600 Schiffbau.
Toulon Paul Hoche, schreibt im Jahre 1690 in seinem Werk „Theoriedelaconstniction
des vaisseaux“: „Man kann nicht leugnen, daß die für den Staat so notwendige Schiff
baukunst von allen Künsten die am wenigsten ausgebildete ist. Der Zufall hat bei dem
Schiffbau so viel zu sagen, daß die mit der größten Aufmerksamkeit gebauten Schiffe
gewöhnlich sehr schlecht ausfallen, während jene Schiffe, die sehr nachlässig gebaut
werden, oft die besten sind. So sind die großen Schiffe meistens ganz verfehlt, und
unter den Kauffahrern findet man mehr gute Schiffe als in der königlichen Flotte."
Vor allem war das Problem der Stabilität lange Zeit hindurch den Schiff
bauern nicht geläufig. Neugebaute Schiffe erwiesen sich daher oft so wenig stabil, daß
alle möglichen Mittel, wie Einbringen von Ballast, Verstärkung der Beplankung in der
598. Linienschiff „Me Oueen", erbaut 1839. Nach „Navy and army illustrated“.
Wasserlinie oder sogar Abrasieren des oberen Decks angeordnet werden mußten, um die
Schiffe einigermaßen stabil zu machen, zumal bei den nur wenig über Wasser befindlichen
Geschützpforten der untersten Batterie ein Schöpfen von Wasser durch diese Pforten beim
Krängen des Schiffes und demnach ein Kentern zu befürchten war. Obwohl im Jahre
1757 Daniel Bernouilli von der „Societe Royale des Sciences“ in Paris einen
Preis für eine Denkschrift erhielt, in welcher die Bedingungen für die statische Stabilität
dargestellt waren, so vermochten noch 30 Jahre später englische Autoritäten im Schiff
bau die Ursache der mangelhaften Stabilität dreier Schiffe nicht zu ergründen. Ein
Grund lag zum Teil darin, daß die damaligen theoretischen Abhandlungen zu hohe
mathematische und technische Kenntnisse voraussetzten, so daß der berühmte Mathematiker
Euler in der Einleitung zu seinem im Jahre 1776 erschienenen Werk „Theorie com-
plete de la constniction et de la manoeuvre des vaisseaux“ schrieb: „Wenngleich schon
vierzig Jahre vergangen sind, seit die Mathematiker mit einigem Erfolge diesen Gegen
stand bearbeiten, so sind ihre Entdeckungen doch noch von so schwierigen Berechnungen