Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Taucherboote. Submarinegucker. Pneumatischer Tunnelbau. 581 
Wasser sehen kann, liegt, abgesehen von einer etwaigen Unklarheit desselben, in dem 
Reflex der unruhigen Oberfläche. Bei ruhiger Luft und Hellem Wetter kann man oft 
tief auf den Grund der See sehen. Aber schon wenn die Sonne niedrig steht, ist dies 
schwer, weil dann oft der Reflex die Lichtstrahlen ins Auge wirft. Alles dies ist durch 
eine Vorrichtung vermieden, welche in einfachster Form schon vor langer Zeit von den 
Schwammfischern im Mittelmeer benutzt worden ist. Dieselbe besteht aus einem weiten 
Cylinder mit einem Glasboden, welcher, den Boden nach unten, in das Wasser getaucht 
wird. Nunmehr dringt der Blick frei in das Wasser und reicht so tief, wie es den 
Beleuchtnngsverhältnissen und der Klarheit des Wassers entspricht. Um jedoch auch 
hierin unabhängiger zu sein, hat Haedicke noch einen Reflektor angebracht, durch dessen 
Boden ein Doppelglas reicht, so daß die Kraft des Auges und die Beleuchtung ver 
stärkt wird. 
Die vollkommenste aller Leistungen dieser Art ist der von Toselli erbaute 
Taucherapparat Neptun, der zur Erreichung bedeutender Seetiefen (geplant ist, bis 
zu 1000 m) bestimmt ist. Mit diesem Apparat sollen Sondierungen beim Bau von 
Leuchttürmen und Hafenanlagen, die Beförderung von Torpedos und ähnliche Arbeiten 
und Untersuchungen bewerkstelligt werden. Bereits vor Jahren ist Toselli bis zu einer 
Tiefe von 70 m niedergegangen. 
Das Verdrängen des Wassers durch Luft findet jedoch nicht nur für Arbeiten unter 
Wasser, sondern auch für Arbeiten in Bodenarten, welche stark mit Wasser durchsetzt sind, 
Anwendung. Man bezeichnet diese Arbeitsweise als pneumatische. Von ihr wird sowohl 
im Wasser- wie im Tunnelbau ein sehr ausgedehnter Gebrauch gemacht. Die Abb. 542 
(Abschnitt „Schiffahrtszeichen") gibt eine Darstellung der hierbei zur Anwendung kommen 
den Vorrichtungen. 
Im Tunnelbau erweist sich die pneumatische Arbeitsmethode nicht selten als der 
letzte Rettungsanker, wenn alle anderen Hilfsmittel versagen. Namentlich bei den unter 
Wasser durchzuführenden Tunneln hat man verschiedentlich nur mit Hilfe des Luftdruckes 
die Aufgabe zu einem glücklichen Ende führen können. Die Tafel zeigt den Bauvorgang 
bei Herstellung eines Tunnels. 
Am Ende des Tunnels wird ein sogenanntes Schild eingebaut, welches die Stirn 
fläche eines dahinter liegenden Cylinders bildet. Dieser hinter dem Schild liegende 
Raum wird mit Druckluft gefüllt, wodurch der Eintritt des Wassers beim Öffnen des 
Schildes, um den davor liegenden Boden zu entfernen, verhindert wird. Durch 
hydraulische Pressen wird das Schild vorwärts getrieben. Die Verbindung zwischen 
dem unter Druckluft stehenden Teil und dem hinteren fertigen Tunnel erfolgt wie bei 
jeder pneumatischen Fundierung durch Luftschleusen, durch welche die Arbeiter und ebenso 
die Materialien hindurch müssen.
	        
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