  Regierung  Versuche  angestellt  worden,  die  Verbindung  von  an  besonders  gefährdeten
Stellen  liegenden  Leuchtschiffen  mit  dem  Festlande  durch  Brieftauben  herzustellen,  und  es
hat  sich  diese  Einrichtung  an  der  Eidermündung  aufs  glänzendste  bewährt.  Auf  dem  67  km
von  Tönning  entfernten  „äußeren  Feuerschiff"  und  auf  der  zwischen  diesem  und  dem  Lande
ankernden  Eidergaliote  wurden  Taubenpoststationen  eingerichtet,  um  dringende  Nachrichten
schnellstens  nach  Tönning  zu  befördern.  Bei  mehreren  Unfällen  hat  sich  diese  Taubenpost
als  sehr  wertvoll  erwiesen.  So  war  z.  B.  am  15.  Oktober  1881  bei  einem  starken  Sturm
die  Ankerkette  des  Feuerschiffes  gebrochen,  und  dieses  kam  ins  Treiben.  Vier  mit  der
Depesche  um  Hilfe  abgesandte  Tauben  kamen  trotz  des  Sturmes  in  Tönning  an,  nach
einer  längsten  Flugzeit  von  58  Minuten,  worauf  sofort  ein  Dampfer  in  See  ging,  das
Feuerschiff  aufsuchte  und  in  Sicherheit  brachte.  Die  Beschaffung  eines  Feuerschiffes  erfordert
150000  bis  200  000  Mark.  Es  handelt  sich  also,  abgesehen  von  den  Menschenleben,  um
erhebliche  Werte,  denen  gegenüber  die  Unterhaltungskosten  der  Bricftaubenstationen  nicht  in
Betracht  kommen  können.

553.  Feuerschiff.

Die  jährliche  Unterhaltung  eines  Feuerschiffes  kostet  ungefähr  30000  M.,  wogegen
die  Unterhaltung  eines  Leuchtturmes  nur  5000  —  6000  M.  erfordert.  Wo  also  der
Bau  eines  Leuchtturmes  überhaupt  möglich  ist,  wird  trotz  der  hohen  Baukosten  im  Vergleich ­
  zu  den  niederen  Anschaffungskosten  eines  Feuerschiffes  doch  die  Anlage  eines
Turmes  vorteilhafter  sein.
            
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