596 Schiffbau im Mittelalter und in der neueren Zeit.
Fahrten auf hoher See und für Kriegsschiffe fast ganz verschwinden. Die Schiffe erhalten
durchweg feste Decks, wodurch ihre Seefähigkeit verbessert wird.
Die portugiesischen Karavellen, welche vorzugsweise zu den Entdeckungsfahrten
Verwendung fanden, waren Segelschiffe von gefälligen Formen, verhältnismäßig scharfem
Boden und fein verlaufenden Schiffslinien. Gewöhnlich hatten die Karavellen in der
Mitte einen niederen Freibord und vorn und hinten hohe Aufbauten mit festen Decks.
Die drei Karavellen „SantaMaria", „Pinta" und „Nina", welche Kolumbus auf seiner ersten
Reise im Jahre 1#02 führte, sind in einem Bilde des Marinemaler Rafael Manleon nach
Skizzen und Bildern, aus Chroniken sowie Baureliefs und Denkmünzen zusammengestellt
(Abb. 593), während der Längenschuitt der „Nina", einer der „Santa Maria" ähnlichen
Karavelle in Abb. 594 wiedergegeben ist. Die lateinischen Segel der letzteren wurden
schon zu Anfang der Reise durch Quersegel ersetzt. Die Besegelung der „Santa Maria"
bestand aus Focksegel, Großsegel, Großmarssegel, einem lateinisch geschnittenen Kreuzsegel
593. Die KaraucUrii des Kolumbus,
und dem Segel der blinden Raa am Bugspriet. Eigenartig ist die Durchführung der
Stenerpinne durch das Spiegelheck sowie die Anwendung von sechs Gats in der Bordwand
inittschiffs zum Durchstecken von Riemen.
Die Hauptabmessungen der Schiffe waren:
„Santa Maria" „Pinta" „Nina"
Länge zwischen den Perpendikeln 23,0 m 20,16 m 17,36 m
Größte Breite 6,7 m 7,28 m 5,6 m
Raumtiefe / 4,50 m 3,36 m 3,08 m
Deplacement 237 t
Die „Santa Maria" führte als Rohrgeschütze Spingarden und Bombarden, welche
Steinkugeln schleuderten.
Die Entdeckungsfahrten von Kolumbus, Vasco de Gama und anderen sowie die hier
mit verbundene Besitzergreifung in den fremden Weltteilen fanden nun bald bei den
Engländern und Holländern Nachahmung. Schiffe dieser Nationen durchfurchten
die Meere, wobei der Kompaß und die astronomischen Messungen mit den Oktanten zur
Orientierung dienten, und so entstand frühzeitig ein lebhafter Wettstreit um den Vorrang
der Herrschaft zur See nach dem Grundsatz: Wer die See beherrscht, beherrscht auch den