602 Schiffbau.
Manövrieren mit den Kriegsschiffen allein vom Winde abhängig waren, trat mit der
Nutzbarmachung des Dampfes als Treibkraft mit Bezug auf die Bauart und die
Formen der Kriegs- und Handelsschiffe ein gewaltiger Umschwung ein. Die ersten Ver
suche, Schiffe durch mechanische Mittel fortzubewegen, fallen in den Anfang des 17. Jahr
hunderts, doch sind von diesen ersten Anfängen keine Überlieferungen auf uns gekommen.
Erst im Jahre 1681 veröffentlichte die Royal Society in London ein von vr. Papiu
verfaßtes Buch, welches neben physikalischen und technischen Erörterungen den Vorschlag
enthielt, ein Schiff durch geeignete Verwendung der Kraft des Wafferdampfes zu bewegen.
Diese Ideen brachte Papin einige Jahre später zur Ausführung, indem er in Kassel ein
Räderschiff erbaute und mit demselben die Fulda hinunter fuhr. Leider wurde das Schiff,
als Papin die Durchfahrt durch Münden erzwingen wollte, von den Mündener Schiffern
zerstört. Über die Konstruktion der Papinschen Maschine ist jedoch nichts überliefert
worden. Später schien Papin keine
weiteren Versuche angestellt zu haben,
er starb bereits im Jahre 1700. In
der darauf folgenden Zeit wurde der
Gedanke, Schiffe mittels Dampfkraft zu
treiben, nur durch die Schrift erörtert.
Daniel Bernouilli schlug in seiner
1738 erschienenen Hydrodynamica zu
erst vor, Schiffe mit Hilfe eines Reak
tionspropellers zu treiben nach Art
einer Rakete, später brachte er in seiner
1753 von der Pariser Akademie der
Wissenschaften preisgekrönten Schrift
über den besten Propeller zum Treiben
von Schiffen ohne Anwendung des
Windes in Vorschlag, Schrauben nach
Art der Windräder an jeder Seite des
Schiffes wirken zu lassen und dieselben
durch Dampfmaschinen oder Pferdegöpel
zu drehen. Auch Albert Euler schlägt
in den Memoiren der Berliner Aka
demie von 1764 vor, Ruderräder, Reak
tionsrohre und Schraube zu benutzen.
Die weiteren praktischen Versuche wur
den dann im Jahre 1776 von dem
französischen Marquis Claude Joffroy
ausgeführt, doch brachten dieselben keinen wesentlichen Erfolg. Erst den Engländern war
es vorbehalten, das erste brauchbare Dampfschiff zu erbauen, und hierzu gab der Schotte
Patrick Miller den Anstoß. Im Verein mit Taylor und Symiugton baute er ein Doppel
boot, in dessen Mitte zwei Ruderräder anfänglich durch eine Handhaspel, später durch
eine Dampfmaschine betrieben wurden (Abb. 599). Rach den mit diesem Boot gemachten
günstigen Erfahrungen wurde im Jahre 1789 ein größeres Dampfschiff mit einer zwölf-
pferdigen Maschine erbaut, doch zeigten sich die Schaufelräder zu schwach. Die Schaufeln
brachen nacheinander ab, und Miller gab dann weitere Versuche aus. Zu gleicher Zeit
machten in Nordamerika Fitch und Rumsay Versuche mit Dampfbooten. Fitch verwendete
Schaufeln mit langen Stielen, später Schrauben, Rumsay die von Daniel Bernouilli vor
geschlagene Neaktionskraft als Propeller, doch hatten beide keinen anhaltenden Erfolg.
Die Dampfschiffahrt verschwand nun nicht mehr von der Tagesordnung. So sehen wir
1802 Symington noch einmal und ganz anders als früher gerüstet auftreten. Unter
der Protektion des Lord Dundas erbaute er die „Charlotte Dundas" (Abb. 600), ivelches
Fahrzeug als das erste praktische Dampfboot angesehen werden kann. Es hatte eine doppelt
wirkende zweicylindrige Wattsche Dampfmaschine mit Kondensation, welche das am Heck
601. Uoirrrt Fntton.