Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Heben  des  Dampfers  „Lady  Cathrine".

Die  Arbeit  nahm  den  Herbst  und  die  erste  Hälfte  des  folgenden  Sommers  (1876)  in  Anspruch.
Dann  wurden  16  schwere  Ketten,  von  45  ruru  Eisenstärke  unter  dem  Schiff  durchgezogen,
wobei  ein  starker  Wasserstrahl,  welcher  den  Boden  auflockerte,  benutzt  wurde.  Selbst  da,  wo
das  Schiff  2  m  im  festen  Thon  eingebettet  war,  machte  es  keine  Mühe,  die  nötigen
Öffnungen  auf  diese  Weise  durchzutreiben.  Run  galt  es  also  zunächst,  das  Schiff  auf  den  Kiel
zu  bringen.  Die  16  Ketten  wurden  durch  die  Koker  gezogen,  so  daß  nunmehr  das  Schiff  an
32  Kettenenden  hing,  von  denen  jedes  um  den  zugehörigen  Windebaum  eines  der  16  Prähme
gewickelt  war.  Mit  Hilfe  eines  Prahms,  dessen  Kette  an  dem  Mast  befestigt  war,  und  4  starker
Trossen,  welche,  über  das  Deck  gelegt,  vom  Ufer  angeholt  wurden,  gelang  es  in  der  Zeit  vom
6.  bis  zum  11.  Juli  das  Schiff  so  weit  bergan  zu  rollen,  daß  der  Schornstein  über  Wasser
sichtbar  wurde.  Bald  setzte  das  Schiff  mit  dem  Kiel  auf,  und  damit  war  die  weitere  Aufrichtung ­
  so  weit,  daß  man  mit  dem  eigentlichen  Heben  beginnen  konnte.  Die  Neigung  des
Decks  gegen  den  Horizont  betrug  40  Grad.  Es  wurde  daher  die  gesamte  Hälfte  der  Prähme
zur  Hebewirkung  gebracht  und  so  am  19.  Juli  das  Abheben-  vom  Grunde  und  die  weitere
Annäherung  an  das  Bollwerk  bewirkt.  Bald  kau:  auch  das  Schiff  mit  dem  Steucrbordreiling
an  den  Boden  der  Prähme,  welcher  Umstand  zum  weiteren  Aufrichten  benutzt  werden  konnte.
Dies  gelang  vollständig  bis  Mitte  August,  worauf  mit  dem  Auspumpen  des  Schiffes  begonnen
wurde.  Binnen  einer  Stunde  konnte  das  Wasser  aus  dem  Hinterschiff  und  der  Kajütte  entfernt ­
  werden.  Das  Schiff  hob  sich  dabei  um  1,5  m.  Man  ging  nun  an  das  Abdichten  der
zahllosen  Leckstellen  und  begann  mit  dem  Löschen  der  Kohlen.  Am  28.  August  konnten  die
eigenen  Pumpen  des  so  geretteten  Schiffes,  nachdem  sie  aus  dem  Kvhlenschlamm  herausgegraben ­
  waren,  zum  Bergen  des  Hinterschiffs  benutzt
werden.  Am  31.  August  endlich  gelang  es,  von  dem  großen
Leck  am  Backbordbug  Maß  zu  nehmen.  Dasselbe  hatte
die  Form  eines  Dreiecks  von  4  m  Höhe  und  1,4  m  Basis
am  Schandeck.  Zur  Dichtung  wurde  eine  4  cm  starke
Tafel  von  doppelter  Brettlage  aufgelegt.  Nun  erst  war
es  möglich,  auch  das  Vorderschiff  zu  entleeren  und  damit
auch  die  dort  befindlichen  Kohlen  zu  löschen.  Darauf
wurden  die  Maschinenteile  gereinigt,  einige  notwendige
Ausbesserungen  ausgeführt  und  die  Kessel  geprüft.  Am
13.  September  wurde  die  Maschine  unter  Dampf  geprüft
und  für  vorzüglich  brauchbar  gefunden.  Am  23.  September ­
  ging  das  Schiff,  inzwischen  neu  ausgerüstet,  unter
Dampf  und  legte  sich  in  Swinemünde  an  das  Bollwerk.  Da
die  gesamten  Hebungskosten  sich  auf  185  000  Mark  stellten,
der  Verkaufswert  des  Schiffes  aber  auf  184  000  Mark  abgeschätzt ­
  wurde  und  der  Erlös  aus  den  Prähmen,  Kohlen
u.  s.  w.  50  000  Mark  lieferte,  so  ergab  sich  ein  Erlös  von
49  000  Mark  gegenüber  dem  für  die  Sprengung  geforderten ­
  Preis  von  120  000  Mark.
Die  Methode,  die  Hebung  eines  Schiffes  durch  den  Auftrieb  von  Vorrichtungen,
welche  man  an  dasselbe  befestigt,  zu  bewirken,  ist  besonders  in  der  russischen  Marine  beliebt. ­
  Die  Säcke  bestehen  aus  Jndiafaser  und  Hanfzwilch,  welche  Stoffe  in  abwechselnden
Lagen  zusammengelegt  werden.  Die  Länge  derartiger  Säcke  beträgt  5  bis  6  in,  der
Durchmesser  4  bis  5  in,  so  daß  ihre  Hebekraft  6  bis  10  Tonnen  erreicht.
Die  Luftsäcke  leiden  sämtlich  an  dem  Nachteil,  daß  sie  bei  ihrem  Aufsteigen  an  die
Oberfläche  häufig  platzen,  weil  der  Luftdruck  im  Sack  gegenüber  dem  allmählich  abnehmenden ­
  Wasserdruck,  zu  groß  wird.  Um  diesen  Mangel  zu  beseitigen,  hat  man  Druckregulatoren ­
  angebracht.  Da  jedoch  die  Schiffshebnng  auf  diese  Weise  immer  schwierig  ist,
so  hat  man  versucht,  den  Schiffskörper  selbst  als  Lnstsack  zu  benutzen.  Namentlich  für
Fälle,  wo  der  Kiel  oben  liegt,  ist  dieser  Weg  besonders  geeignet,  da  der  Schiffsboden  an
sich  —  bis  auf  das  etwaige  Leck  —  bereits  dicht  ist,  während  bei  einem  aufrecht  gesunkenen ­
  Schiff  erst  das  Deck  abgedichtet  werden  muß,  was  besonders  bei  großen  Tiefen
außerordentliche  Schwierigkeiten  machen  würde.
Für  den  „Großen  Kurfürsten",  welcher  bei  Folkestone  infolge  einer  Kollision  gesunken ­
  ist,  tvar  von  dem  Marineingenieur  Haedicke  die  Abdichtung  in  der  Weise  entivorfen
worden,  daß  ein  Rahmen  (Abb.  586)  um  die  Leckstelle  aufgebracht  und  durch  eingehakte
Schrauben  befestigt  werden  sollte,  welcher,  mit  einem  Deckel  versehen,  den  Schluß  belvirkte.
Alsdann  sollte  unter  entsprechenden  Vorsichtsmaßregeln,  um  das  Auftoppen  des  Wracks  zu
vermeiden,  durch  unter  das  Deck  geführte  Röhren  mit  Hilfe  kräftiger  Pumpen  Luft  eingepreßt ­
  werden,  um  das  Wasser  zu  verdrängen.  Die  Berechnung  ergibt,  daß  das  Wasser
            
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